Im Interview

Nach „Parteiisch nur für Eschenburg“ (2004) und „Echt Eschenburg“ (2010) heißt es jetzt „Gemeinsam für Eschenburg“.  Klingt das nicht etwas komisch bei nur einem Kandidaten?

Hoffentlich nicht. Ich will damit ja gerade ausdrücken, dass es nur miteinander geht, und allen Wählern sagen, dass es auf ihre Stimme ankommt. So eine Allein-Kandidatur ist kein Alleingang und vor das Amt hat die Demokratie die Wahl gesetzt. Ich hatte bei der Bilanz und auch bei den Zielen als Quintessenz etwas heraus gelesen, was ich mit „Einsatz in Echtzeit“ erläutere. Das sind vielleicht programmatische Punkte, taugt aber nicht als Slogan. Das haben gute Freund und meine Frau mir deutlich gemacht – und darauf höre ich.

Gemeinsam für Eschenburg – das soll der Leitspruch sein, miteinander die Zukunft zu gestalten. Wenn wir das gewissermaßen als „gemeinsamen Nenner“ nehmen und auf Ziele verständigen, dann kann das auch leichter gelingen. Für die Bürgermeisterwahl mache ich Vorschläge und freue ich, wenn ich später mit den Gremien unserer Gemeinde und den Nachbarn Neues anpacken darf. Dafür ist so eine Wahl wichtig als Rückmeldung und Rückenstärkung.

Nun sind sie ja schon seit fast zwölf Jahren im Amt. Wird man damit nicht auch des Amtes müde?

Mein verehrter Vor-Vorgänger Otto Friedrich Schlemper hatte mich schon vor längerer Zeit vernommen: Du wirst doch nach zwei Amtszeiten nicht aufhören…. So lange Ihr mich nicht ärgert, ist das im Bereich des Denkbaren, habe ich damals geantwortet. Und vor allem: Es gibt noch viel zu tun. Solange ich noch jede Woche etwas entdecke, was mir neu ist, bleibt es spannend und interessant. Und außerdem: ich bin zwar unter den 23 Bürgermeistern im Kreis vom Dienstalter auf Platz 6, aber immer noch der Zweit-Jüngste.

Was nervt denn in diesem Amt?

Wenig in Eschenburg, aber umso mehr in Wetzlar, Gießen, Wiesbaden, Berlin, Brüssel und Straßburg. Bei fast jeder Eingangspost habe ich den Eindruck, dass die Kolonne der Kontrolleure länger als die Kolonne der Arbeiter wird. Und das ist kein gutes Verhältnis. Letztlich muss doch alles von den selben Bürgern bezahlt werden. Wenn wir uns in Eschenburg über vergleichsweise günstige 278 Euro Personalkosten pro Jahr und Einwohner die Köpfe heiß reden, muss man wissen: Die gleichen Eschenburger zahlen für das Land locker das Doppelte.

Aber mal aus der Perspektive Eschenburgs…

Genau darum geht es doch, auch in Eschenburg. Viele reden vom Bottom-Up-Prinzip. Aber kaum jemand fragt sich bei politischen Entscheidungen vorher, was kostet das die einzelnen Bürger. Hier brauchen alle Gesetzgeber mehr normative Kraft des Praktischen.

Vielleicht noch so ein schlauer Spruch für die Gemeinde-Politik?

Vielleicht die Mahnung: Mit Vorstellungen von vorgestern kann ich keine Politik machen für übermorgen.

Sie haben es irgendwie mit Eisenbahn-Begriffen, gerade auf der Startseite ihrer Homepage. Was hält Sie persönlich unter Dampf?

Ein guter Antrieb ist, auch bei Aufwand und Akribie, die das Amt mit sich bringt: Es ist für einen guten Zweck – nämlich für diese Gemeinde und unsere Kinder. Wenn ich Entscheidungen treffe, die über die Köpfe unserer Kinder hinausgeht und eher deren Zukunft prägt, stelle ich mir die Frage, was wirklich gut tut. Ich möchte nicht, dass wir mit einem „Wir haben es doch nur gut gemeint“ von unseren Nachfolgern zu hören bekommen: Aber nicht gut gemacht.

Was war der Höhepunkt ihrer jüngsten Amtszeit, die von 2011 bis Ende 2016 läuft?

Endlich eine Einigung im so genannten Schwimmbad-Streit. Ich nenne es lieber einen Webfehler der Gebietsreform. Und die Einigung ist auch nicht mein Verdienst, sondern fällt glücklicherweise in meine Amtszeit. Meine Vorgänger haben auch schon darum gerungen. Ich kenne die Bettelbriefe aus den Anfangsjahren und die teilweise sture Haltung auf beiden Seiten, die teils heute noch vorhanden ist. Bei den beiderseitigen Beschlüssen zum Bad habe ich mir nur gedacht: Was können Eschenburg und Dietzhölztal alles gemeinsam schaffen, wenn sie sich einig sind.

Aber gerade bei der IKZ geht es einigen nicht schnell genug…Was sagen Sie dazu?

Hüte Dich vor denen, die ‚Hauruck!‘ rufen und nicht schieben helfen. Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) hilft nicht immer und auch selten sofort zu sparen, sondern heißt zunächst einmal: Wir packen gemeinsam das an, was einer allein nicht oder kaum kann. Und das braucht Zeit, Kreativität und Einigkeit unter allen Beteiligten.

Wann kommt denn nun die Fusion mit Dietzhölztal?

Bislang habe ich gesagt: Kurz nach der Zusammenlegung von Straßebersbach und Bergebersbach…aber wie wir auch anders können, hat der Friede fürs Freizeitbad gezeigt. Der Spruch „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß“ lässt sich auch auf unsere beiden Gemeinden übertragen. Wir können viel mehr als wir uns selbst zutrauen.

Und was ist bis dahin für Eschenburg ihr Gestaltungs-Wille?

„Es darf keinen Grund geben hier fortzuziehen“

Was machen Sie, wenn Sie am 4. September nicht gewählt werden?

Dass so etwas auch bei einem Kandidaten passieren kann, haben wir erlebt. Wem etwas an dieser Gemeinde liegt, geht am 4. September wählen. Und wen ich bislang noch nicht überzeugen konnte, gibt mir hoffentlich dennoch die Chance dazu in der Zukunft und schenkt mir zumindest das Vertrauen, auch in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde zu lenken und womöglich in dieser Amtszeit zu überzeugen. Ich hoffe, dass mich die Eschenburger bei diesem „Alleingang“ nicht alleine lassen.