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Goure!

Rücksicht ist kein Opernplatz (08.08.2020)

Wir brauchen nicht auf die Demonstrationen in Berlin zu zeigen und den Kopf zu schütteln. Auch die Partys auf dem Opernplatz sind gar nicht so weit weg: Am Holderberg – und gewiss auch anderswo – staunen Spaziergänger nicht schlecht, welche Müllberge dort von anderen hinterlassen werden. Da kapitulieren selbst die gutmütigsten Zeitgenossen, die auch schon mal den Müll anderer Leute aufheben.

Und solche Rücksichtslosigkeit ist gefährlich: Scherben und Flaschen in Wald und Feld können bei dieser Trockenheit und diesem Sonnenschein leicht ein Feuer entfachen. Das geht übrigens auch mit Plastikflaschen! Wer dennoch seinen Müll achtlos in die Landschaft wirft, ist nicht nur unsolidarisch, sondern gefährlich.

Selbst in den Griff bekommen wir den „Hotspot“ hinterm Rathaus. Ich meine jetzt das WLAN aus dem Rathaus, das Jugendliche gerne mitnutzen. Das ist erlaubt, aber auch hier gilt der Mindestabstand von 1,50 Metern. Und damit meine ich nicht nur den Abstand untereinander, sondern auch zu den Rathaus-Besuchern, die dort ihren Ausgang haben. Ich will nicht sehen, dass dort mal ein Besucher über einen WLAN-Surfer stolpert, oder auch die kleine Netznutzer-Gemeinschaft zu eng aneinander hockt. Schaut lieber unter www.corona.hessen.de nach und haltet Euch an die Regeln. Rücksicht ist kein Opernplatz.

Vorsicht beim Fordern und Fördern: Steuer macht‘s teuer (01.08.2020)

Wir müssen alle auf unsere Kosten kommen, sonst legen wir drauf. Bei Kommunen ist das komplizierter: Die Städte und Gemeinden müssen mittlerweile auch die Abschreibung erwirtschaften, die ein Wirtschaftsunternehmen mit der Steuererklärung entlastend gegenrechnen kann. Städte und Gemeinden können ihre Steuerlast nicht mindern oder verhindern. Von der Gewerbesteuer zum Beispiel, die bei den Kommunen scheinbar die größte Rolle spielt, bleibt nur etwa ein Viertel in der Gemeinde oder Stadt. Der Großteil ist abzuführen an Kreis, Land und Bund. Anders betrachtet: Wenn eine Gemeinde eine Leistung aus der Gewerbesteuer finanziert muss sie für jeden Euro vorher das Vierfache an Steueraufkommen haben. Oder  noch einfacher: Bei jedem Euro, den eine Kommune aus der Gewerbesteuer nimmt und wieder investiert, gehen vorher drei Euro ab an Kreis, Land und Bund. Wir hatten schon beim Haushaltsplan 2020 das Novum, das erstmals die Finanzierungslücke bei den Kindergärten größer ist als der erwartete Ertrag aus der Gewerbesteuer. Wenn wir jetzt noch den Familien Gebühren zurückzahlen, wo das Geld zweifellos gut angelegt ist, haben wir nichts mehr zum Drauflegen. Dann sind auch mal andere dran – zum Beispiel Kreis, Land und Bund, die ja die anderen drei Euro aus der Gewerbesteuer einkassiert haben. Wir müssen alle auf unsere Kosten kommen, nur steckt beim Finanzierungsweg Steuer schon das Wort „teuer“ drin.

Es ginge viel mehr, wenn man mehr ginge (25.07.2020)

Nicht gleich mit dem Westerwaldmarsch anfangen, der in 24 Stunden über 100 Kilometer führt. Es kann auch schon die „Hunde-Runde“ zuhause – nach dem 15. Juli in Eschenburg auch wieder ohne Anleinpflicht, aber immer und überall unter der gebotenen Aufsicht des Halters – helfen: „Gehen ist einer der besten Wege, um uns in Topform zu bringen“, sagt der irische Hirnforscher Shane O’Mara. Der Neurowissenschaftler forscht und empfiehlt, dass sich Spaziergänge positiv auf Herz und Hirn auswirken. Der Professor für Experimentelle Hirnforschung am Trinity College der Universität bloggt im Internet (https://shaneomara.com/blog) und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Das Glück des Gehens“.

Das hat ein alter Hesse, Johann Gottfried Seume, im 18. Jahrhundert schon gesagt: „Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge… So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt… Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.“ Diese Erkenntnis könnte man modern ausdrücken: Es ginge mehr, wenn man mehr ginge. Probieren Sie es aus, dann werden sie schnell merken: Geht doch!

Personalisierte Sitzplatzvergabe? (18.07.2020)

Ich habe während meiner Zeitungs-Zeit keinen Tag in einer Sportredaktion gearbeitet und trotzdem einen Trick gelernt. Wenn man ein Mannschafts-Foto aufnehmen soll und mit dem Stift nicht so schnell ist wie am Auslöser, bittet man das Team nach dem eigentlichen Foto um ein Umdrehen und lichtet die Rückennummern ab. Dann lässt sich später ganz einfach (von links nach rechts) in der Bildunterschrift notieren, wer wo gestanden hat. So ähnlich können Sie arbeiten, wenn sie nach der neuesten Corona-Verordnung eine Veranstaltung planen. „Personalisierte Sitzplatzvergabe“ ist das Zauberwort, das vielen noch Rätsel aufgibt. In den Auslegungshinweisen des Landes Hessen heißt es dazu: „Zwischen diesen Einzelpersonen oder Gruppen ist der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Die personalisierte Sitzplatzvergabe bedeutet nicht, dass zwingend ein Reservierungssystem bestehen muss. Es ist auch ein spontanes Placement oder – bei bekanntem Teilnehmerkreis – ein geplantes Placement möglich. Nicht möglich ist allerdings, spontane 10er-Gruppen zu bilden. Es empfiehlt sich bei der personalisierten Sitzplatzvergabe zu dokumentieren, wer wo sitzt. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen müssen nicht mit der Einnahme von Sitzplätzen verbunden sein, bei Veranstaltungen ohne Einnahme von Sitzplätzen muss aber in jedem Fall der Mindestabstand von 1,5 Metern einhaltbar sein.“

Nochmal ganz langsam zum Mitdenken: Sie müssen eine Teilnehmerliste führen. Und in geschlossenen Räumen sollte man genau mit dem Mindestabstand von 1,50 Metern vorher planen. Fürs Singen sind sogar 3 Meter Platz zu lassen. Deshalb haben wir unter www.eschenburg.de/corona zum einen eine Corona-Checkliste und nun auch ein Platz-Planungsinstrument; mit Powerpoint können Sie Sitzplätze für Ihre Veranstaltung planen und auf dem Grundriss des Dorfgemeinschaftshauses skizzieren. Und den letzten Schritt machen wir wie die Sportreporter bei den Namen zum Foto: Einfach die laufende Nummer der Anwesenheitsliste auf die Sitzplatz-Skizze notieren – und schon haben Sie eine „personalisierte Sitzplatzvergabe“, die Sie nie gewollt haben.Warum das Ganze? Zur Nachverfolgung des Virus muss das Gesundheitsamt auch später schnell ermitteln können, wer wann wo mit wem wie gesessen und gesungen hat. Mit Vorsicht und Abstand läuft es am besten.

Mindestabstand ist das Mindeste (11.07.2020)

Klar fällt das Virus nicht nach 1,50 Metern zu Boden. Corona „fliegt“ viel weiter, wenn ein stimmstarker Gesang oder auch nur die feuchte Aussprache eines Redners den Erreger in den Raum trägt. Nur war das nicht immer fair, dass Gesang und Musik in geschlossenen Räumen verboten blieb, wir haben uns aber mitunter für weniger die Köpfe heiß geredet und uns unbewusst der Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Den Covid-19 ist wohl auch ein versierter Thermiksegler; über die heiße Luft, die Menschen nun mal erzeugen, kann das Virus gleiten.
Das muss man wissen, um den Sinn der Sicherheitsvorkehrungen zu erkennen. Als die Länder ihre eigenen Regeln aufstellten und freilich lieber „Lockerung“ als „Lockdown“ schrien, hat das Bundeskanzlerin Angela Merkel genau richtig gemacht und wohl gedacht: Macht doch, was ihr wollt, aber der Mindestabstand bleibt.
1,50 Meter ist das Maß aller Dinge. Im Schwimmbad kann man sich das mit der Pool-Nudel bildlich vorstellen. Für das Hygiene-Konzept im DGH muss ich rechnerisch nun mit drei Quadratmetern pro Besucher planen, aber in der Praxis stets beherzigen: Der Mindestabstand ist das Mindeste. Wenn ich diese anderthalb Meter unterschreite, sollte ich zur Maske greifen, wenn wir nicht im gleichen Haus leben. Weil das Singen mit Maske nicht so schön ist, sollte ich dabei mehr Sicherheitsabstand einplanen und auch einhalten. Aber es geht endlich wieder: „Dringend empfohlen wird, auf Chorgesang und anderes gemeinsames Singen in geschlossenen Räum oder ohne Mindestabstand von mindestens 3 Metern zu verzichten; dies gilt gleichermaßen für Vereine wie auch für Proben oder Veranstaltungen.“ So steht es in den Auslegungsweisen. Oder einfacher ausgedrückt: Es darf wieder gesungen werden – mit Sicherheit.
Auf dem Spielplatz und im Schwimmbad hat das mit Kindern und Jugendlichen prima geklappt. Deshalb sollten wir Erwachsenen es ihnen nachmachen: Einfache Regeln einfach befolgen. Mindestabstand ist das Mindeste. Nur guter Gesang braucht die doppelte Distanz, um nun wieder erklingen zu dürfen.

Parken als Problem: „Mal eben kurz“ ist schnurz (04.07.2020)

„Ich wollt‘ doch nur mal kurz…“ Mit diesen Worten beginnen die meisten falschen Erklärungs-Versuche. Die Straßenverkehrsordnung ist im § 12 (Halten und Parken) ganz klar: „Wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als drei Minuten hält, der parkt“, heißt es im zweiten Absatz. ODER steht da. Nicht: „Du darfst auch nur mal kurz“. Fürs HALTEN muss man sich auch im oder am Fahrzeug aufhalten. Wer auch nur einen Schritt von seinem Auto weg geht, ist bereits am Parken.

Beim Parken hört das Denken auf,  hat man zunehmend den Eindruck, je länger sich die Zeit der Fahrprüfung entfernt. Alle Autofahrer haben einmal gelernt, dass das Parken vor Einfahrten zu Grundstücken bzw. Grundstücksausfahrten verboten ist (§ 12 Abs. 3 Nr. 3 und 5 StVO). Wie so etwas in Vergessenheit gerät, kann man jeden Tag bei fast jeder Post-Filiale und nahezu allen anderen Geschäften erleben. Weil jeder „doch nur mal kurz“ in die Apotheke, zum Metzger oder zum Bäcker möchte, müssen andere warten oder sich zumindest darüber ärgern, dass das Garagentor oder die Hofeinfahrt zugeparkt ist. „Nur mal kurz“ kann dann lang werden. Das Gesetz hat für diesen Fall aber überhaupt keine Karenzzeit eingerechnet, sondern die drei Minuten gelten nur für das Halten. Das bedeutet, wie gesagt, dass sich Fahrer im oder am Fahrzeug aufhalten, und die Karre sofort wegfahren, wenn sie in dem – meist leicht erkennbaren – Weg der Hofausfahrt steht. Nun hat der Gesetzgeber weder ein besonderes Zeichen mit auf dem Weg gegeben, mit dem ein Hausbesitzer seine Ausfahrt kennzeichnen kann, noch sind für jeden Verkehrsteilnehmer genügend Hilfspolizisten des örtlichen Ordnungsamtes eingestellt, die einen vor der eigenen Dummheit noch einmal höflich zu bewahren versuchen. Nein, da ist die Straßenverkehrsordnung unerbittlich und fordert von jedem von uns, dass wir uns daranhalten. Und wenn nicht, ist das Beschwerdemanagement im Zeitalter der Digitalisierung mit bald jedem Handy leicht zu handeln.

Am besten ist, wir alle lernen diese Aktion schnellstens. Denn die nächste Großbaustelle kommt bestimmt: Kreis und Hessen Mobil wollen die Brücke am Kreisel in Eibelshausen sanieren. Der Verkehrsfluss wird an dieser Stelle über Monate geteilt und muss neue Wege finden. Wenn dann die Schulbusse über den Wiesenweg und den Hof ins Zentrum fahren sollen und an Haltestellen auch zum Umsteigen dienen müssen, kann niemand „mal eben schnell“ im Halteverbot stehen bleiben oder vor der nächsten Hofeinfahrt parken. „Mal eben kurz“ ist jetzt schon schnurz, meint

Carina hilft gegen Corona (27.06.2020)

„Bring Corona nicht zur Oma“ war eine Kampagne zur Corona-Vorsicht. Kontaktbeschränkung bleibt wichtig zur Eindämmung des Virus. Nur müssen wir auch aufpassen, dass diese Krise nicht die Generationen entzweit.

„Die Jugend ernährt sich von Träumen, das Alter von Erinnerungen“, sagt ein jüdisches Sprichwort. In diesem Sinne möchte ich heute werben, für Kinder und Jugendliche in Eschenburg etwas zu unternehmen, was sich auch „einzeln und in großer Runde“ machen lässt. Der „Ferienpass“ fällt aus, aber für einen „Ferienspaß“ sammelt und steuert Carina Hinze-Hellebrand im Rathaus Ideen. Aktionen können auch spontan über die Internetseite https://eschenburg.ferienprogramm-online.de bekannt gemacht werden. Ihr habt eine Idee? Dann meldet Euch per Telefon 02774 915-212 oder E-Mail an ferienpass.eschenburg@gmail.com – am Freitag ist letzter Schultag. Am besten etwas zum Träumen. Mit Kreativität geht das auch in der Krise.

Wie wichtig Erinnerungen sind, haben wir sonst immer erlebt, wenn Bürgermeister und Beigeordnete die Alters- und Ehejubiläen besucht haben. Das geht nun leider derzeit nicht. Wir haben aber vor, die Geburtstags-Gratulation per Post an unsere Jubilare zu schicken.

Schön wäre, wenn wir in diesem Corona-Sommer Träume und Erinnerungen zusammenbringen und der „Ferienspaß“ gleichermaßen etwas für Jung und Alt ist, am besten im Miteinander. Und wenn Treffen und Veranstaltungen derzeit ausfallen, findet sich womöglich über Medien ein Weg. Unsere Internetseite soll dafür eine „Börse“ sein. Und fertige Filme können wir auch über den YouTube-Kanal der Gemeinde Eschenburg schicken. Viele tolle Träume und schöne Erinnerungen wünsche ich.

Zuhause ist es doch am schönsten (20.06.2020)

Auch wenn es keiner gerne zugibt, hat die Corona-Krise auch Vorteile. Man sucht sich seine Kontakte sorgfältig aus. Sieht, wie wertvoll Begegnungen sind. Lernt die Heimat kennen. Macht vieles, wofür bislang keine Zeit da war. Vor den Sommerferien denken viele an Urlaub und geraten in Stress: Wie bekommen wir in Corona-Zeiten eine Reise oder einen Auslandsaufenthalt hin? Bei vielen Familien wird der Urlaub ausfallen wie das Ferienprogramm der Gemeinde für Kinder. Deshalb sollten wir uns lieber jetzt schon einen „Plan B“ basteln, wie wir die Sommerferien zuhause gestalten. Die Jugendgruppen der Hilfsorganisationen im Lahn-Dill-Kreis (www.junge-helfer.de) haben es am vergangenen Wochenende vorgemacht, indem das geplante große Zeltlager am Aartalsee ins nächste Jahr verschoben wurde. Und stattdessen gab es „Gemeinsam 2020@HOME“. Ein Ferienprogramm wird es erstmals seit 1985 nicht geben. Dafür planen wir jetzt schon für 2021 einen gemeinsamen „Ferienpass“ mit der Gemeinde Dietzhölztal. Vor 35 Jahren begann die Ferienpassaktion in Eschenburg mit drei Aktionen (Segelfliegen, Tennis, Naturlehrpfad) und dem Freizeitbad. Selbst das geht nicht so, wie wir es gewohnt sind – wir sind froh, dass wir das Schwimmbad überhaupt öffnen können. Wenn wir im Schwimmbad „Kurzzeit für alle“ anbieten, sollten wir dennoch den Kindern und Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit geben: Sie haben am meisten seit dem 16. März entbehrt und haben für die Gesundheit älterer Menschen auf vieles verzichtet. Deshalb sollten wir jetzt auch gemeinsam Kreativität entfalten, wenn es um einen „Ferienspaß 2020“ geht. Was können wir – unter den Bedingungen der Corona-Kontaktbeschränkung und Hygiene-Auflagen – gemeinsam unternehmen? Hand aufs Herz: Wer hat nicht oft nach einem noch so eindrucksvollen Urlaub nach der Heimkehr gesagt: „Zuhause ist es doch am schönsten“. Diese Erkenntnis muss diesmal schon vorher kommen und unsere Motivation sein. Wer hat eine Idee? Bitte einfach kurz skizzieren und uns schicken an zukunft@eschenburg.de per E-Mail. Denn es geht um unsere gemeinsame Zukunft, nicht nur um den nächsten Urlaub.

Normalität: Langsam wird es wieder gut (13.06.2020)

„Langsam sollte es mal gut sein“, entgegnete eine Leserin auf einen der vielen Hinweise aufs Händewaschen. „Wann arbeitet ihr im Rathaus wieder normal?“, fragen andere. Es ist derzeit normal, dass wir Besucher ins Rathaus lassen, nachdem wir Handdesinfektion angeboten und die Personalien aufgenommen haben. Es entspricht eben der Norm, und das sind bis 5. Juli die gültigen Corona-Verordnungen, die uns allen dringend raten: Kontakte beschränken, Abstand halten, Hände waschen, Maske nutzen.

Freilich wollen wir alle wieder zurück zu der Normalität, die wir vorher kannten. Aber solange da draußen ein Virus frei herumläuft, geht das nur mit Regeln, die uns alle schützen sollen. In Hessens Regeln steht nichts davon, dass man „sich wieder mit 10 Leuten treffen kann“. Hier gilt, selbst beim Kindergeburtstag zuhause im Garten: Wenn ich nicht im engsten Kreis der Personen bleibe, die in zwei Häusern unter einem Dach leben, bin ich „Veranstalter“. Dann brauche ich wie der Altenheim-Betreiber oder der Bäcker die drei Dinge, die unsere Checkliste abfragt, zum Selbsttest:

  • Hygienekonzept
  • Abstandsregelungen
  • Teilnehmerliste mit Namen, Adressen und Telefonnummer.

Nichts anderes machen wir im Rathaus. Nichts anderes machen wir, wenn im Bürgerhaus einige wenige Sitzungen der Gemeinde-Gremien stattfinden. Mit Telefon und Termin geht das am besten, dann wird die „Sperre“ an der Rathaus-Tür zur „Schleuse“ – und viele Anliegen werden in gewohnter Qualität und Geschwindigkeit bearbeitet. Das Einwohner-Meldeamt hat in der Woche vor Pfingsten 7 Reisepässe und 23 Personalausweise aushändigen können.

Deshalb schreiben wir bei „Eschenburg hilft“ auch jede Woche die bekannte Zentral-Nummer 02774 915-0, damit Bürger direkt Kontakt aufnehmen können. Und wenn das Band läuft, wird die Notfall-Nummer 915-110 angesagt. Darüber landen Sie bei mir auf dem Handy, weshalb ich auch nicht „verbinden“ kann.

Mich freut, wenn sich Gewerbetreibende, Posaunenbläser oder Bürger mit Geburtstag fragen, wie sie sich „Corona-konform“ verhalten. Nur ist es am besten, die Fragen kommen direkt über meine E-Mail-Adresse buergermeister@eschenburg.de und nicht über Umwege wie Facebook, WhatsApp oder Brieftaube. Wir haben am 16. März vieles „vorübergehend geschlossen“. Das heißt fürs Freizeitbad noch immer: „Geschlossen, damit es vorüber geht“. Mit Sicherheit und Konzept sollen in dieser Woche Schwimmtraining und Kurse starten können. Wenn wir uns mit Geduld und Genauigkeit an Regeln und Rücksicht halten, wird es auch langsam wieder gut.

Informationen als „Mittheilungen zum Darnachrichten“ (06.06.2020)

Wer? Wo? Wann? Was? Diese vier so genannten W-Fragen soll eine Nachricht mindestens beantworten können. Das habe ich mal gelernt im Studium und vor allem bei der Ausbildung zum Tageszeitungs-Redakteur. Dass ich Jahre später – zwischen Pfingsten und Fronleichnam – wieder ins Schwitzen komme, hätte ich jetzt nicht gedacht. Aber es ist so: Wegen der Feiertage drängen sich die Abgabetermine für die Wochenzeitung. Und was sollen wir berichten, wenn doch gerade eigentlich alle Termine ausfallen? Was die Mitteilungen angeht, arbeiten wir gerade „doppeltgemoppelt“: Unsere Wochenzeitung läuft wie seit Jahrzehnten, auch unter Krisenbedingungen. Und unsere Internetseite www.eschenburg.de ist – kombiniert mit unserer Eschenburg-App – ein gutes Werkzeug, wenn wir schnell etwas bekannt machen möchten und schnell reagieren müssen. Wer will, bekommt sogar einen Hinweis aufs Handy.

Obwohl alles viel schneller läuft, hat sich nichts geändert seit meiner Ausbildung und auch nicht seit dem Jahre 1889. Damals schrieben die Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm in ihr „Deutsches Wörterbuch“ als Erklärung für das Wort Nachricht: „1) mittheilung zum darnachrichten und die darnachachtung: die instruction. bekanntmachungen und zeitungsinserate sind häufig überschrieben: zur nachricht!
2) überhaupt mittheilung einer begebenheit u.s.w., zur kenntnisnahme derselben, und allgemeiner: gegebene oder erhaltene mündliche oder schriftliche kunde von einer person oder sache, meldung, anzeige, überlieferung: nachricht sagen, bringen, geben, haben, bekommen u. s. w.; etwas mehrere nachricht ertheilen…“ So ähnlich schreiben wir (manchmal und manche) heute wieder. Wichtig ist, dass eine Nachricht ankommt, verstanden wird, dem Hörer und Leser etwas bringt. Und wenn – wie jetzt gerade wieder – keine Termine stattfinden, schauen wir auf die Themen. Die Eschenburg-App, unseren Fotowettbewerb und auch die Neugestaltung unseres Marktes, auch wenn das erst 2021 startet, möchte ich Ihnen ans Herz legen

Ideen und Visionen für zukunft@eschenburg.de (29.05.2020)

Da wollen wir mal gemeinsam vertrauensvoll in die Zukunft blicken“, sagt unser Ehrenbürgermeister Otto F. Schlemper gerne. Und das Wort ist gut so: Es geht nur gemeinsam. Es geht nur mit Vertrauen. Und der Blick muss in die Zukunft gerichtet sein. Am besten auf gemeinsame Ziele; das erleichtert die Suche nach dem nächsten Schritt. Nur weil das Land den 14. März 2021 für die nächste Kommunalwahl festgelegt hat, müssen wir nicht mehr in Kapiteln denken oder gar das Buch zuschlagen. Wir haben 2021 ein richtiges Jubiläum zu feiern: Die Gemeinde Eschenburg besteht seit 50 Jahren. Und die Menschen hier haben in diesen fünf Jahrzehnten vieles geschaffen, was uns die Grundlage für die Zukunft gibt. Ich kürze für Schüler immer die Geschichte unseres Wappens ab und sage, der Maueranker und der Stautzeweck zeigen, wie hier bodenständiges Handwerk und genussvolles Leben zuhause sind. Diese Eschenburger Eleganz – manche mögen es auch dreist nennen – bringt zusammen und hält zusammen. Das würde ich gerne beim Jubiläum das ganze Jahr über gemeinsam vertrauensvoll im Selbstversuch wagen, aber schon vorher als Hilfe erfahren: Der Ferienpass fällt aus wegen Corona. Wer hat Ideen, die sich krisensicher angehen lassen? Wer liefert für den YouTube-Kanal der Gemeinde Eschenburg einen Wecken-Workshop als Video? Wer kann Schnitzeljagd als Streaming? Wer bietet Zuhause-Lernen endlich auch für Rentner an? Wir haben die E-Mail-Adresse zukunft@eschenburg.de geschaltet, um Eure und Ihre Ideen für die Zukunft unserer Gemeinde zu sammeln. Da wollen wir mal gemeinsam vertrauensvoll in die Zukunft blicken!

Strategie der sicheren Schritte (23.05.2020)

Das schmerzt, wenn man die ganzen Veranstaltungen wieder aus dem Veranstaltungskalender löscht. Schwupps war auf der Eschenburg-App nicht mehr die Konfirmation in Eibelshausen angezeigt, sondern schon der Maimann. Ob diese Symbolfigur am Pfingstmontag durch Eibelshausen geht und zum Ausklang bei der Nabu einkehrt, wird sich auch noch klären. Zwischen „Lockdown“ und Lockerung steht die Verantwortung eines jeden Veranstalters. Ob ich nun einen Kinder­geburtstag veranstalten will oder Besuche im Altenheim organisiere, ich muss mich um Sicherheit kümmern. Vor dem Virus hilft nur Vorsicht, soll unsere Corona-Checkliste jedem nahelegen:

  • Hygiene-Konzept
  • Abstands-Regelung
  • Teilnehmer-Liste (mit Name, Adresse, Telefonnummer)

Diese drei Punkte muss jeder „Veranstalter“ bringen. Das gilt weiterhin bei der Trauerfeier, wie auch im Steh-Café, das seit Monats-Mitte mit den Restaurants geöffnet hat. Die Gastgeber sind in der gleichen Pflicht zur Hygiene, auch wenn Ehrenamtliche am Werk sind. Deshalb sind wir alle gehalten, in solchen Fragen nicht zu schludern, sondern Obacht zu geben. Und man wird allen gegenüber die gleiche Vorsicht walten lassen, meine ich. Den Gesangvereinen und Chören sollte bis Ende dieser Verordnungs-Phase das Proben verwehrt sein und auch in Gottesdiensten und bei Trauerfeiern ist das Singen regelrecht tabu. Nicht ohne Grund: Corona-Fälle in unserer Nähe zeigen doch, wie das Virus gerade in Chören weit fliegt. Am Tresen aber auch, weshalb an die Gastronomie ebenfalls hohe Hygiene-Hürden gestellt sind.

Wir wollen wieder zur Normalität zurückkehren, aber mit einem solchen Virus macht das keinen Spaß. Hier müssen Taktik und Strategie endlich einmal zusammen­arbeiten: Wir müssen uns anders aufstellen (Taktik), mit Sicherheitsabstand am besten, und für das gemeinsame Vorgehen (Strategie) sichere Schritte entwickeln. In der vergangenen Woche haben wir den Sport ohne Kontakt und mit viel Abstand ermöglicht. Bevor wir wieder in den Hütten und Häusern zusammenkommen, sollten wir Himmelfahrt und Pfingsten mal für eine Neuorientierung nehmen. Wir kennen beide Feste als Feste, doch waren sie am Anfang eher einsame „Veranstaltungen“. Und wie schon in der Bibel steht, geht die Begeisterung auch erst mit Pfingsten los. Denken Sie mal darüber nach.

Unsere Segelflieger haben als erstes die Genehmigung bekommen, mit ihrem Sport unter freiem Himmel wieder starten zu können. Die Auflagen sind klar: Mitgliedern, die nicht aus dem Hausstand des Piloten kommen, dürfen nicht mitfliegen. Und Gäste geht gar nicht. Das hat zur Folge, dass der Segelfliegerclub seine Teilnahme am Ferienpass absagen musste. Auch als erster Verein, aber er wäre nicht der letzte gewesen, der die Sicherheits-Vorkehrungen nicht erfüllen kann. Und dabei war Fliegen eines der ersten drei Aktionen, die 1985 beim ersten Ferienprogramm in Eschenburg angeboten wurden. Eine Führung auf dem Waldlehrpfad in Eibelshausen mit anschließender Grill-Party, Tennis-Lernen beim TC Eschenburg und ein Besuch bei den Segelfliegern in Hirzenhain machten den ersten „Ferien-Spaß“ aus.

Das ginge heute nicht mehr: Schläger und Filzball muss man derzeit desinfizieren, bevor ein anderer das Sportgerät in die Hand nimmt. Und selbst bei der Natur auf der Spur kann man den Abstand von 1,50 Metern nicht immer halten. Von Busfahrten, vom Kino im Bürgerhaus und vom Eis-Machen wollen wir erst gar nicht reden. Es geht schlicht nicht. Weder die Gemeinde noch die Vereine können die Sicherheits-Bestimmungen einhalten. Teilnehmerliste ginge ja noch, aber bei Hygiene-Konzept und Abstands-Regelung klappt es bei keiner der bekannten Aktionen. Der Gemeindevorstand hat deshalb am Montag schweren Herzens beschlossen, im Corona-Jahr 2020 keinen Ferienpass anbieten zu können. Mit unserer Absage rufen wir die Vereine, Kirchen und Akteure in Eschenburg auf, für die Sommerferien einzelne Aktionen zu starten, bei der andere mitmachen können. Ich denke da an das „Corona-konforme“ Dorfspiel, das der CVJM Eibelshausen angeboten hat. Eine solche Schnitzeljagd lässt sich gewiss wieder starten. Wer hat weitere Ideen, wie wir Neues wagen? Beim ersten Ferienpass vor 35 Jahren haben gewiss auch nicht wenige gesagt: Das gibt im Leben nichts! Was daraus geworden ist, lässt uns auch für die vor uns liegende Zeit ackern und rackern. Dann können wir – auch mit Corona-Gefahr im Blick – sagen: Eschenburger sind mit Abstand die Besten!

Lieber locker bleiben als „Lockdown“ (09.05.2020)

Auch wenn die Corona-Verordnungen am Sonntag auslaufen, bleibt das Thema uns erhalten, solange es weder Impfstoff noch Immunität gegen das Virus gibt. Vorsicht ist geboten und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben.

Am vergangenen Wochenende hatten wir im Lahn-Dill-Kreis einen Stand erreicht wie zuletzt am 11. März: 90 Personen vorsichtshalber in Quarantäne. Vor acht Wochen hatten wir vier Infizierte im Kreis – derzeit sind es 335 Infizierten, davon die meisten wieder genesen, aber auch 19 Menschen mit Corona gestorben sind.

Damit die Zahlen auch in Zukunft so überschaubar bleiben, müssen wir vorsichtig sein und so diszipliniert bleiben. Vielleicht sogar noch vorsichtiger und noch genauer: Denn bislang wurden eingeschleppte Einzelfälle behandelt, Infizierte identifiziert und isoliert, ihre Kontaktpersonen ermittelt und vorsorglich für zwei Wochen in Quarantäne gesteckt. Denn so lange dauert die Inkubationszeit bei Corona.

Wenn jetzt nach und nach die Vorsichtsmaßnahmen wieder gelockert werden, wie an unseren Spielplätzen (Foto), kann sich das Virus wieder verbreiten, wenn wir unachtsam sind. Vor allem dort, wo sich Menschen treffen und sich die Klinke in die Hand geben, ist Vorsicht angesagt. Überall sollten wir die Anstands-Regeln und Hygienevorschriften einhalten: 1,50 Meter Abstand oder Schutz nutzen, Hände waschen und nicht schütteln, in Publikumsbereichen die Mund-Nase-Maske tragen.

Wir haben in Eschenburg zum Glück bislang nur 13 Infektionen gehabt und alle sind wieder gesund geworden. Wenn wir alle nicht so diszipliniert gewesen wären, hätten es mehr Erkrankungen gewesen sein können. Und wenn wir nicht weiter vorsichtig bleiben bei den „Lockerungen“, kann es immer noch schlimmer kommen.

Wir sollten lieber selbst einen Plan entwickeln, wie wir Schritt für Schritt „lockern“, aber auch notfalls wieder die Zügel anziehen. Bleiben Sie gesund, vorsichtig und locker – das ist besser als „lockdown“.

Masken auf: Selbstschutz geht nur in Solidarität (02.05.2020)

Ich hoffe, das dauert nicht so lange wie früher bei manchem Mofa-Fahrer. Als dieser damals plötzlich einen Helm tragen sollte, nahm er das wörtlich, aber falsch und hängte den Schutz über den Arm. Weil das Corona-Virus über Tröpfcheninfektion übertragen wird, ist der Handschlag verpönt und eine feuchte Aussprache mehr als peinlich. Handschuhe, wie ich sie sonst etwa beim Rasenmähen anhabe, trage ich im Büro und beim Einkaufen eher als Gedächtnisstütze und Schutz vor schlechten Angewohnheiten: Am Obststand bekomme ich die Tüten schlecht geöffnet und am Schreibtisch wird völlig unbedacht der Finger angefeuchtet zum Umblättern…Mit Handschuh passiert mir das seltener.

Ähnlich sind die meisten Masken für andere ein Schutz und eine Erinnerung, Abstand zu halten. Mein Chinesisch ist nicht gut und ich glaube mittlerweile auch nicht mehr allen Zertifikaten für KN 95, FFP 2 oder sonst was. Das ist Vertrauenssache – und ich trau den Alltagsmasken, die meine Frau genäht hat. Zwischen zwei Lagen Baumwolle packt sie noch Vlies als Filter. Im Rand um die Nase sind meine Pfeifenreiniger eingenäht, mit denen die Maske prima passend gemacht wird. Selbst selbstgenähte Masken eignen sich nicht nur für den Fremdschutz, wenn sie andere Menschen vor meiner feuchten Aussprache bewahren, sie schaffen auch Schutz für uns selbst. Selbstschutz ist nämlich eine Frage der Solidarität: Wenn alle Masken tragen, schützen wir uns alle gegenseitig. Deshalb sag‘ ich heute: Masken auf, Selbstschutz geht nur in Solidarität. Lieber jetzt zu vorsichtig als später zu krank

Disziplin statt Drängeln: Die Gefahren beim „Hochfahren“ (25.04.2020)

Mein Wunsch war noch nicht über die Wochenzeitung veröffentlicht, da hatte Hans-Peter Hanusch bereits gehandelt und geholfen, das Soldatengrab in Hirzenhain zu pflegen. Herzlichen Dank für diese Hilfe!

Es geht in diesen Tagen nicht alles so schnell. Im Kampf gegen den unsichtbaren Gegner Corona gilt es jetzt, weiterhin Vorsicht walten zu lassen und  Ansteckungsgefahren zu mindern. Nachdem die Geschäfte in dieser Woche öffnen konnten, sollen nun die Schulen „wieder hochgefahren“ werden. Da steckt das Wort „Gefahr“ schon drin. Meine Sorge ist, dass wir die Erfolge der vergangenen vier Wochen leichtfertig riskieren, wenn wir nun wieder zur Tagesordnung übergehen, als wäre nichts gewesen. Für die Gremien der Gemeinde Eschenburg hat sich der Ältestenrat in dieser Woche die Lage angeschaut und beschlossen, dass die derzeit geplanten Sitzungen ausfallen und wir in einer Gemeindevertretersitzung am 25. Juni alle anstehenden Beschlüsse bündeln. Problematisch ist nämlich derzeit, dass wir mit dem Desinfektionsmittel sparsam umgehen müssen und in den Sitzungsräumen nicht den Platz haben, der heuer beim Einkaufen vorgeschrieben ist (20 Quadratmeter pro Kunde). Das ist neben den 1,50 Metern Mindestabstand, wenn kein Schutz da ist, ebenso eine Größe, mit der wir leben lernen sollten wie mit dem Thema Maske. Klar kann keiner am Montag in der Schule sechs Stunden lang die Maske aufbehalten, aber wir sollten uns damit vertraut machen und Wege finden, mit den Gefahren beim „hochfahren“ sicher umzugehen. Da gilt es, wie im Laden auch, nicht zu drängeln, sondern weiterhin Disziplin zu zeigen. Das gilt besonders für uns Erwachsenen, die immer vorher wissen, dass etwas nicht passt, obwohl wir es noch nicht probiert haben. Bleiben Sie gesund, sicher und munter.

Erinnerung bleibt unsere gemeinsame Aufgabe: Wer hilft mit, das Soldatengrab in Hirzenhain zu pflegen? (18.04.2020)

Kaum ein Tag vergeht, in dem in der Zeitung nicht der Blick zurück geworfen wird auf das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Beim Volkstrauertag erinnern wir jedes Jahr daran, dass die vielen Menschen, deren Namen auf den Denkmälern auf unseren Friedhöfen stehen, nicht als „Helden“ gestorben sind, sondern meist als Söhne, Brüder, Väter und Ehemänner. In Hirzenhain haben wir noch als Besonderheit ein Soldatengrab, dessen Pflege, wie auch die Erinnerung, unsere bleibende Aufgabe ist: Am 21. März 1945 ist Pilot Willi Ehrecke, gerade mal 21 Jahre alt, von feindlichen Jagdfliegern abgeschossen worden. Der tödliche Schuss traf ihn, als er wehrlos am Fallschirm hing. Diesen Luftkampf und dieses Gemetzel haben hier viele mitansehen müssen. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, wie schlimm Krieg ist und sinnlos ein Soldatentod ist, wenn der Krieg doch eigentlich schon verloren ist. Alle die Jahre haben wir private Hilfe bei der Pflege des Soldatengrabs in Hirzenhain gehabt. Dafür sind wir dankbar, denn das ist zwar eine kommunale Aufgabe, aber Bürgerengagement geht das besser. Wer hilft mit, das Grab zu pflegen? Vielleicht kann man auch eine Aktion daraus machen und mit der Schule oder den Konfirmanden hier anpacken – und im wahren Wortsinn „begreifen“, wie grausam Krieg ist. Die Geschichte von Unteroffizier Willi Ehrecke müssen wir weitererzählen, um aus der Geschichte immer wieder etwas lernen zu können.

Was tun gegen Langeweile und Corona? (11.04.2020)

Ferien sind Ferien, auch in der Krise. Auch wenn der Urlaub im Ausland ausfällt, kann man etwas unternehmen – muss man auch, wenn man nicht resignieren will. Ostern wird sicherlich nicht das große Familienfest. Besuch – selbst aus der Familie – sollte man auf Distanz halten. Sonst gibt man dem Virus vielleicht doch in einem Moment der Unachtsamkeit den Kontakt zum Übertragen, den die Experten schon bei einem Viertelstunden-Plausch im Meterabstand sehen. Halten wir uns besser daran, auch in den Ferien, auch am Osterfest Abstand zu halten und die Kontakte einzuschränken auf die Menschen, mit denen wir unter einem Dach leben. Wer „nach außen“ Kontakte hat, weil er anderen helfen muss, sollte selbst dabei noch vorsichtig sein. Klar kommt der Koller: Laaaaangweilig! Jetzt ist Kreativität gefragt. Beim Spaziergang gibt es am Anfang Gemaule, aber irgendwann macht es Spaß. Und man merkt selbst: Es ist doch mal wieder schön, sich im kleinen Kreis der Familie zu betätigen. Selbst Singles finden schnell, was man jetzt endlich mal tun kann, was sonst liegen geblieben ist. Gegen Langeweile kann man vieles tun, ohne gleich die Corona-Gefahr zu erhöhen. Das ist eigentlich auch die Botschaft von Ostern, fällt einem dann auch endlich mal wieder auf: Jesus geht ins absolute Abseits, um den Menschen wieder einen Weg zu Gott zu verschaffen. Ostern ist der Sieg über die Einsamkeit, auch wenn wir 2020 das Fest eher einsam feiern. Ein gesegnetes Ostern 2020 wünsche ich Ihnen.

Greta ins Stammbuch: Es ist, wie man’s isst (04.04.2020)

Zugegeben, diese Nachricht habe ich mir aufgespart, um im „Goure“ auch mal Gutes verkünden zu können. Leider trifft die Mitteilung über Mitteleuropas Spitzenleistung in eine Zeit der eher mauen Auslastung: Das erste Umwelt-Stammbuch wartet auf die Welt, doch kaum jemand traut sich noch unter Corona-Bedingungen sich zu trauen. Oder sagen wir eher: Sich trauen zu lassen. Unsere Standesbeamten machen – im Positiven – viel mit. Selbst wenn wegen Corona nur nüchterne Trauungen im kleinsten Kreis genehmigungsfähig sind, gibt allein das neue Stammbuch Hoffnung für die Zukunft und macht die Welt schlagartig besser und nachhaltiger: Und wurde angeboten und kontaktfrei geliefert das erste Umwelt-Stammbuch aus biologisch abbaubaren und umweltverträglichen Materialen. Essbar, weil hergestellt aus Apfelschalen und Apfeltrester.

Mit dem „Rückgaberecht“, das der Gesetzgeber auch uns Standesbeamten zuschustern wollte, wird es mit diesem Stammbuch auch leichter, wenn es im Alltag mal nicht so klappt wie auf Wolke 7. Ein Happs – und die Ehe ist „gegessen“. So arbeiten wir beim Standesamt Eschenburg nicht, unser Ziel ist das Gelingen. Deshalb ist das neue Stammbuch – biologisch wertvoll, weil essbar – auch ein wichtiges Werkzeug im Dialog mit der Bürgerschaft. Denn wer will das nicht, ohne biologischen Ballast die eigenen Fußstapfen tun? Und da ist so ein Öko-Stammbuch das Mittel der Wahl, selbst wenn es in Plastikfolie von der Post gebracht wurde.

Der leitende Standesbeamte hat die Lieferung einem ersten Geruchstest unterzogen und das Stammbuch riecht noch nicht einmal nach Apfel, wenn auch der Name es Glauben schenken mag. „Greta“ heißt das Stammbuch. Kein Witz, aber auch kein Geschenk, wie die Rechnung des Herstellers verrät.

„Greta“ ist übrigens rot. Ihr männliches Pendant ist hellblau und heißt nicht Joschka,  sondern „Jakob“. Dafür kann er wiederum nichts. Und wir erst recht nicht. Wir machen beim Standesamt nur die Eheschließung – trauen und trauen lassen müssen Sie sich. Und das ist gut so, finden alle Standesbeamten inklusive mir.

Corona 2020: Das Positive der Perspektive (28.03.2020)

Zum Glück sagt Jesus in der Bibel (Matthäus 18, 20): „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das geht auch noch unter den Sicherheits-Vorkehrungen zur Bewältigung der Corona-Krise, demnach wir uns außerhalb der eigenen vier Wände nur noch mit maximal zwei Personen „versammeln“ dürfen. Klar, damit geht kein Gottesdienst, damit geht kein Fußballspiel, damit noch nicht einmal eine Skatrunde. Diese Regelung ist richtig, wenn wir die Ausbreitung des Virus bremsen wollen, indem wir Kontakte verringern. Und wenn Kontakt, bitteschön die 1,50 Meter Abstand halten, die Klinken desinfizieren und die Hände waschen. Die bundesweit einheitliche Regelung ist wichtig, wollen wir uns nicht in der Kleinstaaterei verlieren, sondern geeint in der Sache vorgehen. Denn das Virus kennt keine Grenzen. Es pfeift auf Zuständigkeiten und geht alle Altersklassen an. Schlecht finde ich den Begriff „Kontaktverbot“. Hier wird nichts verboten, sondern Vorsicht geboten. Mit wem unterhalte ich mich länger? Mit wem stehe ich an der Ladentheke? Mit wem kann ich arbeiten? Mit wem kann ich Zeit verbringen? Freilich kann man die Folgen des Virus erst zwei Wochen später sehen, und man ist in die andere Richtung der Zeitschiene schon zwei Tage ansteckend, bevor man selbst Symptome entwickelt. Deshalb sind diese Kontakte sorgsam zu wählen, fast schon kostbar. Mir käme selbst eine „Ausgangsperre“ eher wie eine „Eingangssperre“ für Viren vor, aber diese Regelung der Kanzlerin und der Länder kann man besser umsetzen und unter die Überschrift „Einzelbegegnung“ stellen. Wir konzentrieren uns wieder auf das Gegenüber und überlegen, mit wem wir Zeit verbringen. Freilich schwingt bei vielen zuerst die Frage mit, wer wo im Skiurlaub war oder mit wem Karneval gefeiert hat, aber über die Zeit werden wir auch das Positive an dieser Perspektive sehen. Ich bin nicht alleine, sondern wir schaffen das zu zweit viel besser. Bleiben Sie gesund, sicher und munter

„Solidarität vor der Haustür“ gilt im doppelten Sinne (21.03.2020)

Die vielen Fehler der jüngsten Ausgabe lassen sich erklären. Was am Samstag in dieser Wochenzeitung zu lesen war, haben wir bereits am Dienstag geschrieben oder zusammengetragen. Viele Veranstaltungen, die am Samstag im Blättchen standen, waren zwischenzeitlich abgesagt worden. Es ist schon bizarr, wenn selbst in der Tageszeitung in diesen Tagen am meisten über Veranstaltungen berichtet wird, die ausfallen oder verschoben werden. Daher muss ich meinem früheren Arbeitgeber und vor allem meinen ehemaligen Kollegen ein hohes Lob aussprechen: Die Zeitungs-Redaktionen leisten eine gute Arbeit und liefern ein wichtiges Produkt. Und das sage ich nicht nur, weil das Klopapier knapp wird, sondern Zeitung hat eine wichtige Funktion: Wie die Gebrüder Grimm den Begriff Zeitung mit dem Eintrag „Mittheilungen zum Darnachrichten“ erklärten, bekommen wir heute Nachrichten mit Nutzwert. Das ist im gemeinsamen Kampf gegen das Corona-Virus wichtig, dass wir alle wissen und verstehen, warum man alle Kontakte abbrechen oder kontrolliert reduzieren soll. Seriöse Berichte aus Italien zeigen uns deutlich, wie schwer die Folgen sind, wenn sich das Virus schnell ausbreiten kann. Und auch wenn die Tageszeitung dem Tagesgeschehen hinterherjagt und oftmals von der schnellen Entwicklung schon beim Druck überholt wird, bin ich richtig froh über Journalisten, die für die Zukunft arbeiten, und Menschen, die an die Nachbarn denken. Die Überschrift „Solidarität vor der Haustür“ lässt beim Bericht über Einkaufshilfen anklingen, dass es zum einen vor jeder Haustür etwas zu tun gibt. In der Nachbarschaft sind Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter als uns. Und es wird für alle besser, wenn wir uns gegenseitig helfen und aufeinander Acht geben.

Hilfe darf aber auch die Helfer nicht in Gefahr bringen. Deshalb macht die Überschrift auch deutlich, dass Einkaufshilfen in Zeiten von Corona eben nicht mit Handschlag quittiert werden und bei einem Kaffeekränzchen ausklingen können. Vielmehr hilft die Solidarität nur, wenn man die Einkaufstüte vor der Haustür hinstellt, kurz Bescheid gibt und sich schnell entfernt. Selbst dieser kurze Kontakt ist schon zu viel, wenn dadurch jemand einer Ansteckungs-Gefahr ausgesetzt wird. Bleiben Sie besonnen und bleiben Sie gesund!

Obacht vor Corona: Hände waschen statt schütteln (14.03.2020)

Bis vor kurzem war das Wort „Korona“ veraltete Umgangssprache und bezeichnete eine Horde randalierender Jugendlicher. Die wenigsten Mitmenschen hatten „die ganze Korona“ in ihrem aktiven Wortschatz. Mit dem Coronavirus änderte sich das flugs. Bei dieser „Corona“ kannst Du machen, was Du willst – es führt fast alles zum Chaos: Selbst wenn ich mich über unnötige Panikmachen beschwere, schürt das womöglich schon die Hysterie. Indes Infektionsrisiken ignorieren, geht allerdings auch nicht.

Dabei lassen sich einzelne Begleiterscheinungen selbst vom Laien deuten, wie zum Beispiel die Liefer-Engpässe beim Klopapier: Das ist ein Hygiene-Artikel, der viel Platz im Regal braucht und den sich kein Händler mehr auf Lager legt. Ergo: Ist das Regal leer, wird es erst gefüllt werden können, wenn neues Klopapier produziert und geliefert worden ist. Und wenn die Herkunftsstaaten der Ware vom Virus lahmgelegt worden sind, zeigt das unsere Abhängigkeiten vom weltweiten Handel. Hätten wir in Friedenszeiten vielleicht doch mal „näher“ eingekauft und uns normale Vorräte angelegt…

Den eigenen Aktionsradios sollte man in Zeiten wie diesen ganz realistisch bedenken, und nicht gerade in Risiko-Regionen in Urlaub fahren oder von einer Massenveranstaltung zur nächsten eilen. Lieber ruhig an die an die eigene Nase fassen und immer wieder selbst vorsagen: Was nicht sein muss, muss nicht sein. Informationen zum Coronavirus finden sich im Lahn-Dill-Kreis übrigens zentral unter www.lahn-dill-kreis.de/corona auf der Internetseite des Kreises, der für uns als Kommune maßgeblich ist. Und die praktischen Tipps lassen sich überall im Alltag anwenden. Händewaschen steht ganz oben und geht ganz einfach. Das Händeschütteln zur Begrüßung wird dagegen nicht gerne gesehen. Hierbei ist mir persönlich der Hessenlöwe unseres Landeswappens ein Vorbild: Wir drohen nicht, wir winken freundlich

Herzlichen Dank an den Souffleur (07.03.2020)

„Alle machen Fehler – unsere stehen in der Zeitung“, lautete eine beliebte Entschuldigung in meinem beruflichen Vorleben als Redakteur. Heute stehen meine vermeintlichen Fehler auch in der Tageszeitung oder in dieser Wochenzeitung, nur gibt es da keine Ausreden mehr. Es hilft aber die Erkenntnis, dass man aus Fehlern lernen kann.

In der Ausgabe vom 22.02.2020 hatte ich von „Sauffleuren“ geschrieben. Wer den Begriff nicht kannte und im Internet nachgeschlagen hat, stieß auf die richtige Schreibweise: „Ein Souffleur oder eine Souffleuse (von franz. souffler „flüstern, hauchen“, ital. suggeritore „Einbläser“) bezeichnet im Theater eine Person, die während einer Aufführung die Rollen flüsternd mitliest, um den Darstellern Einsätze zu signalisieren und ihnen über „Hänger“ (vergessener Text) hinwegzuhelfen“, heißt es bei Wikipedia.

Ich hatte das selten verwendete Fremdwort irgendwie falsch abgespeichert. Aber das Internet hilft sogar, diesen Fehler zu beheben: Auf meiner privaten Internetseite (www.goetzkonrad.de/goure) habe ich den Text berichtigt. Ich will im (gar nicht so neuen) Zeitalter von „Fake News“ nicht mit dem alten Journalistenspruch daherkommen, dass die Falschmeldung die beste Nachricht sei, weil man sie erstens ganz alleine habe und zweitens auch noch das Dementi exklusiv bekomme; es geht mir viel mehr darum, genau hinzuschauen und zu erkennen, was wichtig und richtig ist.

Und wenn dann doch ein Fehler passiert, ist es schön, wenn man einen herzlichen Hinweis oder eine freundliche Frage erhält – und dann den Fehler erkennen, womöglich  beheben und möglichst immer daraus lernen kann. Ich danke dem Souffleur.

Eschenburg und Dietzhölztal treffen sich im Weltenall (29.02.2020)

Zugegeben, die lyrische Überschrift mag noch etwas gezwungen klingen. Aber so ist es nun mal: Die heimliche heimische Attraktion im Dietzhölztal ist der Planetenlehrpfad. Die Holderbergschule hat unsere Galaxie im Maßstab 1:300.000.000 nachgebaut. Die Sonne geht mit 4,64 Metern Durchmesser an der Wand der Turnhalle auf. Auf einer knapp sechs Kilometer langen Strecke von Eibelshausen über Steinbrücken und Mandeln bis aufs Roth braucht man zu Fuß etwa zweieinhalb Stunden. Für den direkten Rückweg durch den Wald reicht eine Dreiviertelstunde. Das normale Schritt-Tempo zwischen der Sonne an der Holderbergschule bis zum Pluto aufm Roth entspricht dreifacher Lichtgeschwindigkeit. Enormer Erkenntnisfortschritt: Die Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto sind als Vollkugel aus Edelstahl maßstabsgetreu zur riesigen Sonne auf einem Sockel aus Naturstein an der entsprechenden Stelle aufgestellt und die Informationen daran enthalten mehr als der alte Merkvers „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“. Unter unserer Überschrift haben wir schon im Gastgeberverzeichnis, das im Lahn-Dill-Bergland herausgegeben wird, für beide Gemeinden geworben. Nun kommt der Planetenlehrpfad mit anderen Attraktionen in Eschenburg, im Dietzhölztal und in der ganzen Region in eine Datenbank, in der nun Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und Beherbergungs­betriebe gezeigt werden. Damit wird dann auch der Planetenlehrpfad übers Internet weltweit bekannt, finde ich intergalaktisch interessant.

Siebzehnjährige statt Siebzigjährige als Souffleure (22.02.2020)

Der spanische Maler Salvador Dali bringt es auf den Punkt: „Das größte Übel der heutigen Jugend besteht darin, dass man nicht mehr dazugehört.“ Bitte nicht persönlich nehmen, wenn ich manchmal hinzufüge: Mit Rentnern kann man nicht immer sinnvoll über die Zukunft reden.

In der Sonderausgabe der Zeitschrift „Psychology and Aging“ zeigen elf unabhängige Studien: Viele Lebensbereiche haben sich im Laufe des historischen Wandels für ältere Menschen eher verbessert und nicht verschlechtert. Ältere Menschen zeigen heute im Durchschnitt Verbesserungen in verschiedenen zentralen Lebensbereichen im Vergleich zu Gleichaltrigen vor zehn oder 20 Jahren.

Wie wir uns alle allzuoft erfolgreich einreden, wird aber alles schlechter. Es gipfelt in der Erkenntnis: Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie mal war…

Unsere Kinder sollen es mal besser haben, wird dann gerne fürsorglich getan, spätestens wenn Eltern von der Berufswahl ihrer Kinder reden. Vorsicht: Haben wir es wirklich so schlecht gehabt? Oder fange ich auch schon „im Mittelalter“ an, die Welt düsterer zu sehen als sie ist. Und was wirklich gut ist für die nachfolgenden Generationen, müssen sie selbst erleben können. Deshalb sollten wir uns bei Zukunfts-Fragen alle ein wenig zurücknehmen und eher dafür Sorge tragen, dass die Zukunft ihren eigenen Weg findet. Pardon, aber dafür sind Siebzehnjährige bessere Souffleure als Siebzigjährige. Und wer etwas gegen Schweden hat, kann ja auch mal auf die eigenen Kinder hören.

Kita kostet eigentlich zwischen 370,81 € und 1.039,36 € pro Platz (15.02.2020)

Der ganz normale Kita-Platz müsste 370,81 € kosten, für 30 Betreuungsstunden in der Woche. Für einen Ganztagsplatz mit 42,5 Stunden lägen die Kosten eigentlich bei 433,90 €. Für Kinder unter 3 Jahren wären sogar 718,27 € zu berappen. Der Ganztagsplatz für die Kleinsten steht bei den Kosten sogar bei 1.039,36 €. Wenn ab 1. August die „Eschenburger Kita-Gebühren steigen“, muss man die tatsächlichen Kosten im Hinterkopf behalten. Denn tatsächlich bezahlen die Eltern für Kinder ab 3 Jahren für das Grundmodul von 30 Wochenstunden rein gar nichts. Die Kommune bekommt dafür vom Land 138,30 € für jedes Kind in der Gemeinde, das 3 Jahre und älter ist. Beim Ganztagsplatz sind bei U3-Kindern nur die 12,5 Stunden zu berappen, macht dann 96 € im Monat (statt der bisher 90 €). Für Kinder unter 3 Jahren sind demnächst 240 € (bisher 220 €) zu zahlen für 30 Stunden und 340 € (statt bisher 310 €) für den Ganztagsplatz.

Im Jahr 2020 sollen die Eltern wenigstens 20 Prozent der Kita-Kosten übernehmen, hatten wir uns vor einigen Jahren mal vorgenommen, als neben jedem Haushalt ein Haushaltssicherungskonzept beschlossen werden musste. Mit den Gebühren, die nach den Sommerferien anstehen, kommen wir theoretisch auf diesen Wert. Im Elternanteil sind aber auch die 12,4 Prozent drin, die das Land durch seinen oben erwähnten Zuschuss abdeckt. Von den insgesamt vier Millionen Euro Kosten übernimmt die Gemeinde mehr als die Hälfte. Und diese zwei Millionen Euro, die wir alle bei den Kindern „drauflegen“ übersteigen erstmals alles, was uns aus Gewerbesteuer und Grundsteuer hier bleibt, nachdem Kreis, Land und Bund über die Umlagen abkassiert haben.

Mit diesem Aufwand und gemeinsamer Anstrengung werden wir damit 441 Kita-Plätze anbieten können. Das geht freilich nicht an jeder Straßen-Ecke und in jedem Ortsteil, aber wie man auf der Kita-Ampel im Internet (www.kita-eschenburg.de/litas) sehen kann, haben wir freie Plätze zu bieten. Und wenn dann auch die Hütte für die Waldgruppe in Simmersbach endlich geliefert ist, wird auch da bald das Licht auf Grün geben. Und wenn die Elterninitiative „BiBeKiTa“ 561 Unterschriften bei einer Online-Petition gesammelt hat für mehr Plätze in Eibelshausen, habe ich bei der Übergabe nicht mehr versprochen, als die entscheidenden Gremien halten können: Wir werden das alles in unsere Überlegungen einbeziehen.

Co-Pilot gesucht: Wer folgt Heini und Hans? (08.02.2020)

Er war bekannter als ich. Das hat mich nicht gestört, sondern zeigte mir, dass die Wahl des „Co-Piloten“ richtig war. Hans Holighaus war viele Jahre mein Begleiter, wenn kurz vor Weihnachten die Besuche der „Exil-Eschenburger“ in den Altenheimen der Region anstanden. Diesen Dienst habe ich von meinem Vorgänger Walter Jank übernommen, als es so etwa 25 Menschen zwischen Sinn und Ewersbach, zwischen Breitscheid und Bad Endbach zu besuchen galt. Seinen Begleiter habe ich gerne übernommen. Heini Baum aus Hirzenhain war ein freundlicher „Türöffner“ und  versprühte Optimismus. Ihn damals zu ersetzen schien mir zunächst unmöglich, aber damals war es dann Hans Holighaus, der beim Seniorenbeirat kürzertreten wollte, aber diese Besuche für wichtig hielt und mich begleitete. Als „Weihnachtswichtel der Gemeinde Eschenburg“ wurden wir bekannt, fast schon berüchtigt. Regierungspräsident Dr. Ullrich ist in den 101 Kommunen seines Verantwortungs­bereiches kein weiteres Beispiel für diesen Dienst bekannt. Im letzten Jahr, als 73 Menschen in 14 Altenheimen zu besuchen waren, konnte Hans schon nicht mehr so wie er wollte. Als ich die Tour allein machte, wurde er vermisst. Vergessen werden wir ihn nach seinem Tod nicht. „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen“, schreibt Albert Schweitzer. Und es ist wichtig, dass dieser Besuchs-Dienst weiter geht. Deshalb suche ich in diesem Jahr nach einem neuen „Co-Piloten“ – und denke dabei immer an Heini und Hans.

Die wichtigsten Akteure aus Industrie und Handwerk zu Gast (01.02.2020)

Am traditionellen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft hatte ich diesmal leider nicht teilnehmen können, aber dafür hatten wir am Montag die wichtigsten Akteure der heimischen Wirtschaft zu Gast im Rathaus: Auszubildende aus Handwerk und Industrie. Unter dem Motto „Berufe mit Energie“ haben wir eine Premiere gehabt. Seit 2006 bieten wir in Eschenburg Energie-Messen, -Vorträge, -Exkursionen und -Beratung an. „Offizieller Ausrüster der Energiewende“ steht auf einem Plakat der Handwerker. Und so ist es doch: Wir können die Welt nur retten, wenn es auch Menschen gibt, die neue Technik erfinden und bauen, effiziente Heizungen einbauen und warten, smarte Lösungen finden und weitergeben. Seit Montag sehe ich die Zukunft optimistischer, auch bei dem Thema: Die Auszubildenden (Foto, vorne von links) Daniel Weisenburger (Elektroniker, Bosch Thermotechnik), Lea Zagorski (Konstruktionsmechanikerin, Bosch Thermotechnik), Jonas Kersting (Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Firma Burbach, Donsbach) und Julius Brakowksi (Elektro Rauch, Eschenburg) stellten ihre Berufe vor. „Die Abwechslung“, schätzten alle an ihrem Job. Und auch die Tatsache, dass mit einer Lehre im Handwerk oder in der „Hütte“, wie das Werk in Eibelshausen noch immer im Volksmund heißt, viele Wege offenstehen, mit seinem Beruf auch seine Berufung zu finden. „Eschenburg hat eine lange Geschichte. Kümmere Dich um die Zukunft“, heißt es auf einem der Plakate des Handwerks, die wir ab jetzt im Rathaus aushängen von Zeit zu Zeit. „Berufe mit Energie“ werden wir auch gerne wieder im Rathaus vorstellen. Und mit unserem Video-Wettbewerb wollen wir ja auch genau dafür interessieren. Hiermit kann man was für die eigene Zukunft tun und die Zukunft unseres Planeten. Schaut’s Euch an unter www.endlich-energie.de auf unseren Internetseiten.

Mit dem Latein am Anfang (25.01.2020)

Ich hatte Cicero schon verdrängt. Und das „Jubiläum“ ebenso, weil es eigentlich keines ist. „Fufzeh Johr Bujermaster – vo dem Schlog hot sich dej Gemaa bis hau noch net erholt. Trotzdem Glückwunsch und alles Goure im naue Johr“, gratuliert Landrat Wolfgang Schuster. Schön fand ich auf der handschriftlich vollendeten Karte auch den aufgedruckten Spruch, der dem römischen Staatsmann Marcus Tullius Cicero zugeschrieben wird: „Fang‘ nie an aufzuhören, hör‘ nie auf anzufangen.“

Das Latinum hatte ich im Studium unter Mühen noch vor der Zwischenprüfung nachholen müssen, weil mir vorher immer alle sagten: „Lern‘ lieber eine lebendige Sprache. Latein brauchen doch nur Ärzte und Apotheker.“ Von wegen: Für jeden Magister-Studiengang, selbst für die China-Kunde Sinologie, brauchte man Latinum. Und so habe ich vier Wochen Semesterferien in Grafenau verbracht, als die Grenze nach Tschechien noch zu war und uns in diesem Teil des Bayerischen Waldes niemand vom Latein-Lernen abhalten wollte und konnte. Sechs Tage pro Woche, sechs Stunden am Tag. Morgens Grammatik-Show in der Stadthalle, danach Übersetzungs-Training im Feuerwehrhaus. In einem solchen Crash-Kurs lernt man bei weitem die Sprache nicht, aber man kann gezielt im Wörterbuch blättern, versteht vielleicht auch zum ersten Mal die deutsche Grammatik, man kann die Prüfung bestehen und – bei mir noch wichtiger – es weckt Interesse! „Inter-esse“ – Diese Wortbildung allein, so kann man die alten Römer auseinandernehmen, bedeutet so viel wie „dazwischen sein“, „im Thema sein“, „dran bleiben“. So gesehen, und da widerspreche ich dem Landrat und dem Zitat nicht, bin ich mit meinem Latein erst am Anfang.

Keine Angst vor der Abschreibung (18.01.2020)

Vor einem Jahr hat die DLRG eine Online-Petition zur Rettung der Schwimmbäder gestartet, die die nun sogar den Bundestag beschäftigt. Schon fragt der Deutschlandfunk: „Kommt ein Masterplan zur Rettung der Bäder?“ Ja, hoffentlich, sagen wir. Viele wünschen sich den Erhalt der Schwimmbäder und fordern finanzielle Unterstützung – wir haben dafür bereits 2015 einen „Bonus für Bäder“ vorgeschlagen. Im Kommunalen Finanzausgleichs (KFA) sollten demnach Kommunen mit Schwimmbad stärker bei der Verteilung berücksichtigt werden. Mehr dazu unter www.freizeitbad-panoramablick.de/bonus im Internet.

Entlastung im Betrieb ist nach unserer Erkenntnis nämlich wichtiger als Zuschüsse für Investitionen. Denn jede Investition bedeutet auch Folgekosten, die dann in den kommenden Jahrzehnten zu stemmen sind. Für Kommunen ist dabei besonders problematisch: Wir müssen die Abschreibung als Wertverlust erwirtschaften und können sie nicht, wie ein Unternehmen der Privatwirtschaft, als Aufwand dem Ertrag gegenüberstellen, damit vom Ertrag abziehen und womöglich Steuern sparen. Die Abschreibung ist somit ein gewichtiger Grund, warum sich Kommunen und kommunale Betriebe mit Investitionen so schwer tun. Beim Freizeitbad „Panoramablick“ haben wir das schlau gelöst: Vor der Satzungsänderung haben wir zunächst ein Bauprogramm aufgestellt, was in den Jahren 2017 bis 2022 investiert werden muss. Das Paket umfasst eine Summe von 500.000 Euro. Über die Jahre gleichmäßig verteilt und nach dem bekannten Größenverhältnis (zwei Drittel Eschenburg, ein Dritten Dietzhölztal) finanzieren die beiden Gemeinden die Investitionen. Mit diesen festen Zuweisungen kann man nicht nur planen, sondern auch sparen: Die Zuweisungen werden nämlich nicht nur genutzt, um aktuelle Rechnungen zu bezahlen, sondern helfen uns auch in den kommenden Jahren – als so genannte Sonderposten-Auflösung auf der Ertragsseite – der Abschreibung ein gescheites Gegengewicht zu bieten. Somit verbessert sich das Ergebnis und müssen auch keine Angst mehr vor der Abschreibung haben. Und die Fortschritte lassen sich sehen, wie das Vorher-Nachher-Bild rund um die Sanierung 2009 zeigt.

Einsamkeit ist die schlimmste Krankheit (12.01.2020)

Bei Geburtstags-Grüßen nehmen wir oft ein Zitat von Franz Kafka. „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“ Nun weiß der Volksmund, dass das Alter angeblich überhaupt nichts Schönes hat. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen und ist von jedem Menschen subjektiv und individuell zu erleben.

Einen Vergleich hatte ich vor Weihnachten, als ich die Eschenburger im „Exil“ und auch erstmals das Domizil am Honigbaum 27 (www.kursana.de/eschenburg) besucht habe. Jedes Altenheim ist ein „Kasten“ – es kommt immer darauf an, wie darin Menschen miteinander umgehen. Und diese Frage ist nicht auf die Bewohner und das Pflegepersonal beschränkt, sondern es fällt mir immer wieder auf, wer Besuch bekommt, ist fröhlicher. Erinnerungen werden im Alter überlebenswichtig; auch wenn vieles nicht mehr so gut oder überhaupt nicht mehr geht, kann eine Erinnerung vielen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

20 verschiedene Altenheime zwischen Sinn und Ewersbach, zwischen Driedorf und Bad Endbach habe ich bereits kennenlernen dürfen bei dieser Tour, die ich von meinem Vorgänger Walter Jank so übernommen habe. Als ich 2005 damit begonnen habe, waren es Mitte 20 Exil-Eschenburger. 2019 brauchte ich fünf Vormittage in der Vorweihnachtszeit, um 73 Frauen und Männer in 14 Altenheimen zu besuchen. Auch wenn das nicht zu den Kernaufgaben einer Kommune gehört, werden wir die Besuche fortsetzen. Am ärmsten ist, wer nur vergilbte Fotos von der Familie als letzten Kontakt zur Außenwelt hat. Einsamkeit ist das schlimmste Gebrechen, das einen im Alter heimsuchen kann. Dagegen kann man was tun.

Schiene Chresdoog en e goures naues Johr! (20.12.2019)

Mit Albert Einstein mag ich zum Jahreswechsel zurufen: „Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.“

Sie haben Verständnis dafür, dass auch das Rathaus zwischen dem 23. Dezember und dem 2. Januar geschlossen ist. Freilich laufen Winterdienst und Notdienste im Hintergrund, aber für das normale Tagesgeschäft dürfte zu den Feiertagen und „zwischen den Jahren“ überall Pause und Urlaub sein. Es ist die Zeit, inne zu halten, Bilanz zu ziehen und auf dieser Grundlage einen Ausblick zu wagen.

Machen Sie es wie der Kulturkreis Eschenburg & Dietzhölztal: Wir halten uns seit Jahren raus aus dem Trubel rund um die Feiertage und starten entspannt ins neue Jahr. Traditionell mit einer Fahrt zum Neujahreskonzert nach Wiesbaden, aber auch schon zum achten Mal mit einem Jahres-Auftakt in der Johannes-Kapelle in Ewersbach.

Der Bindestrich ist wichtig, sonst kann man die Silben falsch verstehen und ist beim Jahresauftakt. Wir laden Sie ein zum beschwingten Beginn. Gute Vorsätze fasst man am besten gemeinsam, deshalb steht der Austausch ganz am Anfang.

Für die Zusammenarbeit im alten Jahr besten Dank. Und auf gutes Gelingen in der vor uns liegenden Zeit.

Schiene Chresdoog en e goures naues Johr!

Ohne Feuerwehr vor Ort wird es für alle teurer (14.12.2019)

Bitte nicht aufregen, wenn in den nächsten Monaten und Jahren, die „Dorfgemeinschaft“ näher zusammenrücken muss. In Eiershausen und Simmersbach gaben die Ortsteil-Feuerwehren ihren Schulungsraum auf, weil dorthin nun die Umkleiden verlegt werden mussten. Für die Unterrichte werden wir nun dafür auch die „gute Stub“,  den Saal, nutzen müssen im Dorfgemeinschaftshaus. Wir werden das schaffen, denn was ist mehr Dorfgemeinschaft als unsere Feuerwehr?

176 Frauen und Männer leisten in Eschenburg nicht nur Woche für Woche unentgeltlich einen Dienst für die Allgemeinheit, sondern sind auch 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche „allzeit bereit“, um Menschen hier aus jedweder Notlage zu helfen.

Nachder genauen Überprüfung der Ausstattung und Ausrüstung unserer Feuerwehr durch den Prüfdienst des Landes Hessen und der Unfallkasse Hessen sind die Standorte Roth, Simmersbach und Eiershausen so nicht mehr tragbar. Während Personal und Fuhrpark auf der Höhe der Zeit sind, stimmen die Sicherheitsabstände in den Fahrzeughallen nicht. Und eine Unterbringung von Einsatzkleidung in der Garage ist auch nicht mehr statthaft. Wenn solche Vorschriften heute im Arbeitsleben gelten, muss das auch Richtschnur sein, wenn Frauen und Männer aus den eigenen Reihen professionelle Arbeit im Ehrenamt leisten.

Null Verdienst bei 24 Stunden täglicher Einsatzbereitschaft – das muss man wissen, wenn man versucht, die Feuerwehr auf der Kostenseite der Kommunalpolitik zu erklären. Wenn doch drei Standorte nicht tragbar sind, sollte man sie doch zusammenlegen (und damit womöglich auch sparen) können? Betriebswirtschaftlich rechnet sich eine Feuerwehr nicht, eher volkswirtschaftlich: Wenn wir keine Feuerwehr vor Ort haben, die überall und für jeden binnen der gesetzlichen Zehn-Minuten-Frist Hilfe bringt, wird es teuer für alle Bauherren.

Der zweite Rettungsweg, der bei jedem Bauantrag nachzuweisen ist, liegt bei den meisten privaten Häusern als Leiter auf dem nächsten Einsatzfahrzeug. Gäbe es die freiwillige Feuerwehr vor Ort nicht, müsste der Bauherr selbst Vorsorge treffen und selbst im Einfamilienhaus ein zweites Treppenhaus errichten oder andere Fluchtmöglichkeiten.

Auch für Gewerbe und Industrie wird es teurer, wenn an den vorbeugenden Brandschutz der Gebäude noch höhere Anforderungen gestellt werden, weil der bekämpfende Brandschutz der Feuerwehr vor Ort nicht vorhanden ist. Das muss man wissen, wenn wir uns nun über die Zukunft der Feuerwehr und die Feuerwehr der Zukunft Gedanken machen.

Klappe zu bei der Berufswahl! (07.12.2019)

Bei der 9. Energie-Messe und unserem ersten Video-Wettbewerb (www.endlich-energie.de/zukunftswerkstatt) habe ich gemerkt, wie schwer es ist, Jugendliche fürs Thema Energie und auch für Energie-Berufe anzusprechen. Das Problem steckt im Lehrplan, der viele Spannende Dinge erst in der Realschul-Klasse vorsieht. Dann aber ist die Wahl des Ausbildungsberufs gelaufen. Ob der Berufstraum nun der Traumberuf wird, ist nicht immer gesagt. Vielen geht es dann wie der angehenden Anlagenmechanikerin, die eigentliche eine Lehre zur Modeschneiderin begonnen hatte und sich dann Tag für Tag an der Nähmaschine plagen musste. Die wechselnden Baustellen der Heizungs-Spezialisten hingegen, sind auch für eine Frau in der vermeintlichen Männer-Domäne mehr als nur ein Mode-Trend… hier gibt es viel zu tun. Weil die Kooperation der Holderbergschule mit unserem Bosch-Werk in Eibelshausen so gut klappt und Schüler der Klasse 8 fast spielerisch mit Energie-Themen zusammenbringt, wollen wir es am 27. Januar im Rathaus auch mal wagen und „Berufe mit Energie“ vorstellen. Freilich dürfen Eltern mitkommen, aber wenn für den eigenen Nachwuchs gelten soll „Augen auf bei der Berufswahl“, sollten wir Eltern uns an die eigenen Nase fassen und (uns selbst sagen): Klappe zu bei der Berufswahl der Kinder, rät durchaus selbstkritisch Ihr Bürgermeister Götz Konrad

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil (30.11.2019)

„Das Wichtigste ist, dass Kinder Bücher lesen, dass ein Kind mit seinem Buch allein sein kann. Dagegen sind Film, Fernsehen und Video eine oberflächliche Erscheinung“, sagte Astrid Lindgren. Das ist keine Pippi-Langstrumpf-Perspektive, sondern die Lebenserfahrung ihrer „Erfinderin“. Nun kann man den Trend der Digitalisierung nicht aufhalten, sondern nur gestalten, haben wir uns gedacht. Und so haben wir uns mit der bisherigen Bücherei im Rathaus eingebracht in den Verbund IMeNS des Lahn-Dill-Kreises. In diesem Informations- und Mediennetzwerk für Schul- und Gemeindebibliotheken gibt es nun zusätzlich die Möglichkeit, online im Bestand der angeschlossenen Büchereien zu stöbern, Medien vorzubestellen oder zu verlängern. Auch die Ausleihe von E-Books über „Hessen-Onleihe“ ist möglich. Derart neu aufgestellt, musste dann auch ein neuer Name her: Mit unserer Bibliothekarin Sabine Pfeifer und dem ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Heinz Schreiber habe ich unsere „Mediothek“ einweihen dürfen. Auch bei modernen Medien ist das Lesen der Schlüssel zum Verstehen. Deswegen gilt auch hier: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Kita-Bedarfsplan: Auf einen Nenner kommen (23.11.2019)

Schon mal aufgefallen? Es heißt „in den Kindergarten gehen“, aber wir Helikopter-Eltern kutschieren die Kids ja dann doch nicht selten mit dem Auto. So sehr ein Kita-Platz in fußläufiger Nähe zu wünschen ist, sehen Realität und auch die tatsächliche Nutzung meist anders aus. Das muss man beherzigen, wenn man über Kita-Plätze im nachdenkt. Aktuell starten wir wieder eine Bedarfsabfrage, um für die Jahre 2020 bis 2023 planen zu können. Das ist für beide Seiten – die Eltern wie die Entscheider in den Gemeinde-Gremien – nicht so einfach, denn die Ansprüche sind hoch.

Die Verantwortlichen in Verwaltung, Vorstand und Vertretung wollen ein gutes Angebot an Betreuungsplätzen bieten, um im Vergleich der Städte und Gemeinden gut dazustehen. Die Eltern hingegen wünschen sich meist eine Kita, die für sie günstig in Preis, Lage und Öffnungszeiten ist.

Es wäre nun vieles einfacher, wenn wir uns nur vor Ort einigen müssten und nicht vielfach von außen bestimmt werden. Bei Eltern sind es zum Beispiel die eigenen Arbeitszeiten oder die Frage, ob ein Auto zur Verfügung steht. Für eine Kommune ist es oft sehr fordernd, was der Gesetzgeber sich alles einfallen lässt: Seit 1996 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab 3 Jahren. Seit 2013 können nun auch Kinder ab dem ersten Geburtstag kommen.

Was viele nicht wissen ist die Tatsache, dass dieses Recht auf einen Kita-Platz nicht vor der eigenen Haustür gilt, sondern auf die gesamte Kommune bezogen ist. Solange irgendwo ein Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter frei ist, gibt es keinen Grund zur Klage.

Die Nachfrage in Hessen ist gewaltig gestiegen, nachdem das Land den Kita-Platz ab 3 Jahren scheinbar kostenfrei gemacht hat. Scheinbar, denn übernommen werden nur 135,60 € monatlich, wenn dafür 30 Wochenstunden für die Eltern gratis sind. In der Summe zahlen wir in Eschenburg mittlerweile zwei Millionen Euro Zuschuss für die sieben Kitas. Da sind jetzt schon die beiden neuen Gruppen eingerechnet, die gerade in der Kita Eiershausen und als Waldgruppe zum Kindergarten Simmersbach entstehen. Und dafür wird es wohl auch noch Zuschüsse aus dem Landesprogramm „Starke Heimat Hessen“ (an die Träger der Einrichtungen) geben, aber zwei Millionen sind eine Menge Geld dafür, dass es angeblich nichts kostet.

Freilich ist jeder Euro dabei gut angelegt, geht es doch um unsere Kinder – und die sind ja die Zukunft. Nur wenn wir das Geld nicht optimal für alle einsetzen und gut fürs Ganze wirtschafte, werden diese Kinder ihre eigene Zukunft womöglich nicht in dieser Gemeinde sehen, wenn uns die jetzigen Steuergeschenke dereinst teuer zu stehen kommen. Ich kann die Eltern, die nächste Woche Post bekommen, deshalb nur bitten, bei der Bedarfserhebung mitzumachen und den Fragebogen ausgefüllt abzugeben. Nur so erhalten wir ein realistisches Bild und können planen.

Und haben Sie jetzt schon ein wenig Verständnis dafür, dass der Bedarf für das Ganze nicht die Summe von einzelnen Bedürfnissen ist. Wir müssen auf einen Nenner kommen, wünscht sich Ihr Bürgermeister Götz Konrad.

Wer Märchen glaubt, bekommt Märchen erzählt (16.11.2019)

Es ist selten eine stattliche Zahl an Besuchern, aber es bleibt eine staatliche Aufgabe, den Volkstrauertag zu begehen. Also gestalten wir als Gemeinde auf unseren Friedhöfen eine zentrale Feierstunde, die diesmal um 14 Uhr in Hirzenhain auf dem Friedhof stattfindet. In allen anderen Ortsteilen legen wir ebenso Kränze nieder, um an die Opfer beider Weltkriege, Gewaltherrschaft und Terror zu erinnern.

„Je weniger es den Luftgangstern gelingt, die von ihnen beabsichtigte Obdachlosigkeit in Deutschland Platz greifen zu lassen, desto nutzloser ist ihr großer Aufwand an Luftkriegsmitteln gegen Unbewaffnete“, schreibt der Landrat unter der Überschrift „Wohnraumbeschaffung. Die Abwehrform der Unbewaffneten“. An diesen Satz aus dem „Weilburger Tageblatt“ vom 16. März 1944 muss ich bei jedem Volkstrauertag denken. Er war mir bei meiner Magisterarbeit untergekommen und er jagt mir heute noch einen kalten Schauer über den Rücken. Haben das die Menschen wirklich geglaubt, dass man nur schneller tapezieren muss als die anderen Bomben werfen?

Viel weiter waren wir auch nicht: Aus unserem Jubiläumsdorf Hirzenhain wurden damals die Nachrichten über Großtaten der Flieger gerne verbreitet. Aus dem  „fliegenden Dorf“, wie es seit der Ausstellung 1936 in Berlin auch hieß, landeten wohlgesteuert die Meldungen, dass Jugendliche erstaunliche Dauerflug-Rekorde erreicht hatten. „17jähriger Segelflieger 10 Stunden in der Luft.“ (1942) und „15 Stunden ununterbrochener Segelflug“ (15./16. Juli 1944) waren Überschriften, die den Durchhaltewillen schüren sollten. Für den beschworenen „Endsieg“ hat es indes nichts gebracht.

Auch darum geht es beim Volkstrauertag: Wer Märchen glaubt, bekommt Märchen erzählt. Und umgekehrt. Also: Augen auf beim Geschichtsverständnis.

Zunft + Zukunft: Mehr als „Gas, Wasser, Scheiße“ (09.11.2019)

Gegenüber dem Spitzenjahr 2009 ist das Teilnehmerfeld kleiner geworden: Bei unserer dritten Energie-Messe hatten wir seinerzeit 36 Aussteller und 10 Vorträge. Für die neunte Auflage komme ich auf 24 Aussteller und 8 Vorträge. Wenn man aber bedenkt, dass wir 2006 mit elf Aussteller und vier Vorträgen begonnen haben, können wir uns in Eschenburg immer noch glücklich schätzen.

Ich war vor den Ferien kurz davor, unsere Beratungs-Börse abzusagen. Einige Aussteller haben aufgehört. Andere haben andere Termine (obwohl wir diesen im Februar 2017 festgemacht haben). Wieder andere haben so viel zu tun, dass sie am Wochenende nicht noch Werbung für ihre Zunft machen können.

Es geht aber nicht nur um die jeweilige Zunft, sondern um unser aller Zukunft. Wenn es jetzt schon schwer ist, Handwerker und Angebote zu bekommen, wie soll das erst werden, wenn das „Klima-Paket“ ausgepackt wird? Die Heizungsbauer, Schornsteinfeger und Energieberater können sich ja heute schon kaum retten vor den Fragen und der allgemeinen Verunsicherung. Beratung bleibt notwendig.

Wer also dem weltweiten Klima und dem eigenen Geldbeutel Gutes tun will, denkt erst mal nach. Dabei kann der Besuch der 9. Energie-Messe helfen. Und weil sich unsere Jugend gute Gedanken um die Zukunft macht, möchten wir diese Initiative mit unserem kleinen Video-Wettbewerb etwas auf die Berufe mit Zukunft lenken: Im Handwerk steckt nämlich die Chance, es einfach zu machen. Das sollten wir Eltern endlich beherzigen und uns tunlichst bei der Bildung und Berufswahl unserer Kinder zurückhalten. Also bitte nicht weiter den Beruf der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit „Gas, Wasser, Scheiße“ verkürzt darstellen. Gerade in diesem Job hängt seit der Steinzeit der Fortschritt! Denn es ist immer derjenige besser dran, der seine Höhle warm bekommt und günstig warm hält. Wenn Tradition nicht nur bedeutet, die Glut zu bewahren, sondern das Feuer weiter zu geben, dann ist Energie der Impuls zur Innovation: Es schneller und besser zu können, ist unser Ziel – auch bei der 9. Energie-Messe in Eschenburg

Alles Goure, Gerhard! (02.11.2019)

Dass er auch „Platt“ spricht, haben wir erst beim letzten gemeinsamen Einsatz herausgefunden. Bei einem Geburtstag „aufm Roth“. Beim Betreten der evangelischen Stadtkirche in Biedenkopf kam ich mir gar nicht mehr so fremd vor, denn von den 38 Jahren des Kirchendienstes waren die letzten beiden in unseren Eschenburger Ortsteilen Simmersbach und Roth – und die sind im positiven „nachtragend“. So kamen aus beiden Dörfern viele Menschen nach „Birrekopp“ nebst einem klangvollen Posaunenchor (Foto).

Um den Betrieb der Verabschiedung nicht aufzuhalten, habe ich schon vorher unsere Wünsche aufgeschrieben. Wir haben gemeinsam an einer Nahtstelle der hessischen Geschichte arbeiten dürfen. Denn unsere Ortsteile Simmersbach und Roth sind 1974 aus dem Altkreis Biedenkopf gewechselt und haben sich der drei Jahre zuvor gegründeten Gemeinde Eschenburg angeschlossen. Aus ihrer eigenen Geschichte bringen sie mit, dass „aufm Roth“ einst die Burg Hessenwalt das Hinterland schützen sollte und Simmersbach war der Ort, an dem Landgraf Phillip der Großmütige am 10. September 1552 nach fünfjähriger Gefangenschaft erstmals wieder seine Grafschaft Hessen betrat.

Gemeinsame „Baustellen“ waren in dieser Zeit etwa Geburtstags-Besuche, Beerdigungen und auch der Volkstrauertag. Wir wünschen Gerhard Failing zum Ruhestand alles Gute, Gottes Nähe in allen Lebenslagen, Schaffenskraft und Lebensfreude sowie eine nie versiegende Quelle guter eigener Ideen, wie man selbstbestimmt diesen Lebensabschnitt sinnvoll gestalten kann. Alles Goure!

Nachrichten mit Nutzwert: Unser Blättchen kommt jetzt am Samstag (25.10.2019)

Ich weiß, wovon ich schreibe. Dieses „Schlemper-Blättchen“ habe ich selbst einige Jahre ausgetragen, als es noch im Abonnement bezogen werden konnte. Das war ein kleines Zubrot, aber man musste sich sputen, das Blatt am Freitagabend noch an die Haustüren der wenigen Haushalte zu bringen, die sie auch bestellt hatten. Und jedes Jahr abkassieren war noch einmal Rennerei.

Heute kommt die „Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg“ kostenlos in jeden Haushalt. Dafür haben wir bis 2022 einen Vertrag mit dem Verlag Linus Wittich in Herbstein.

Nein, ich bekomme heute weder Zeilengeld noch Bildhonorar, wenn ich zu Ihnen schreibe. Es ist vielmehr für Gemeindevorstand und Bürgermeister Pflicht, über wichtige Themen der Gemeinde zu informieren. Und das kann nicht nur in den eigentlichen Satzungen, amtliche Bekanntmachungen und Sitzungsprotokolle geschehen, sondern ist zuweilen auch Erklär-Werk.

Die Gebrüder Grimm haben in ihrem Deutschen Wörterbuch schon im Jahr 1889 dem damals noch jungen Medium Zeitung ins Stammbuch geschrieben, was es für die Zukunft liefern sollte: „Mittheilungen zum Darnachrichten“. Und wenn es bei allem technischen Fortschritt für eine Zeitung heute so schwer zu werden scheint, sich in einem Medien-Mix aus Radio, Fernsehen, Internet und multimedialen Kurznachrichten überhaupt noch anzukommen, wird es für uns wichtiger, dass wir uns nach Nachrichten auch richten können. Gedruckte Tagesschau will auch niemand von einer Tageszeitung geliefert bekommen, das Lokale interessiert. Deshalb bieten wir ja diese „Wochenzeitung“ der Kommune an, damit in jedem Haus auch die Informationen aus unserer Gemeinde, aus den Vereinen, Kirchen und Schulen ankommen. Auch wenn wir „der Presse“ nichts ins Handwerk pfuschen dürfen, gehen wir ab heute gemeinsame Wege: Wir nutzen nämliche den gleichen Vertriebsweg der kostenlosen Zeitung „Kompakt!“, die am Samstagmorgen von den Zeitungsausträgern an die Türen und Briefkästen gebracht wird. Das haben zwar die beiden Verlage untereinander ausgemacht, aber ich finde das persönlich versöhnlich, wenn das lokale Blatt und das Blättchen von hier gemeinsam ausgetragen wird. Stehen wir doch auch gemeinsam dafür, dass die Menschen hier Nachrichten mit Nutzwert bekommen sollen. Und sollten Sie Ihr „Schlemper-Blättchen mal nicht kompakt bei „Kompakt!“ finden, sprechen Sie weder den „Erfinder“ dieses Wochenzeitung noch seine Nachfolger im Bürgermeisteramt an, sondern wenden Sie sich an den Vertrieb des Verlages, Telefon (06643) 9627-17, -40 oder -381. Schönes Wochenende.

Freizeitbad zum Abtauchen und Auftanken (18.10.2019)

Vom 28. Oktober bis 17. November hat das Freizeitbad „Panoramablick“ geschlossen, um die nächsten Schritte im beschlossenen Bauprogramm zu unternehmen. Nach dem Volkstrauertag starten wir wieder durch und sind am 18. November wieder da – passend mit einem wohligen Warmbadetag. Vor unserer Schließung öffnet unser neuer Nachbar: Im Altenheim gegenüber sind die ersten Bewohner eingezogen. Das Kursana-Domizil stellt sich am 27. Oktober vor mit einem „Tag der offenen Tür“ von 11 bis 17 Uhr.

Unsere Slogans „Sommer…das ganze Jahr!“ und „Urlaub…jeden Tag!“ passen besonders in der dunklen und kalten Jahreszeit. Auf unserer bereits modernisierten Internet-Seite www.freizeitbad-panoramablick.de zeigt das sehr schön ist ein Film vom Freizeitbad, mit dem Werbeagentur Klank Media und Fotograf Silas Koch ein paar schöne Eindrücke festgehalten haben. Ein Freizeitbad zum „Abtauchen und Auftanken“, finde ich. Zum 50-jährigen Bestehen des Zweckverbandes „Mittelpunktschwimmbad Dietzhölztal“ können wir festhalten, dass der Streit der Vergangenheit angehört und dem gesunden Miteinander die Zukunft: Oft als „Groschengrab“ in der politischen Diskussion bezeichnet, hat sich das Schwimmbad als Aktivposten in der Region erwiesen. Statt der Kosten, die bei uns dank vieler gemeinsamer Anstrengungen zu stemmen sind und mit Hilfe des Landes – ich erinnere an unseren Vorschlag „Bonus für Bäder“ (www.freizeitbad-panoramablick.de/bonus) – auch für andere zu bewältigen sind, steht nunmehr der Nutzen im Vordergrund. Und zum Thema Gesundheit ist das Freizeitbad ein wichtiger Faktor in der Region, gewissermaßen die „Pool-Position“ im Lahn-Dill-Bergland.

Made in Eschenburg: Wiedersehn macht Freude (11.10.2019)

Ganz typisch für unseren Markt in Eibelshausen ist es doch, dass man – oft und unverhofft – alte Freunde wieder trifft, die man lange nicht gesehen hat. Davon lebt das „Made“, auch wenn die wenigsten ihn zum Einkaufen brauchen. Weil uns aber das Einkaufen vor Ort wichtig ist, gerade wo scheinbar alles übers Internet bestellt werden kann, bieten wie verkaufsoffene Sonntag an. Das machen wir bewusst von 13 bis 18 Uhr, damit niemand am Kirchgang gehindert wird. So machen wir das auch am 13. Oktober wieder.

Ab dem kommenden Jahr wollen wir unseren Markt umgestalten von einer Eibelshäuser Traditions-Veranstaltung zu einem Erlebnis in Eschenburg. Deshalb ruft der Gemeindevorstand Vereine, Firmen und andere kreativen Köpfe auf, sich zu beteiligen. Unter der Adresse www.gemeinde-eschenburg.de/formulare stehen im Internet der Aufruf, die Präsentation der AG Markt und ein Rückmelde-Formular. In 2020 sind Ideen und Vorschläge gefragt zu den Terminen

9.-11. Mai „Eschenburg blüht“ (der frühere Frühjahrsmarkt plus Samstag)

10.-12. Oktober „Eschenburg glüht“ (früher Herbstmarkt plus Samstag)

Den Rückmeldebogen bis 18.10.2019 im Rathaus abgeben oder per E-Mail an unseren Marktmeister (t.stoll@eschenburg.de) schicken. Markt an sich ist ja Innovation aus Tradition. Deshalb werden wir gemeinsam gewiss auch dann auch in Zukunft zufrieden und zuversichtlich sagen können: Wiedersehen macht Freude – Made in Eschenburg.

Markt lebt vom Mitmachen (04.10.2019)

Wir wollen unser „Made“ neu gestalten von einer Eibelshäuser Traditions-Veranstaltung zu einem Erlebnis in Eschenburg. Vorgearbeitet hat dafür eine AG Markt. Nun ruft der Gemeindevorstand Vereine, Firmen und andere kreativen öpfe auf, sich an der Neugestaltung zu beteiligen. Unter der Adresse www.gemeinde-eschenburg.de/formulare stehen im Internet der Aufruf, die Präsentation der AG Markt und ein Rückmelde-Formular. In 2020 sind Ideen und Vorschläge gefragt zu den Terminen

9.-11. Mai „Eschenburg blüht“ (der frühere Frühjahrsmarkt plus Samstag)

10.-12. Oktober „Eschenburg glüht“ (früher Herbstmarkt plus Samstag)

Den Rückmeldebogen bis 18.10.2019 im Rathaus abgeben oder per E-Mail an unseren Marktmeister (t.stoll@eschenburg.de) schicken. Beim nächsten Markt am 13. und 14 Oktober kann jeder mal schauen, wo seine „Nische“ ist. Die Titel „Eschenburg blüht“ und „Eschenburg glüht“ setzen viel Kreativität frei, haben wir schon bei den ersten Treffen gemerkt. Ich wäre nicht überrascht, wenn aus den Vereinen weitere gute Ideen und Meldungen kommen. Markt lebt vom Mitmachen. „Made in Eschenburg“ wäre sogar ein international verständlicher Slogan.

Wende für die Wände: Demonstrier‘ doch mal hier! (27.09.2019)

Ist mir völlig klar: Die Energie-Wende beginnt bei mir! Nur bin ich derart agro, wenn niemand mitmacht: Ich habe jetzt schon einige Male aufgerufen, zur 9. Energie-Messe ein Video selbst zu drehen, das sich mit dem Thema Energie befasst. Das ist echter Klimaschutz, da kann man mal mitmachen und nicht nur demonstrieren!

Wir bieten seit 2006 die Energie-Messe nicht nur als „kleine Messe der großen Möglichkeiten“. Bei 130 Vorträgen und Exkursionen haben wir Knoff-Hoff vermittelt zur Energie-Wende für die eigenen Wände. Die Seite www.endlich-energie.de atmet unsere Überstunden.

Jetzt haben wir uns mal gedacht, wir zeigen nicht nur die tollen Firmen der Region, die „Lösungen für den Hausgebrauch“ liefern können. Nein, hier gibt es was zu tun für die Zukunft. Hier gibt es richtig gutes Geld zu verdienen. Und ganz nebenbei kann man mehr für die Zukunft dieses Planeten tun als bei jeder Freitags-Demo…!

Ich rede von Berufen wie Elektriker, Anlagenmechaniker, Schornsteinfeger, Dachdecker, Maurer, Schreiner, etc. Damit kann man die Welt retten! Ganz ohne Weltumsegelung. Und diese Berufe werden hier ausgebildet! Nichts anderes wollte ich zeigen. Wir wären mächtig stolz, wenn sich dann doch noch jemand für unseren kleinen Wettbewerb www.endlich-energie.de/zukunftswerkstattenergie interessieren würde.

Wir sind Riesen auf den Schultern unserer Vorfahren (20.09.2019)

Bei der 750-Jahr-Feier in Hirzenhain ist die „Erlebnisausstellung“ im Gemeindehaus, zu sehen bis Samstag von 15 bis 18 Uhr, kein Widerspruch in sich.

„Wir sind Riesen auf den Schultern unserer Vorfahren“, lehrte unsProfessor Peter Moraw an der Uni Gießen. Dass ein so schlauer Mensch sein Geschichteverständnis auf eine so einfache Formel brachte, hat mich immer wieder fasziniert. Und er behält Recht, wenn wir heute auf diese Ausstellung, auf unser Dorf und auf uns selbst schauen: Wer wird sind, was wir können und was wir noch erreichen, hängt auch ab von allem, was uns mitgegeben wurde.

Selbst bei sportlichen Höchstleistungen einer Weltmeisterin schwingt immer auch mit, was einem in die Wiege gelegt wurde und was ich zuhause mitgegeben bekommen habe. Dass wir hier Hirzenhain schon immer mit großem Ernst etwas für die Ewigkeit schaffen wollten, zeigt auch unser „Ur-Hi-Haini“ – das ist die Nachbildung der Keltensteins – mit steinerner Miene.

Etwas Bleibendes zu schaffen, gelingt aber auch nur, wenn wir das wertschätzen und anerkennen, dass nicht wir selbst der Mittelpunkt der Ewigkeit sind, sondern dass wir eben Vorfahren haben und auch unseren Kindern etwas mit auf den Weg bekommen sollen.

Deshalb bitte auch beim Fest-Finale daran denken: Wir sind Riesen auf den Schultern unserer Vorfahren.

Platt-Form: Mundart ist Herzenssache (13.09.2019)

Eigentlich wollte ich Marlit Hoffmann nur ins Ministerium begleiten. Doch die „Mutter“ der hessischen Mundart-Initiativen wollte keine Ehrung, die ihr damals einige Landtagsabgeordnete zugedacht hatten. „Ich will einen Dachverband“, sagte die resolute Frau aus Daubhausen, deren Idee und Initiative schon so rührige Vereine wie die Pony- und Kleinpferdefreunde (PuK) Schönbach und den Verein zur Erhaltung der mittelhessischen Mundart und Kultur (kurz: VEMuK) hervorgebracht hatte.

Gesagt, war noch nicht gleich getan: Am 28. April 2018 gründeten wir zwar in Mücke „MundART – den Dialekt-Dachverband in Hessen“; bis zur Eintragung beim Finanzamt Gießen dauerte es indes noch bis September vergangenen Jahres. Mit Freistellungsbescheid und Steuernummer des Finanzamts Alsfeld-Lauterbach und Konto bei der VR Bank Main Kinzig Büdingen kam die Mandatsreferenznummer erst in der ersten Januar-Woche. Mit Starthilfe des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie der Rittal-Foundation können wir jetzt endlich ans Werk gehen: Das Dialekt-Festival MundART startet erstmals hessenweit am 14. September in der Wissenbacher Mehrzweckhalle. Und danach werden wir mit unserer Aktion „Schatzsucher“ übers Land ziehen mit dem Ziel: Hessens Vielfalt zum Klingen bringen!

Wie ein Verein nur so lebendig sein kann, wie sich seine Mitglieder einbringen, so ist das auch bei einem Dachverband. Hierbei ist das aus gutem Grund noch etwas schwieriger: MundART nimmt als Mitglieder keine einzelnen, natürlichen Personen auf, sondern nur juristische Personen (also Vereine, Firmen, Kommunen, Kirchen, Behörden, Institutionen, etc.). Warum? Wir wollen die Akteure vor Ort unterstützen, vernetzen und gemeinsame Projekte starten. Da wir alle das nur „nebenbei“ machen, bündeln wir auch die Kommunikation über eine Internetseite: Die Adresse www.mundart-hessen.de wird also unsere „Platt-Form“. Und in Hessens Vielfalt wird sich darin auch zeigen, wo überall Mundart eine Herzenssache ist.

Beiträge heißt Bauen ohne Ballast (06.09.2019)

Mit drei Gegenstimmen, aber ohne Wortmeldungen hat die Gemeindevertretung in der vergangenen Woche die Finanzierung der Bauprogramme Wasser und Abwasser für die Jahre 2021 bis 2026 beschlossen. Das war nicht nur bei den Jahreszahlen ein  Beschluss für die Zukunft. Das war eine Botschaft: In Eschenburg gibt es Bauen ohne Ballast.

Beispiel Wasserversorgung: Kauft jemand ein Haus in einem neuen Neubaugebiet, muss für den so genannten Schaffensbeitrag 2,90 € pro Quadratmeter Veranlagungsfläche bezahlt werden. Die Veranlagungsfläche wird errechnet aus der Grundstücksgröße und dem Nutzungsfaktor. Dadurch ist die bauliche Nutzbarkeit einbezogen, was ja auch bei der Preisfindung bei einem Grundstücksverkauf gerne genommen wird. Für die bestehenden Grundstücke ist ein Ergänzungsbeitrag zu entrichten, der mit 0,34 € für die Infrastruktur im Bereich Wasser ermittelt ist. Aufs Jahr gerechnet sind das sechs Cent. Für die vorherigen Bauprogramme, die von 2007 bis 2014 und von 2015-2020 liefen und laufen, waren es jährlich fünf Cent. Das ist gut angesichts der Preissteigerungen und hilft uns in Zukunft weiterhin gut zu investieren und günstig zu bleiben.

Beim Abwasser habe ich aufgeatmet, weil hierbei auch der Eschenburger Anteil an den Investitionen des Abwasserverbandes mitgetragen wird, aber ein überschaubarer Ergänzungsbeitrag von 0,88 € herausgekommen ist für die Jahre 2021 bis 2026, also 15 Cent im Jahr.

Beiträge freuen nicht jeden, aber sie helfen allen: Jeder Eigentümer eines bebauten oder bebaubaren Grundstückes trägt mit jährlichen Zahlungen dazu bei, dass die wichtige Infrastruktur auf dem neuesten Stand gehalten werden kann, ohne die Gebühren in die Schuldenfalle zu schrauben. Diese Verteilung vermindert Leerstand und Lücken, weil hier die Eigentümer in die Pflicht genommen werden. Zugleich wird jungen Familien und Unternehmern der Start erleichtert. Ganz nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit  finanzieren wir weiter unsere kommunale Infrastruktur (Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Straßen) generationengerecht, konjunkturstabil und günstig über Beiträge, ohne dass die Allgemeinheit über Gebühr strapaziert oder für alle die Steuer teuer wird. Für die Straßen soll, so hat die Gemeindevertretung in einem Prüfauftrag einhellig beschlossen, ebenso ein gangbarer Weg gefunden werden wie bei Wasser und Abwasser. Das sind Grundsätze und nicht nur Grundzüge der ordnungsgemäßen Buchführung.

20 + 20 in 2020: Mehr Energie von hier (30.08.2019)

Wir haben schon 2007 ein Ziel benannt fürs Lahn-Dill-Bergland: Mit der Formel „20 + 20 in 2020“ haben wir angepeilt, bis zum Jahr 2020 zum einen 20 Prozent Energie einzusparen und den Anteil der erneuerbaren Energie auf 20 Prozent zu erhöhen. Klimaschutz fängt in den Kommunen an, die Energiewende beginnt in jedem Haus. In Eschenburg sind im vergangenen Jahr 17,9 % des hier verbrauchten Stroms auch hier erzeugt worden. Das besagt die Energiemengenbilanz der EAM. Im Vorjahr waren es noch 16,6 %. Davon entfallen fast 80 % auf Photovoltaik, darunter ein Solarpark mit 2 Megawatt, und 20 % Windkraft, die noch aus den 90er Jahren stammt. Gerechnet werden nur zwei der drei Windräder (mit je 800 kW Leistung) bei Hirzenhain, weil eines auf Angelburger Gebiet steht. Die Zahl der Sonnenstrom-Anlagen ist auf 359 gestiegen, auf denen insgesamt 6,34 Mega-Watt installiert sind. Eine Biogasanlage mit 25 kW und 11 Blockheizkraftwerke mit 146 kW komplettieren den Mix in der Stromerzeugung.

Mit dem Windpark Galgenberg werden wir das Ziel gut erreichen und gemeinsam mehr erneuerbare Energie. Wir, das sind jetzt noch zwölf Kommunen im Lahn-Dill-Bergland, die Kirche und „Konzerne“ aus der Region. Gemeinsam haben wir dafür die Lahn-Dill-Bergland Energie GmbH gegründet, die den Windpark Galgenberg betreiben will. Für die Bürgerbeteiligung haben wir zudem die Lahn-Dill-Bergland Energiegenossenschaft gegründet, die schon den Windpark „Hemmrain“ bei Manderbach betreibt. Darüber und das Energiesparen zuhause wird die Energie-Messe am 9. und 10. November 2019 informieren. Mehr Infos unter www.endlich-energie.de im Internet. Herzliche Einladung.

Macht mal Terz: Auf den Dreiklang kommt es an (23.08.2019)

Mich schauen alle immer so fragend an, wenn ich den Vergleich bringe. Aber ich kenne mich damit aus. Was macht in der Musik den Unterschied, ob es Moll wird oder Dur? Selbst alte Hasen zählen es an den Fingern ab oder spähen mit dem inneren Auge auf den Linien im Notensystem, wo nach der alten Lehre irgendwo zwei Halbtonschritte liegen müssen, damit die Tonleiter „mollig“ klingt oder in Dur. Viel einfacher: Bei einem Akkord ist entscheidend, welche Abstände zwischen den drei Tönen liegen. Wo ist die große Terz (hier ist Terz weiblich….)? Und wo die „mollige“ kleine?

Den Vergleich habe ich neulich gebracht, als wir im Hessischen Städte- und Gemeindebund eine neue Führungsriege geformt haben, bei der sich drei Hauptamtliche an der Spitze ergänzen. Auf den Dreiklang kommt es an! Da kann keiner der drei Töne (und auch sonst keiner) sagen: Ich bin der wichtigste, alles hört auf mein Kommando… Sondern es ist viel wichtiger, wie die drei Töne zu einander stehen, wie sie sich abwechseln und ergänzen. Auf den Dreiklang kommt es an! Das werde ich auch sagen, wenn wir in diesem Jahr 50 Jahre Realschule und 30 Jahre Holderbergschule in Eibelshausen feiern. Nach der gelungenen Begrüßung der neuen Fünftklässler kann ich mal wieder sagen, dass hier Hauptschule, Realschule und Gymnasialzweig unter einem Dach und sogar auf einen Flur passen und sich hervorragend ergänzen. Hauptschule heißt auch, da kommen die Praktiker, die (zum Glück) noch Kopfrechnen können. Realschule heißt auch, da kommen junge Menschen, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität stehen. Und bei den Gymnasialschülern ist – sprachlich nicht ganz sauber von mir abgeleitet – eingeschlossen, dass sie manchmal die Nase etwas höher tragen. Manchmal kann das nerven, aber oft schauen sie damit aber auch weiter als andere. Wir brauchen alle drei Schulformen, am besten unter einem Dach oder – wie in Eibelshausen – sogar bei der Musik mit vereinten Kräften. Denn: Auf den Dreiklang kommt es an.

Schwimmbad geht uns alle an (16.08.2019)

Jubiläen können auch die Sache kaputtlangweilen. Deshalb haben wir bei dem Doppel-Jubiläum auch keinen klassischen Ablauf gewählt und alle mit einer akademischen Feier gequält. Es soll vielmehr ein Freizeitbad-Familien-Fest werden mit Brunch ab 7 Uhr, wenn auch der normale Betrieb startet. Ab 14 Uhr gibt es Spiele für die ganze Familie. Und ab 20 Uhr steigt eine Schwimmbad-Party mit Musik und mehr. Die GEMA wird wenig zu lachen haben, sind doch alle diese Aktionen frei. Eintritt kostet nur das Schwimmbad, das zur Feier des Tages alle zum Jugendlichen-Tarif (3 €) hereinlässt.

Haben das die Gründer gedacht, die am 15.11.1969 an der Mittelpunkt- und Realschule Eibelshausen (heute Holderbergschule) den Zweckverband „Mittelpunktschwimmbad Dietzhölztal“ gegründet haben? In der ersten Satzung stand noch: „Etwaige Gewinne dürfen nur für satzungsmäßige Zwecke verwendet werden“. Das wir heute wissen, beim Schwimmbad sind nicht nur die Kosten zu sehen, sondern der große Nutzen, haben uns womöglich die Initiatoren zu erklären versucht: „Die Errichtung des Hallenbades ist seit Jahren eine Lebensnotwendigkeit für die Bevölkerung des nördlichen Dillkreises“, begründete Eschenburgs Bürgermeister Otto Schlemper als erster Verbandsvorsteher das gemeinsame Ziel, ein Hallenbad zu bauen. „Der Zweck des Verbandes dient ausschließlich und unmittelbar der Förderung der öffentlichen Gesundheits- und Jugendpflege sowie der körperlichen Ertüchtigung“, wurde damals der Zweck der Organisation formuliert. Der Schulstandort – am Holderberg war eine von sechs Gesamtschulen im Dillkreis entstanden – ließ Eibelshausen als Standort für das neue Schwimmbad in den Blick kommen. „Eibelshausen hat aufgrund seiner günstigen geographischen und verkehrsmäßigen Lage in den letzten Jahren bereits eine Vielzahl von Mittelpunktaufgaben übernommen“, hieß es im Antrag an Kreis und Land. „Die Errichtung des Hallenbades ist seit Jahren eine Lebensnotwendigkeit für die Bevölkerung des nördlichen Dillkreises“, schreibt Eibelshausens Bürgermeister Otto Friedrich Schlemper (Foto, hier beim kühnen Sprung bei einem damaligen „Volksschwimmen“) in den Antrag, mit dem er vor einem halben Jahrhundert in Wiesbaden um Unterstützung für den Bau eines Bades wirbt. Als das Freizeitbad „Panoramablick“ vor zehn Jahren auf der Kippe stand, weil vor der siebenmonatigen Sanierung nicht klar war, ob die Dachkonstruktion für die Zukunft gesichert werden konnte, half die Gründung des Fördervereins. Das Team um Stefan Nadler hat nicht nur viel Geld für das Schwimmbad gesammelt, wie ein Pool-Lifter und LED-Beleuchtung in den Duschen uns zeigen werden, sondern die bald 400 Mitglieder haben auch die regionale Reichweite des Bades über Eschenburg und Dietzhölztal hinaus gezeigt. In Biedenkopf, Bad Laasphe, Wilnsdorf, Siegburg und im Schwarzwald leben bekennende Freunde des Freizeitbads. Lebensnotwendigkeit? Ja. Schwimmbad geht uns alle an.

Entscheidend bleibt, dass den Menschen geholfen wird (09.08.2019)

Kurz nach der Mondlandung war es für die Menschheit nur ein kleiner Schritt, für den 14-Jährigen gewiss aber ein großer Sprung: Am 1. August 1969 „landete“ Dieter Holighaus im Rathaus der damals noch selbstständigen Gemeinde Hirzenhain. Er war der vierte Hauptamtliche in dem kleinen Rathaus neben der Kirche. An Ausbildung war eigentlich nicht zu denken, es wurde ein Lernen „von der Pike auf“. Als sich 1974 Hirzenhain, Simmersbach und Roth der drei Jahre zuvor von Eibelshausen, Eiershausen und Wissenbach gegründeten Gemeinde Eschenburg freiwillig anschlossen, musste das neue Miteinander mit Leben gefüllt werden. In Hirzenhain wurden wohl die meisten Sprechstunden vor Ort abgehalten, um das Vertrauen in diese neue Verwaltungseinheit aufzubauen. In Zeiten, in denen wir von Digitalisierung und Onlinezugangsgesetz reden, sollten wir das nicht vergessen, dass immer entscheidend bleibt, dass wir den Menschen helfen. Es war hoffentlich nicht nur eine höfliche Geste, dass der Ministerpräsident zu diesem seltenen Dienstjubiläum in einer Urkunde gratulierte, sondern auch der Ausdruck einer Ahnung davon, wie wichtig solche persönlichen Konstanten in der vielbeschworenen kommunalen Selbstverwaltung sind. Gesetze kommen und gehen – die Menschen bleiben. Danke für den Dienst, lieber Dieter.

Jeden Tag für die Zukunft: Ohne Nutz kein Schutz (02.08.2019)

Mir fehlen Kraft und Zeit, mich unnötig aufzuregen. Kinder haben ein gutes Recht, für die Zukunft zu demonstrieren, denn es ist mehr ihre Zukunft als unsere. Deshalb gibt es auch keine besseren Experten für die Zukunft als unsere Kinder.

Und doch treibt es einige ansonsten sehr situierte und saturierte Bürger zur Weißglut, wenn nur die Begriffe Klimaschutz oder Naturschutz fallen. Und wenn das nicht mehr hilft, ist „der Brandschutz“ die böseste aller Bremsen… Gerade zum Thema Nachhaltigkeit und Nachplappern sollten wir in und um Eibelshausen sagen, dass wir da mitreden können. Mit der Haubergswirtschaft haben wir Nachhaltigkeit auch in kleineren Zeiträumen etabliert, von der Eugen Roth schreibt: „Zu fällen einen schönen Baum braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk‘ es, ein Jahrhundert.“

Wenn am Wochenende  aufm Roth der Naturschutz- und Heimatverein sein 50-jähriges Bestehen feiert, muss man sich mal vorstellen, welch Widerspruch vor eben diesen 50 Jahren noch in den Begriffen Heimat und Naturschutz steckte. Das habe ich gedacht, als wir neulich dem Verein die Biotope zur Pflege übertragen haben, begleitet von der Naturlandstiftung Lahn-Dill, lange Jahre angestoßen von meinem Vor-Vorgänger Otto Schlemper – und heute mit Leben gefüllt von einem Verein, der nicht nur am Freitag junge Menschen mitreißt, sich für ihre eigenen Lebensgrundlagen einzusetzen. Das Projekt, der Jubiläums-Verein und der Zusammenhalt im ganzen Dorf zeigen: Naturschutz lebt nicht von Verboten, sondern von Demonstrationen der praktischen Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ohne Nutz gibt es auch keinen Schutz – und das wird aufm Roth gelebt. Heimat und Naturschutz gehören so zusammen. Deshalb werbe ich für das Fest: Freitag 19 Uhr Festkommers im Zelt am DGH, danach Schlagerdisco. Samstag ab 12 Stehender Festzug und Aufführungen am DGH und im ganzen Dorf, ab 19 Uhr Tanz im Festzelt mit den „Weifenbacher Musikanten“ und am Sonntag Finale mit Festgottesdienst (10:30 Uhr), danach Frühschoppen und Ausklang. Jeden Tag für die Zukunft und am besten miteinander.

Humor aus der Hüfte: Wer lachen kann, ist klar im Vorteil (26.07.2019)

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, schrieb sich Schriftsteller Joachim Ringelnatz den Frust von der Seele. In Australien haben die Menschen gut lachen: Wissenschaftler der Australian National University haben herausgefunden, dass schon ein wenig Humor am Arbeitsplatz helfen kann, besser mit Aggression und stressigen Situationen umzugehen. Andere Forschungen von Dr. Cheng haben auch gezeigt, wie Humor die Produktivität anheben kann: Probanden mussten langweilige, sich wiederholende Aufgaben ausführen (einfache mathematische Fragen beantworten). In einer Pause bekam eine der Gruppen lustige Videos zu sehen. Diese Gruppe machte doppelt so lange und auf dem gleichen Qualitätslevel weiter. Obacht: Das klappt nicht mit allen Videos, die mit dem Handy verschickt werden – und sind sie noch soooo lustig. Und zweitens kann die Produktivität, die womöglich gesteigert erhöht wird, schnell von der Zeit wieder gefressen werden, die für Gedaddel und Gebraddel ins Land geht. Wer „aus der Hüfte“ lachen kann, ist klar im Vorteil.

Malefiz mit Millionen: Förderprogramme fördern nur Frust (19.07.2019)

Noch ein Zuschuss…und die Gemeinde ist pleite. Der alte Ausspruch bekommt neue Aussagekraft. Denn niemand hat noch den Überblick, für wen und für was es Förderprogramme gibt. Und kaum einer hat den Überblick, was es an Arbeit bedeutet, einen Antrag zu stellen, zu begründen und zu belegen, die Regeln zu beachten bei der Ausschreibung und Vergabe bis hin zum so genannten Verwendungsnachweis und der Prüfung von Projekten, die mit Steuergeld gefördert worden sind. Gerade weil es hier um Steuergeld geht, das von den teuersten „Briefträgern“ überall verteilt werden soll, aber zuvor von unseren Bürgern und Betrieben hart erarbeitet worden ist, wird genau hingeschaut. Ist ja auch richtig.

Weil aber die Politik beim Erfinden solcher Förderprogramme in den „Sumpf des Versprechens“ gerät und auch nicht immer frei von Neid ist, muss hier kontrolliert werden, koste es, was es wolle. Da fragt kaum noch jemand nach dem eigentlichen Zweck einer Förderung oder ob es nicht leichter wäre, die Kommunen ausreichend auszustatten und in eigener Finanz-Verantwortung solche „Leuchtturmprojekte“ zu erfinden, die sonst nach fehlender Förderung nur das sprichwörtliche „Strohfeuer“ darstellen.

Beispiel 1: Für eine neue Pumpe im Schwimmbad bekommen wir einen Zuschuss von rund 8.000 Euro – allerdings erst 2021. Und vorher müssen wir die mehr als 30 Seiten Regeln abarbeiten, die an den Bewilligungsbescheid getackert sind.

Beispiel 2: Irgendwer macht gerade überall in Hessen Eltern wuschig, dass man mit Fördergeld ganz leicht einen Kindergarten neu errichten oder anbauen kann, wenn man bis November einen Antrag einreicht. Die Frist stimmt, Geld ist auch noch im „Topf“ – nur muss man ein baugenehmigungsreifes Projekt haben, für das es dann auch wieder eine mehrseitige „Gebrauchsanweisung“ gibt. Auch wenn ein Förderportal des Bundes „easy-Online“ heißt, packt viele nur noch der Frust. Vorschläge wie unser „Bonus für Bäder“, bei dem der Betrieb eines Bades entlastet werden könnte durch die Anrechnung im Kommunalen Finanzausgleich bei der Einwohnergewichtung, Bedarfsermittlung und Verteilung, sind da womöglich zu einfach. Damit kann sich ja niemand damit profilieren, man habe das Programm erfunden, das Projekt befürwortet oder den Antrag bewilligt. Dieses Malefiz mit Millionen wird sich wahrscheinlich auch nur ändern, wenn diejenigen, die mit den Bewilligungsbescheiden ins Blitzlichtgewitter der Lokalzeitung kommen wollen, stattdessen den seitenlangen Verwendungsnachweis mal selbst schreiben sollen. Versuch macht klug.

Kopf hoch, auch wenn es Gratis-WLAN gibt (12.07.2019)

Herrschaften, das geht so nicht. Wir haben als Gemeinde aus Steuermitteln den Breitband-Ausbau gefördert und kostenfreie WiFi-Zonen in Rathaus, Schwimmbad und Bürgerhäusern eingerichtet, damit der Fortschritt hier Einzug hält und nicht der Vandalismus. Was wir aber an lauen Sommerabenden erleben, treibt mir den Zorn auf die Stirn. Deshalb sage ich es jetzt mal sachlich und hoffe auf Einsicht: Jugendliche dürfen sich gerne im und am Rathaus aufhalten und das WLAN sinnvoll nutzen. Musik laut hören, Müll auf den Boden werfen, die Fahrradständer zu lockern oder mit den Fußabdrücken die weiße Wand zu beschmutzen, das geht überhaupt nicht. Das geht in die Sachbeschädigung und macht nicht nur mich sauer. Wenn sich das nicht bessert, ist das WLAN schneller abgeschaltet, als man surfen kann. Deshalb gebt aufeinander acht und lasst diese Unsitte nicht einreißen. Kopf hoch, auch wenn es Gratis-WLAN gibt.

Handel und HLÖG: Der Anlassbezug ist das Ende jeden Neuanfangs (05.07.2019)

Zum Glück haben die Nassauer unser „Made“ 1781 genehmigt. Heute wäre es schwierig. Noch knapp vor den Sommerferien legt nämlich Hessens Sozialministerium den Entwurf zur Änderung des Ladenöffnungsgesetzes (HLÖG) vor. Und darin wird es nicht einfacher, sondern schwieriger. Hatten Kommunen es bislang in der Hand, an maximal vier Terminen einen „verkaufsoffenen Sonntag“ festzusetzen, will der Gesetzgeber nun den so genannten Anlassbezug im Gesetz festschreiben. Das gab es bislang nur in der Rechtsprechung und wurde im Einzelfall geprüft, ob es einen Anlass gibt, der mehr Menschen anlockt als bloß die Ladenöffnung. Im Ministerium wird das Gesetz unter dem Blickwinkel „Sozialer Arbeitsschutz“ ausgearbeitet. Aus Kirchen und Gewerkschaften hat sich eine „Allianz für den freien Sonntag“ gebildet, die regelmäßig neue Ideen für Sonntagsöffnungen mit Rechtsmitteln überzogen hat. Neue Ideen haben es dadurch schwer, denn keiner weiß, wie viele Menschen zu einer Veranstaltungs-Premiere kommen.

Kommunen indes haben den Sonntag, die Kirche, die Arbeitnehmer und auch die Familie im Blick, wenn wir „verkaufsoffene Sonntage“ beschließen. Damit wollen wir ja gerade gemeinsam Veranstaltungen kreieren, bei denen Einkaufen vor Ort ein Erlebnis wird für die ganze Familie. In Eschenburg soll auch jeder vorher in die Kirche gehen können, also begrenzen wir die Verkaufsöffnung stets auf den Zeitraum 13 bis 18 Uhr. Wenn es der Allianz für den freien Amazonas wirklich darum geht, den Feiertag zu heiligen und die Familie zu schützen, dann sollten sie sich mit den Kommunen zusammenschließen, statt sie mit Klage zu überziehen. Denn wir sind alle Verlierer, wenn diese Allianz dann auch noch das neue interkommunale Familienfest zum Beleben der verödenden Dorfzentren stoppt, wir aber aus den geschützten Familien niemand morgens im Gottesdienst sehen und am Nachmittag alle auf der Couch sitzen und – jeder für sich – online einkauft. Verkaufsoffen heißt für uns Kommunen, offen für den Sonntag zu sein. Der Wandel im Handel ist Anlass genug. Mit den Akteuren vor Ort wollen wir bis zu vier Termine frei wählen und gestalten können. Der Anlassbezug ist das Ende jeden Neuanfangs. Tradition lebt von Innovation.

Holderbergschüler, alles Goure! (28.06.2019)

Die Zeugnisausgabe der Holderbergschule war am Dienstag festlich gestaltet wie eine Oscar-Verleihung. Warum wird Hollywood so gerne als Kulisse für die Verabschiedung genommen? Das liegt doch hoffentlich daran, dass alle so stolz sind wie der sprichwörtliche Oskar und nicht den Eindruck haben, dass sie im falschen Film sind. Wichtig bleibt: Das ist noch nicht die Auszeichnung fürs Lebenswerk, sondern das sind die ersten Lorbeeren fürs Debüt.

120 Mädchen und Jungen haben in je zwei Klassen den Hauptschulabschluss und Realschulabschluss erreicht oder die Klasse 10 auf dem Weg zum Abitur beschritten. Wir brauchen sie alle. Und ich hoffe, viele finden eine gute Ausbildungsstelle in unseren Gemeinden und in unserer Region. Auch für die Bildung und das Mega-Thema liegt das Dietzhölztal nicht am Rand, sondern mittendrin: Im Umkreis von 50 Kilometern liegen fünf Hochschulen und 14 Kliniken, darunter zwei Unikliniken. Es gibt also viel zu tun. Hier packen wir’s an. Liebe Holderbergschüler, ich sage es dann auch mal à la Hollywood: Findet die Rolle Eures Lebens! Macht genau so weiter, dann macht Ihr es gut.

Ausbildung ist besser als Einbildung (21.06.2019)

Es gibt derzeit 327 Ausbildungs-Berufe. Sechs davon bilden wir auch aus „bei der Gemeinde“. Entweder im Rathaus oder bei den angeschlossenen „Firmen“. Bis zum 19. Juli läuft aktuell unsere Ausschreibung, mit der wir für den Start im Sommer 2020 eine Ausbildungsstelle für Verwaltungsfachangestellte anbieten (im Internet unter www.gemeinde-eschenburg.de/im-rathaus/stellenausschreibung). Weil wir in den nächsten zehn Jahren an einigen Positionen im Rathaus gute Nachfolger suchen, werden wir in den kommenden fünf Jahren immer eine neue Ausbildung beginnen, damit drei Jahre später junge motivierte Menschen mittun.

Wo wir auch verstärkt ausbilden ist das Freizeitbad „Panoramablick“. Hier bilden wir „Fachangestellte für Bäderbetriebe“ aus. Was landläufig „Bademeister“ genannt wird, ist eine reizvolle Arbeit mit viel Technik. Das gilt noch mehr bei der „Fachkraft für Abwassertechnik“, die wir im Sommer neu auf der Kläranlage ausbilden, und die „Fachkraft für Wasserversorgungtechnik“, wie sie aktuell bei den Gemeindewerken Eschenburg lernt. Neu beginnt im Sommer bei uns im Wald ein Azubi, der den Beruf des Forstwirts ergreifen möchte. Und am Bauhof haben wir schon einmal Maurer auszubilden versucht, freilich im Verbund mit Fachfirmen, aber jetzt haben wir sogar einen Meister dieses Fachs.

Bevor es in die Ferien geht, möchte ich Werbung machen für Berufe, die mit Energie zu tun haben. Das gilt übrigens auch für Schwimmbad und Kläranlage, wo beim Ferienpass der beiden Gemeinden Besichtigungen angeboten werden. Oder ihr hakt beim Ferienjob einfach mal nach oder aus einfacher Neugier. Unter dem Titel „Zukunftswerkstatt Energie“ haben wir einen Video-Wettbewerb laufen bis 13. Oktober. Mehr unter www.endlich-energie.de/zukunftswerkstattenergie im Internet. Für die Zukunft kann man nicht nur freitags demonstrieren, sondern jeden Tag es was dafür tun, vor allem in Energie-Berufen.

Digitalisierung ist nur gut, wenn sie dem Menschen helfen tut (14.06.2019)

Ist Eschenburg ein Hindernis für die Digitalisierung, wollte unser Innenministerium von uns wissen. Das Innenministerium in NRW hatte sich an die Kollegen in Wiesbaden gewandt, dass Anfragen nach einer einfachen Behördenauskunft in Eschenburg nicht möglich seien. Das ist richtig. Dieses Verfahren zur automatisierten Abfrage von Meldedaten ist freiwillig, teuer und unnötig umständlich für alle Beteiligten. Deshalb nehmen wir seit April 2017 nicht mehr teil. Es ist scheinbar günstig, wenn durch die Datenleitungen Informationen automatisch abgeglichen werden und pro Abfrage 0,50 € gezahlt werden soll. Wenn aber einige Behörden im Minutentakt Daten doppelt und dreifach abfragen und seltene Namen in allen erdenklichen Schreibweisen durchprobieren hätte ein Anruf genügt. Mittlerweile gibt es eine Jahrespauschale von 1.800 €, aber ich meine bei 20 bis 40 Anfragen im Monat, leisten wir das gut, gerne und ganz gesetzestreu „nebenbei“ per Post und am Telefon. Digitalisierung ist nur gut, wenn Menschen dadurch besser zusammenarbeiten können. Unser Telefon ist, nachdem es neulich sogar auf Voice-Over-IP umgestellt wurde und wir zwei Tage lang nicht erreichbar waren, auch total digital. Und wenn wir in dieser Woche die Eschenburg-App und ein DGH-Reservierungs-System online anbieten können, sind wir doch wohl nicht ganz so große Fortschritt-Feinde.

Moderne im Miteinander: Mitteilen statt Mittelalter (07.06.2019)

Es ist wie im Mittelalter: „Ich bin angesprochen worden“, beginnen manche Wortmeldungen in unseren Gremien. Statt einfach zu sagen, was die Frage ist, wird kompliziert formuliert. Damit umzugehen ist sehr mühselig. Das erinnert mich immer an eine Fleißarbeit, die ich im Sommer 1993 für mein Stipendium beim Nassauischen Zentralstudienfonds machen musste. „Die Intervenienten in den Urkunden Ottos III. zur Zeit seiner Minderjährigkeit“ war das Thema. Für die Jahre 984 bis 994, als der 980 geborene kleine König von seiner Mutter und danach von seiner Oma bevormundet wurde, hatte der kleine Racker doch tatsächlich 147 Urkunden ausgestellt. Darin wurden oft lieben Menschen meist Rechte verbrieft oder Geschenke gemacht. Mit krakeliger Schrift, so die Vorstellung, vollzog der Kinder-König höchstselbst die Urkunden, die ihm vorgelegt wurden. Aus dem Wortlaut lassen sich die so genannten Intervenienten erkennen: Wer hat zuvor Fürsprache eingelegt? Auf wessen Rat wurde die Urkunde ausgestellt? Wessen Zustimmung zum Erteilen der Urkunde wird ausgedrückt? Niedlich, wer den kleinen Otto III. da alles unterstützte. Spannend, sich auszumalen, wer da im Hintergrund die Fäden zog.

Es war eine fiese Fleißarbeit, mit meinen mäßigen Latein-Kenntnissen 147 Urkunden zu durchstöbern und zu deuten. Da lob ich es mir heute doch die Moderne im Miteinander und sage: Menschen, die sich mitteilen, kann geholfen werden!

Ferienpass verbindet die beiden Gemeinden (31.05.2019)

Jetzt wächst zusammen auf, was zusammengehört: Für die Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren bieten die Gemeinden Eschenburg und Dietzhölztal schon lange ein Ferienprogramm an, jeder für sich. Mit dem Kulturkreis hatten wir vor drei Jahren das erste Mal eine gemeinsame Aktion, die „durchgängig“ ist. Der KKED bietet ein Sommerkino in Eschenburg und Dietzhölztal an, wozu auch Kinder aus der anderen Gemeinde hinzukommen können.

Diesmal läuft am 11. Juli von 16 bis 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Ewersbach „Paddington 2“. Und am 31. Juli (ebenfalls von 16 bis 18 Uhr) heißt es im Bürgerhaus in Eibelshausen „Alles steht Kopf“. Das Beispiel macht Schule in den Ferien: Zu einer gemeinsamen Techniktour lädt am 18. Juli um 14 Uhr das Freizeitbad „Panoramablick“ ein. Und der Frage „Wo geht unser Abwasser hin?“, können  Kinder aus Eschenburg und Dietzhölztal nachgehen am 11. Juli und am 25. Juli bei einer Tour auf der Kläranlage (Start ist jeweils um 10 Uhr). „Fachkraft für Abwassertechnik“ ist übrigens kein „Scheiß-Job“, wie in der vorigen Woche eine ganze Reihe Erwachsener lernen konnten: Vor den Gemeindevertretern aus Eschenburg und Dietzhölztal haben wir vorgestellt, wie wir in den nächsten zwölf Jahren – Schritt für Schritt – an „Abwasser 4.0“ bauen. So nennen wir die zukunftsfähige Erweiterung der Kläranlage für den gemeinsamen Wirtschaftsstandort in Eschenburg und Dietzhölztal. Kann man heute schon erleben beim Ferienpass der beiden Gemeinden.

Erwachsen werden und Kind bleiben (24.05.2019)

Am Samstag (25. Mai) ab 11 Uhr am Gerätehaus mitten im Dorf feiert die Jugendfeuerwehr Hirzenhain ein besonderes Jubiläum: Die Nachwuchstruppe ist 50 Jahre alt. Obwohl damit die dienstälteste Jugendfeuerwehr, ist diese „heiße Truppe“ jung geblieben. Kommt auch daher, dass, wie in den Anfangsjahren auch heute, die Betreuer jede Woche sich was Neues einfallen lassen müssen, um Dienst für die Allgemeinheit spannend zu halten und spielerisch zu gestalten. Hier wird Feuerwehr nicht nur gelehrt und gelernt, sondern gelebt!

Wie allen Geburtstags-Kindern muss man zum Fuffzigsten etwas mit auf den Weg geben, um die Midlife Crisis zu umgehen: Es beginnt jetzt die „bessere Hälfte“, wie Dr. Eckart von Hirschhausen es positiv darstellt. Jenseits der 50 kann man gut leben, wenn man fünf Dinge beherzigt:

  • Nicht rauchen
  • Bewegung
  • Gemüse
  • Erwachsen werden
  • Kind bleiben

Klingt wie ein Widerspruch, lässt sich aber aushalten. Zum Beispiel bei der Jugendfeuerwehr in Hirzenhain.

Vom Ziel her durchdenken statt andenken (17.05.2019)

Nicht selten geht mir das warnende Wort „Rentner-Demokratie“ von Roman Herzog durch den Kopf, wenn manchmal Ruheständler bei Zukunftsfragen im Weg zu stehen scheinen. Unser früherer Bundespräsident hat in jedem Fall recht, wenn er sagt: „Wir brauchen nicht alles Bewährte über Bord zu werfen. Aber Erneuerung tut Not, schon um das Bewährte für die Zukunft zu sichern.“

Das gilt für den Seniorennachmittag wie für den Markt in Eschenburg. Wir sollten im wahren Wortsinn zielführend beraten, wie wir es aktuell zum Thema Markt machen. Es wird heute zu viel angedacht (und damit zu schnell kaputt gemacht), aber zu wenig wird wirklich durchdacht. Daher sollte man solche Arbeitsgruppen auch erst einmal arbeiten lassen und nicht schon vorher und von außen zu wissen, dass es so nicht geht.

Vom Ziel her denken? Wir lernen das eigentlich schon bei der Fahrschule, wenn wir – auch bei fehlender Markierung in der Mitte – die Spur halten sollen und wollen. Schau dorthin, wohin Dein Ziel ist – und Hirn, Herz und Hände werden folgen.

Das Grün im Rund ist ein „Krahsel“ (10.05.2019)

Für Hessen Mobil ist er so etwas wie Lord Voldemort bei Harry Potter. Sein Name darf nicht genannt werden. Und dabei ist der „Kreisverkehr“ für viele eine runde Sache. Mitten in Eibelshausen haben wir glücklicherweise einen Kreisel bekommen können, auch gegen den anfänglichen Widerstand der Verkehrsexperten. Wenn demnächst die Brücke am Kreisel saniert wird und etwa drei Monate gesperrt sein wird, werden wir den Roundabout schmerzlich vermissen. Brücke und Simmersbacher Straße gehören dem Kreis und sollen saniert werden. Dadurch wird Eibelshausen, zumindest bei der Vollsperrung der Brücke „geteilt“ werden. Weil auch die Bushaltestelle am Marktplatz angegangen wird, fällt die „Drehscheibe“ aus. Behelfs-Bushaltestellen im Wiesenweg und in der Hauptstraße werden die Umsteigemöglichkeiten ergeben. Dann sind die Parkverbote z. B. an der Apotheke oder vorm Haus Schulz tunlichst zu beachten sein, denn sonst ist das Chaos perfekt. Der Termin für die Brückensanierung ist uns leider noch nicht bekannt gemacht worden. Deshalb fangen wir mit dem Kirchplatz und Bushaltestelle bald schon mal an.

Zurück zum Kreisel. Für die Pflege des „Straßenbegleitgrüns“, zu der uns Land, Kreis und Hessen Mobil gewiss gerne verpflichtet hätten, nachdem sie schon einmal dem Willen der Gemeinde nachgegeben hatten, fand sich ein Freiwilliger:  Der Pflanzenhof Krah wollte es gerne übernehmen. Nur war ein kleines Werbeschild für unsere befreundeten Behörden ein großer Schritt, aber auch das ging irgendwann. Es ist nur ein kleines Schild, aber ich sage immer wieder: Das ist eines der wenigen Paradebeispiele für „Public Private Partnership“, von der viele sooft reden. Wir sagen es einfacher, aber mit mehr Stolz und Dank: „Des es oin Krahsel!“

In der „Kinderstube der Natur“ Hunde anleinen (03.05.2019)

Einsicht ist das beste Gesetz. Deshalb werbe ich heute für die Anleinpflicht für Hunde, wie sie die Gemeindevertretung beschlossen hat. In der Gefahrenabwehrverordnung der Gemeinde Eschenburg ist der § 3 ergänzt worden. Bislang schon durfte sich ein Hund nicht ohne Aufsicht in der Öffentlichkeit bewegen. Kinderspielplätze und Friedhöfen sind verboten. Neu ist der Satz „Hunde sind während der Brut- und Setzzeit (15. März bis einschließlich 15. Juli) im Wald und auf Wiesen an der Leine zu führen.“

In dieser Zeit brüten Tiere und bringen ihre Jungen zur Welt, deshalb ist Vorsicht geboten. Dabei muss ein Hund erst gar nicht „wildern“, schon ein neugieriges Schnüffeln stört schon mehr als wir ahnen. Und weil im jetzt rasch sprießenden Gras, am Waldesrand und am Ufersaum die „Kinderstube der Natur“ Vorrang hat, müssen wir auch unsere treuesten Vierbeiner an die Leine nehmen. Und wer zwischen 15. März und 15. Juli in Wald und Flur Menschen mit Hund und ohne Leine sieht, sollte es ihnen erklären, warum die Eschenburger Gemeindevertreter diese Anleinpflicht beschlossen haben. Es gibt freilich größere Gefahren, um die wir uns zu kümmern haben – aber hierbei kann schon jeder helfen, dem nicht nur der eigene Hund, sondern auch die Natur um uns herum am Herzen liegt. Anleinpflicht ist Bürgerpflicht.

Regional ist genial: Ein Portal vor der eigenen Tür (26.04.2019)

Entdecken statt verstecken ist die Devise. Es ist vielleicht verlockend, jederzeit und scheinbar überall mit einem Klick scheinbar alles bestellen zu können. Nur hilft das in allen Lebens-Lagen nicht wirklich. Nicht nur bei Notfällen, sondern auch in ganz einfachen Situationen, in denen wir Rat und Hilfe brauchen, ist eine nahe Anlaufstelle wichtig. Deshalb sage ich stur und stolz: High Tech, Handwerk und Handel haben bei uns hier eine Heimat. Das zeitgemäß und zukunftsfähig zu  zeigen, ist die Aufgabe für das Regional-Portal. Solche Such-Maschinen gibt es freilich viele, aber mit der Eschenburger Werbeagentur Klank Media als unserem Partner haben wir die kurzen Wege für ein Portal vor der eigenen Tür. Das bildet einen direkten Zugang zu unseren Werkstätten, Büros, Betrieben und Läden. Unter der Adresse www.regional-portal.com waren wir mit der Gemeinde ebenso rasch präsent wie mit dem Freizeitbad „Panoramablick“ und der Personal-Suche für den Ferienpass. Denn: Wer weiter denkt, kauft näher ein – das ist kein Glückskekssatz, sondern Credo. Regional ist genial.

Ein Fest für die Familie ist der beste Osterschmuck (19.04.2019)

Ostern ist ein Familien-Feiertag wie auch Weihnachten. Deshalb haben wir an diesen beiden Festen auch das Schwimmbad geschlossen, auch die Dillenburger Kollegen halten das so. Dann sollte jeder, auch unsere Beschäftigten, die Chance haben, zuhause zu sein und etwas mit der Familie zu unternehmen.

Zusammen mit dem “Aquarena”-Bad steigern wir ja auch schon die Öffnungszeiten an Feiertagen, indem wir uns abwechseln. Himmelfahrt (30. Mai) und Fronleichnam (20. Juni) hat „Aquarena“ von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Pfingsten (9. und 19. Juni) und am Tag der deutschen Einheit ist „Panoramablick“ von 7 bis 17 Uhr dran. Am 3. Oktober werden wir auch wieder was für die ganze Familie anbieten und mitmachen beim „Türöffnertag“, zu dem die „Sendung mit der Maus“ einlädt.

Dafür werden wir das Schwimmbad vom 9. bis 29. September schließen für die jährliche Revision. In der Steuerungstechnik und in der Elektroverteilung sind die nächsten Sanierungsschritte dran und die kann man nicht im laufenden Betrieb erledigen. Das ist ein bisschen so wie die Feiertage für die Familie: Zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen, um danach wieder durchstarten zu können. Deshalb danke ich abschließend den Aktiven vom Regionalmuseum Eschenburg, die Jahr für Jahr den Brunnen vorm Rathaus für Ostern schmücken.

Schiedsrichter, Schlichter, Friedensstifter (12.04.2019)

Nicht wenige denken an Fußball, wenn vom Schiedsmann die Rede ist. Ist gar nicht so abwegig, denn ein Schiedsmann ist auch so etwas wie ein Schiedsrichter. Wenn er einen Streit schlichten soll,  darf er sich nicht von einer Seite vereinnahmen lassen und muss unparteiisch bleiben.

Schiedsmann Volker Hermann selbst musste eher an seine Bienen denken, wenn er in manchem Streit schlecht schlichten konnte. Die Bienen, so wie er als Imker, leben auf engstem Raum zusammen und kommen doch miteinander aus. Der Mensch hingegen hat allen Platz der Welt und gerät mit seinem Nachbarn meist wegen Nichtigkeiten in Streit. Dass er Imker ist, habe ich erst erfahren, als ich Volker Hermann aus diesem Dienst verabschiedet habe und als Geschenk ein Landpaket übereichte. Unter den Raffinessen der Region war auch Bienenhonig. Beim Amtsgericht, als dessen Vorinstand Schiedsleute ihren Dienst in den Kommunen tun, haben wir Volker Hermanns Nachfolger ins Amt eingeführt. Gerhard Karle ist ebenso Imker. Das merkten wir, als ich ihm zum Start ebenso ein Landpaket überreichte. Gewissermaßen als Nervennahrung für die ersten Fälle. An den Schiedsmann wenden sich meist Menschen, die in Streit geraten sind. Oft sind das die ersten Schritte, überhaupt miteinander statt übereinander zu reden. Damit es zumindest schiedlich-friedlich weiter geht, versuchen Schiedsleute zu vermitteln und wenigstens einen für beide Seiten gangbaren Kompromiss zu finden. Gerhard Karle war früher im Rettungsdienst in Leitender Funktion, vielleicht ein Grund dafür, dass er auch im Vorruhestand helfen will und der ganzen Gemeinde dient. Ehrenamtlich war er bislang als Schöffe im Gericht tätig. Das sind die Ehrenamtlichen, die neben den Richtern sitzen und dabei helfen, ein ausgewogenes Urteil zu bilden. Schöffe ist eine prima Grundlage für einen Schiedsmann: Man kann zuhören, darf nicht vorschnell urteilen und durchschaut auch so manches üble Spiel. Und da sind wir wieder beim Fußball. Schiedsleute sind so etwas wie Schiedsrichter, Streitschlichter, Friedensstifter. Danke für diesen Dienst!

Und ab und an mal: Raus aus unserem Wald! (05.04.2019)

Raus aus „meinem“ Wald – diese Haltung wird nicht selten, aber meist zu Unrecht  Jägern vorgeworfen. Sie haben nicht den Wald gepachtet, nur das Jagdrecht. Das ist richtig. Der Wald ist für alle da. Das ist auch richtig. Nur wird es in Zeiten wie diesen für die Jäger schwer, die übertragene Pflicht zum Natur-Gleichgewicht zu erfüllen. Das ist nämlich der Vertrag, den die Jagdgenossenschaft als Interessensvertretung der Grundstücks-Besitzer mit den Jagdpächtern abschließt. Es ist nämlich genauso wenig im Interesse der Wald- und Feldbesitzer, dass Bäume verbissen und geschält oder Wiesen und Felder umgepflügt werden, wie Gartenbesitzer sich über ungebetenen Besuch von Wildschweinen freuen. Im Garten, am Ortsrand oder in der Nähe einer Straße dürfen Jäger nicht schießen, was ihre Möglichkeiten einschränkt. Und wenn sie morgens oder abends in der Dämmerung gezielt auf die Wildschweine oder Hirsche warten, stört jede Unruhe im Wald. Deshalb ist es nicht so glücklich, wenn wir meinen, auch der Wald sei 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche für uns verfügbar und laufen mit der Stirnlampe los. Jäger dürfen in Deutschland nicht mit Licht oder Nachtsichtgerät hantieren. Für bestes „Büchsenlicht“ muss deshalb auch manchmal eine Vollmondnacht herhalten, wenn eigentlich sonst niemand mehr durch den Wald stapfen sollte. Im Dunkeln ist gut munkeln – nur bei der aktuellen Käfer-Katastrophe ist tagsüber schon genug im Wald los, weshalb wir vielleicht auch unser Joggen, Walken, Wandern, Spazierengehen und Lustwandeln nicht gerade in der Dämmerung und im Wald verrichten. Ab und an müssen wir uns mal selbst sagen: Raus aus unserem Wald!

Hinterher weiß man, wofür Brandschutz gut ist (29.03.2019)

An diesem Sonntag feiert die evangelische Kirchengemeinde Eibelshausen 125 Jahre. Wer jetzt an der Kirchenmauer die Zahl 1776 gesehen hat, muss nicht an seinen Mathematik-Fertigkeiten zweifeln: Vor 125 Jahre wurde die Kirchengemeinde Eibelshausen selbstständig, das Gebäude ist älter.

Zum 1. April 1894 verfügte das Königliche Consistorium zu Wiesbaden: „Die Evangelischen zu Eibelshausen und in den dazu gehörigen Hütten und Mühlen scheiden aus der Pfarrgemeinde Bergebersbach aus und bilden die Pfarrgemeinde Eibelshausen.“ Die Kirche als Gebäude entstand 1776 und ist von Kirchenbaumeister Johannes Hast für die Zukunft gebaut: Mit 420 Sitzplätzen ist das Gotteshaus an der Dietzhölze auch heute noch eines der größten und muss schon damals einigen futuristisch vorgekommen sein. Auch eine Vielzahl neuer Bestimmungen verwirrten die Menschen seinerzeit, vor allem der Brandschutz: Dachdeckungen mit Stroh waren plötzlich verboten, Schiefersteine mussten auf das Dach, was freilich schwerer und teurer war.

Wofür diese neue Brandschutz-Auflage gut war, erlebten die Eibelshäuser am 20. Mai 1815, als ein Großbrand mehr als 200 Gebäude im Dorf zerstörte. Die Kirche überstand das Feuer mit ihren dicken Mauern und dem Schieferdach, vor allem aber durch die Hilfe der Nachbarn: Die Feuerwehren aus Steinbrücken, Eiershausen und Simmersbach halfen, wo es nur ging. Und die Simmersbacher, die bereits über eine Pumpe verfügten, konnten mit Technik und Muskelkraft dafür sorgen, dass das Schieferdach der Kirche nass gehalten wurde und so das große Feuer überstand. Daran sollten wir auch denken, wenn wir mal wieder über „den Brandschutz“ schimpfen.

Vorwärts kommt man nur mit einem Ziel (22.03.2019)

Ich hab‘s gewusst: Irgendwann müssen wir es wieder lernen, mit Karte und Kompass zu navigieren. Ende März wird bei den Natur-Erlebnisterminen im Lahn-Dill-Bergland dazu ein Kursus angeboten. Es ist nicht so einfach, mit einer „Generation Navi“ abseits der großen Straßen und Verkehrswege voran zu kommen. Wir machen es vielen aber auch womöglich zu bequem, habe ich mir 2007 gedacht bei der Besichtigung des Felsenwegs im Saarland. Klar, braucht der damals am besten bewertete Wanderweg prima Untergrund, lesbare Beschilderung und tolle Aussichten – einen „Vorwegweiser“ für ein abbiegende Pfad fand ich allerdings etwas übertrieben.

Jetzt haben wir im Naturpark beim Thema Wandern dazugelernt. Es geht nicht nur darum, etwas für Touristen zu machen, sondern es geht ums Wohlergehen der Menschen hier und der Region.

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, sagt Johann Wolfgang von Goethe. Sein Zeitgenosse Johann Gottfried Seume schreibt es drastischer: „Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge… So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt… Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft.“ Es ginge viel mehr, wenn man mehr ginge. Und jetzt also auch wieder mit Karte und Kompass. Ist ja auch richtig so, denn nur mit einem Ziel oder mehreren kann es auch vorwärts gehen.

Der Hang zum Überschwang: Alles Goure, Tina! (15.03.2019)

Freilich hätte man eigentlich einen Eiskanal nach ihr benennen müssen. Aber der unterliegt saisonalen Schwankungen und war gerade nicht da. Am Tina-Hermann-Pfad, den die Gemeinde nach der ersten Einzel-Weltmeisterschaft der Hirzenhainerin 2016 später an ihrem Elternhaus beschildert hat, ist noch viel Platz: Der QR-Code dort verweist auf den Wikipedia-Eintrag, in dem auch schon der neueste Erfolg  vermerkt ist.

Gold im Skeleton-Rennen bei der WM im kanadischen Whistler war ein historischer Moment: Für das deutsche Team war dieser Freitag Weltmeisterfrauentag. Für die Hirzenhainer war es so, als hätte der Skiclub nicht nur in dieser Saison, sondern über Jahre extra auf Schnee verzichtet und alle Flocken zusammengekratzt für dieses rasante Rennen. Und wer noch nie Skeleton gesehen hat, wurde mitgerissen bei vier packenden Läufen. Selbst der Laie konnte erahnen, dass für die schnelle Fahrt im Eiskanal kopfüber auf einem schmalen Brett viel Mut, Kraft und Konzentration nötig ist. Und für Tina Hermann, gerade 27 Jahre alt geworden, wie für Hirzenhain war es womöglich der wichtigste Geburtstag: Das WM-Jahr fällt zusammen mit dem großen Jubiläum ihres Heimatortes.

Als in Whistler die Uhr bei 3:33.03 stehen blieb, brach weltweit der Jubel aus. „Und jetzt?“, fragten sich im nächsten Moment die Hirzenhainer. Was können wir jetzt nach unserer Weltmeisterin benennen? Bei Straßen und Plätzen ist das eher langwierig und schwierig, weil viele ärgerlich sind, die eine neue Adresse bekommen oder die alte Adresse nicht finden…

Die erste Idee ist oft die beste. DER HANG, kam es in den Sinn. Für die Flieger ist es der traditionsreiche Nord-West-Hang, für Wasserwerke und Kataster heißt der Berg „Kurzbeul“, für Wanderer ist der Ort das Portal zum „Hirzenhainer Höhenflug“, für viele der schönste Postkartenwinkel weithin, für den Skiclub „Sausewind“ ist und bleibt das schlicht und schnell der Skihang….und war damit für die Weltmeisterin selbst die Wiege ihrer Wintersport-Karriere.

Egal wer und egal wobei, mit diesem Fleckchen Erde verbinden viele Menschen schöne Moment. Nicht nur wegen der ersten WM-Party 2016 oder kaum zählbarer Fliegerfeste ist das der Hang zum Überschwang. Hier ist so viel Platz und Perspektive, da kann der Volksmund mit seinen historischen Bezügen auch gerne Recht behalten, aber ich nenne DEN Hang ab dem Weltmeisterfrauentag 8. März 2019 auch „Tina-Hermann-Hang“.

Und der Weltmeisterin wünsche ich, auch im Namen der Gemeinde-Gremien, allzeit gesunde Abfahrt und noch so viele WM-Titel, wie Wikipedia fassen kann. Alles Goure, Tina!

„Wann Dau dann noch Landrot seisd?“ (08.03.2019)

Demografischen Wandel – der Begriff beschwert die Zunge, als redeten wir von einer ansteckenden Krankheit. Dabei haben wir doch allen Grund zur Freude, wenn heute die Menschen älter werden. Warum wir heute älter werden dürfen, bekommen wir auf der Grube „Fortuna“ sehr eindrücklich gezeigt: Der Bohrer mit Wasser, das den Staub bindet, kam erst in den 60-er Jahren unter Tage zum Einsatz. Bis dato hatten die Bergleute den Krach auf den Ohren, die Schläge auf den Knochen und den Staub in der Lunge. Mit der Grube „Fortuna“ hat der Lahn-Dill-Kreis also auch der Arbeitswelt vieler Menschen ein Denkmal gesetzt. Noch ein Grund mehr, sich darüber zu freuen, wenn die Bürgerinnen und Bürger heute älter werden. 

Wenn die Bürgermeister heute bei hohen Alters- und Ehejubiläen zum Briefträger werden, weil sie neben der Urkunde des Ministerpräsidenten auch das Schreiben des Kreises zu Goldhochzeit oder Geburtstag bringen, war das nicht immer so: Früher kam der Landrat schon zum 90. Geburtstag und gratulierte höchst selbst. So war es Karl Rehrmann noch aus den Zeiten des Dillkreises gewohnt. Der Spruch dem ihm im heutigen Eschenburger Ortsteil Wissenbach eine 90-Jährige entgegnete, wurde legendär: Als sich der Landrat verabschiedete „bis zum hundertsten“, konterte die Jubilarin schlagfertig: „Wann Dau dann noch Landrot seisd?“

„Stiftung für Eschenburg“ will anstiften an, Gutes zu tun (01.03.2019)

Wir hatten das Glück, die „Stiftung für Eschenburg“ gründen zu dürfen. Die Sparkasse Dillenburg hat mit einer Stiftergemeinschaft gewissermaßen das „Dach“ bereitet, unter dem eine Vor-Ort-Stiftung leichter zu gründen ist. Und weil auch die Bürokratie übernommen wird, können wir uns auf den kreativen Teil konzentrieren: Ideen sammeln, Geld sammeln, Gutes tun.

Seit Juni hatten wir die Gremien der Gemeinde eingebunden und zum Glück auch Geld „gefunden“, wenn auch nicht im Haushaltsplan der Kommune: Seit 1985 haben wir eine  Schenkung von Dr. Albert Heinzel, der aus der Dankbarkeit der Gemeinde ein Sparbuch mit 20.000 Mark geschenkt hat mit der Bitte, dessen Erträgen für „soziale Zwecke, nach Möglichkeit im Bereich der Schule in Eibelshausen zu verwenden“. Mit 10.225 Euro Startkapital können wir nun starten. Die Sparkasse gibt zusammen 10.000 € dazu – eine Hälfte zum Aufstocken der Stiftung und als Spende zum Weitergeben. Damit kann die Stiftung schon im ersten Jahr Gutes tun. Denn ansonsten werden wir nur aus den Erträgen des Stiftungsvermögens „ausschütten“ können. Deshalb ist es gut, wenn wir das Stiftungsvermögen – durch weitere Zustiftungen – erhöhen können oder auch für gezielte Zwecke Spenden anwerben oder selbst erwirtschaften.

Für die Zwecke ist eigentlich nur die Kreativität als Grenze gesetzt. Der Rahmen in der Satzung ist weit gefasst. Wichtig sind die „Kümmerer“, die wir aus jedem Ortsteil gewinnen konnten: Michaela Eckhardt (Eibelshausen), Jan Niklas Müller (Wissenbach),  Dirk Holighaus (Hirzenhain), Monika Hartmann (Eiershausen), Manuel Stößinger (Simmersbach) und Rainer Pliska (Roth) gehören neben Bürgermeister und einem Sparkassenvertreter als Schriftführer dem Stiftungsrat an. Nächste Woche treffen wir uns das erste Mal und werden die Arbeitsweise festlegen. Ich bin gespannt, wie wir wiederum „anstiften“ können, Gutes zu tun.

Offen sein für unseren Markt – nicht nur im Frühjahr und Herbst (22.02.2019)

„Märkte sind wir Fallschirme: Sie funktionieren nur, wenn sie offen sind“, soll Helmut Schmidt mal gesagt haben. Noch weit vor dem Altkanzler „geboren“ ist das Eibelshäuser „Made“. Der Jahrmarkt ist seit 1781 Tradition und Triebfeder, im Frühjahr und im Herbst. Der Termin am zweiten Sonntag im Mai und zweiten Sonntag im Oktober ist traditionell und lässt sich gut mit „Verkaufsoffenem Sonntag“ und Muttertag kombinieren, früher war der Markt indes am Montag. Der Jahrmarkt war vor allem Vieh- und Krammarkt.

Heute müssen wir uns mit ganz anderem Kram abgeben: Immer mehr Menschen kaufen übers Internet ein… und irgendwann zieht auch die Tradition nicht mehr, dass man auf dem Markt in Eibelshausen viele Menschen trifft. Und wenn die Leute nicht mehr kommen, kommen auch die Händler und Schausteller nicht mehr. Und wenn die nicht mehr kommen, können wir dicht machen.

Wollen wir es soweit kommen lassen, dass unser „Made“ dicht machen kann? Oder haben wir noch Ideen? Die brauchen wir schon in diesem Jahr, wenn bis zu den Sommerferien die Brücke am Kreisel saniert wird und dafür drei Monate lang gesperrt ist. Das wird knifflig, den Frühjahrsmarkt „offen“ zu lassen, wenn die Brücke zu ist. Und dabei ist dieser Rundlauf im Alten Dorf etwas, worum uns viele beneiden. Wir werden uns also etwas einfallen lassen müssen. Deshalb hat der Gemeindevorstand eine AG Markt einberufen, in der wir gerne Vorschläge sammeln und gute Ratschläge aufgreifen wollen. Wir treffen uns das nächste Mal am 27.02.2019, um 19 Uhr, im Rathaus. Wer Interesse hat einfach beim Marktmeister oder auch bei mir melden. Gerne auch per E-Mail an buergermeister@eschenburg.de – da sind wir ganz offen.

Lieber „Anruf genügt“ als Nepp in Web und App (15.02.2019)

Fortschritt ist nicht gleich Fortschritt. Was nützt es der Menschheit, wenn alles angeblich im Web und in der App steht, das aber vielen nicht hilft – und auf anderen Wegen doch leichter ginge.

Da ruft eine ältere Frau im Rathaus an, weil sie sich keinen Rat mehr weiß. Sie will eine kleinere Mülltonne haben und hat dafür auch beim zuständigen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Lahn-Dill in Wetzlar angerufen. Dort bekam Sie zu hören, dass Sie einen Antrag auf Behälterwechsel unter www.awld.de herunterladen und danach ausgefüllt per E-Mail zuschicken kann. Mit der Objektnummer von der Tonne und seinem Passwort aus der Rechnung kann man sich auch unter „Mein AWLD“ einloggen und dort sein Leerungsprotokoll einsehen und alle Änderungen am Behälterbestand digital vornehmen.

Die Frau wollte nur eine andere Tonne vor ihre Haustür, hatte aber keinen Zugang zum Word Wide Web. In Wetzlar verwies man sie am Telefon daraufhin ans Rathaus. Das ist grundsätzlich ein kluger Gedanke. Wir helfen gerne, drucken das Formular aus und bringen das Blatt Papier sogar vorbei, um die die Frau nicht bei Eis und Schnee durchs Dorf zu jagen. Darüber ärgere ich mich. Denn es wäre ein leichtes für die Abfallwirtschaft gewesen, der Anruferin ein Formular per Post zuzuschicken. Die AWLD bekommt ja auch die Gebühren, jetzt sogar noch für eine große Mülltonne. Da muss das doch auch drin sein, dass es wie in der Siebziger Jahre Serie mit Detektiv Rockford heißt: „Anruf genügt!“ Dagegen ist Web und App Nepp.

Die Blütezeit des Gartenbaus ist nie vorbei (08.02.2019)

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Reformator Martin Luther gesagt haben. Auch wenn der Ausspruch nicht belegt ist und auch Legende sein kann, sollten wir ihn beherzigen: Am morgigen Samstag geht es in Eiershausen um die Zukunft der Obst- und Gartenbau-Vereine, wenn der Kreisverband sich in seiner Jahreshauptversammlung ums eigene Gedeihen kümmern muss. Die einst blühenden Vereine in Dillenburg, Herborn, Haiger, Niederscheld  und auch Eibelshausen haben sich aufgelöst. Nachwuchsmangel sorgt auch die anderen Vereine. Auch im Kreisvorstand wächst nichts nach.

Ist die Blütezeit des Gartenbaus vorbei? So ziemlich alle Vereine plagen Nachwuchssorgen. Doch bei keinem ist dieser Trend so widersprüchlich wie bei der traurigen Dürre für Obst- und Gartenbauvereine:

  • Während auf dem Land die Vereine verdorren, sprießt in Städten das „Urban Gardening“.
  • Während hier alte Obstsorten nicht mehr gepflegt werden, werden Baumpaten für Berlin und Brandenburg gesucht.
  • Während viele Verpackungsmüll vermeiden möchten, kaufen einige im Stadt-Supermarkt geschälte (!) Äpfel in Folienverpackung.
  • Während das Können und Kennen der Obstbauer auf weniger Interesse stößt, wuchern die Zeitschriften, die Lust aufs Land machen.
  • Während Bienenwiesen aus dem Boden gestampft werden, vergreisen die Streuobstwiesen.

In Eibelshausen haben wir das Glück, dass die Holderbergschule das Erbe des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins übernommen hat: Als Naturparkschule betreibt sie den Lehrgarten weiter, den der Verein von der Gemeinde gepachtet hatte. Und dort lernen Schüler dann auch, wie man Bäume pflegen kann und jährlich schneiden muss, wenn man später saftige Äpfel ernten will.

In der Geschichte des Obstbaus spielen oft Pfarrer und Lehrer die Rolle, dass sie durchs Pfropfen Bäume veredelt und durchs Schneiden verjüngt haben. Da ist es doch gut, wenn das Werk wie an der Naturparkschule in Eibelshausen weiter gehen kann. Noch besser wäre, wenn eine breite Öffentlichkeit solche Lehrsätze wie „FLACH trägt, STEIL wächst“ für den Obstbaumschnitt lernen können. Gewiss gibt es dafür auch schon Internet-Tutorials, aber das lernen sie bei jedem Obstbaumschnitt-Kurs, den solche Vereine nah und günstig anbieten.

Eine persische Weisheit sagt: „Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.“

Winterdienst fängt vor der eigenen Haustür an (01.02.2019)

Wir können nicht überall sein, schon gar nicht gleichzeitig. Im Falle eines Schneefalles ist aber die Straße zum eigenen Haus die wichtigste und manchmal noch wichtiger als der Schnee vorm eigenen Grundstück, das man auf einer Streifenbreite von 1,50 Meter entlang der eigenen Grundstücksgrenze von Schnee und Eis zu befreien hat, selbst wenn man keinerlei Gehweg in der Straße hat. So steht es in der Straßenreinigungssatzung, die in ihrem Teil III das Thema „Winterdienst“ traktiert.

Wenn es nur auf einer Seite der Straße einen Gehweg gibt, wechseln sind die Anlieger der Straße beim Räumen ab. In Jahren mit ungerader Zahl sind übrigens die Nachbarn auf der Seite dran, die dem Trottoir gegenüberliegt.

Das wird manchmal vergessen, kann ich mir vorstellen. Wo kein Kläger, da kein Richter. Solche Regelungen stehen ja auch nur in der Satzung, damit sie – im Falle eines Falles – geregelt sind. „Die Gemeinde“ wird es nicht übernehmen können, hat doch der Räum- und Streudienst der Gemeinde Eschenburg bei 100 Kilometern Gemeindestraße genug zu tun. Und dass wir an Grenzen sind, haben wir in letzter Zeit gemerkt, als zwei Streuautomaten auf den Räumfahrzeugen mit Ausfällen das Geschäft erschwert haben. Da ist an manchen Stellen schlecht geräumt worden, haben wir auch leider erst hinterher feststellen und erst bei der nächsten Runde beheben können. Ersatz ist bestellt.

Nein, die Kollegen vom Bauhof warten auch nicht hinter der nächsten Hausecke, bis Sie ihre Hofeinfahrt geräumt haben – nach Satzung übrigens mindestens 1,25 Meter breit – und fahren dann mit dem Schneepflug wieder alles absichtlich zu. Und nein, das Räumschild lässt sich auch nicht alle fünf Meter in eine Richtung lenken. Bedenken Sie immer die Frage, dass das weiße Zeug irgendwo hin muss.

Wo es definitiv nicht wieder hingehört, ist die Straße: Wer Schnee und Eis vom Bürgerstieg wieder auf die Straße wirft wie auf unserem heutigen Foto, gefährdet andere und handelt grob fahrlässig. So etwas möchte ich nicht mehr sehen. Das ist nach unserer Satzung nach eine Ordnungswidrigkeit und wird – im Falle eines Falles – teuer. Und für die Kollegen, die die Straße so gut es geht von Schnee und Eis frei halten. Deshalb sollte sich jeder erst einmal selbst an die (eiskalte) Nase fassen. Bei allen klimatischen und geografischen Unterschieden fängt der Winterdienst vor der eigenen Haustür an – zuweilen nach meiner eigenen Einschätzung, aber immer in meiner Verantwortung.

Vom Osterhasen nicht aus der Ruhe bringen lassen (25.01.2019)

Nein, wir haben die Weihnachtsbeleuchtung nicht vergessen. Und nein, am Dreikönigstag haben Sterne, Lichterketten und Pyramiden noch nicht ausgedient. Da bin ich erzkonservativ. Erzgebirgskonservativ sogar: In einigen Teilen Deutschlands wird der Weihnachtsschmuck stehen gelassen bis zu „Mariä Lichtmess“. Dieser 40. Tag nach Weihnachten war bis 1912 in Bayern sogar Feiertag. An diesem zweiten Februar wird in Sachsen und in einigen Regionen des Erzgebirges das Ende der Weihnachtszeit mit einer Lichtmessvesper begangen, die Weihnachtsbeleuchtung ausgelöscht und ein Festessen ausgerichtet. Von Wegen „Dunkeldeutschland“.

Nicht nur die Feigheit vor der Deko hat mich diese Tradition annehmen lassen, so dass bei uns die Festbeleuchtung noch ein paar Tage brennen darf. Ich lasse mich auch nicht von denen aus der Ruhe bringen, die jetzt schon die Osterhasen ins Rennen schicken wollen. Alles hat seine Zeit. Und deshalb begann am 2. Februar auch das Bauernjahr. „Ist’s an Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit“, lautet eine Bauernregel.

Beim Winter gilt für mich übrigens eine 50-Tages-Frist, die aber aus dem Hirzenhainer Hochland stammt: Die Winterreifen machen wir erst zu Pfingsten ab, was bekanntlich 50 Tage nach Ostern ist. Beim Wetter indes finde ich, auch wenn dabei meine aktuelle Ansicht der drohenden Käferplage geschuldet ist, dass wir es eben nicht frühlingshaft warm oder winterlich weiß haben sollten. So ein richtig fieses „Suddelwetter“ gefällt eigentlich nur dem Grundwasserspiegel, der nach dem Rekord-Sommer noch Durst hat, ist aber auch Stress für den Borkenkäfer. Und der Baumbewohner soll es eben nicht unnötig gemütlich haben – weder vor, noch nach Mariä Lichtmess.

Beschissener Beginn (18.01.2019)

Ich dachte bislang, wir hätten in Eschenburg keine „Flaniermeile“, wo sich das Problem mit dem Hundekot besser bannen ließe. Wir haben aber eine Schlossbergstraße. In unserem kleinsten Ortsteil wurde im 14. Jahrhundert eine Burg gebaut, mit dem die Landgrafen von Hessen in der Dernbacher Fehde gegen die Nassauer Grafen ein Bollwerk bilden wollten. Auf dem Heiligenberg bei Roth wurde eine Befestigung gebaut, die wahrscheinlich über einen Halsgraben und eine Schildmauer nicht hinausgekommen sein mag, aber sie zählt zu den „Burgen, Schlösser und Adelssitze im hessischen Hinterland“, wie das Buch von Jens Friedhoff zeigt. Seine Zusammenstellung belegt: Das hessische Hinterland – also auch das Gemäuer aufm Roth – war im Mittelalter ein an Burgen reicher Landstrich. Die Begriffe Burg und Schloss sind übrigens gleichbedeutend für diese Epoche, deshalb ist auch die Erinnerung im Namen Schlossbergstraße richtig.

Nicht richtig ist, wenn heute Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern beim „Gassi-Gehen“ nicht über die Schlossbergstraße hinauskommen und nun „Tretminen“ den Grünstreifen übersäen. Der Streifen ist in diesen Tagen wirklich vergleichsweise grün – aber er droht im Braun zu versinken. Im Dunkel der Morgen- und Abendstunden mag das vielleicht niemand sehen, wenn der Köter schon vor dem Erreichen von Wald und Feld kacken muss. Auch mag es gar nicht auffallen, dass man zwar eine Tüte mitgebracht hat, aber im Dunkeln wenig Lust zum Aufheben des Haufens aufbringt.

Nun ist das aber nicht in der Hundesteuer enthalten, dass Bürger und Besucher solchen Mist bauen und andere saubermachen sollen. Und es wäre auch nicht damit getan, wenn die Gemeinde für (s)teuer Geld Hundekot-Beutelspender aufhängt und danach ständig Beutel nachfüllt und Mülleimer leert, bis alles wieder picobello ist. Das fangen wir uns nicht an, weil wir sonst kein Ende kriegen.

Es ist und bleibt die Pflicht jedes Frauchens und Herrchens, das „Geschäft“ des Vierbeiners zu übernehmen. Ganz einfach einen eigenen Plastikbeutel an die Leine geknotet, mit dem notdürftigenfalls der Haufen aufgenommen wird und zuhause im Mülleimer landet. Auch wenn es sogar biologisch abbaubare Beutel geben soll, ist es biologisch überhaupt nicht wertvoll, solche Beutel hinterher in der Landschaft liegen zu lassen: Das sieht nicht gut aus, findet am Ende noch Nachahmer und ist – zu jeder Jahreszeit – ein Hygiene-Problem.

Auch wenn mir als Ortspolizei da keine Handhabe bleibt als der allgemeine Aufruf, sage ich es im „Goure“: Das Jahr hat „beschissen“ begonnen und muss besser werden. Es will doch niemand wieder eine Fehde führen, auch in der Schlossbergstraße nicht.

Handwerk schafft mit Herz und Hirn (11.01.2019)

Heiligabend im Heizungskeller. Da ist es gut, wenn der Nachbar Handwerker ist und einen davor bewahrt, über die Feiertage im Kalten zu sitzen. „Baustelle Heizungskeller“ hätten wir unsere Initiative auch nennen können, die zwischen dem Klimaschutz-Manager des Kreises, Landrat und weiteren Experten bei der Eschenburger Energiemesse 2017 „erfunden“ wurde: Wir müssen das Thema „Ausbildung“ in den Mittelpunkt rücken, denn sonst bleiben bald viele Häuser kalt. Das LDK-Klimaschutz-Konzept hat es zusammen mit den Schornsteinfegern erhoben: Von den rund 70.000 Heizungen im Lahn-Dill-Kreis sind 20.000 älter als 20 Jahre, etwa 10.000 sogar älter als 30 Jahre.

Es wird viel zu tun geben, doch wer packt an? Die Heizungsbauer klagen jetzt schon über Nachwuchs-Sorgen und können nicht jede Lehrstelle besetzen. An den Schulen hat sich zum Glück schon einiges getan, dass das Handwerk und eine „Karriere mit Lehre“ wieder mehr in den Blickpunkt geraten. Genau das wollen wir bei der 9. Energiemesse fördern. Hierfür wollen wir gemeinsam einen Wettbewerb ausloben mit dem Titel „Zukunftswerkstatt Energie“. Es soll darum gehen, dass besonders die Schüler der achten und neunten Klassen, die sich bei Praktika über Berufe informieren, die Chancen erkennen. Hier ist noch viel zu tun, hier kann mit guter Arbeit gutes Geld verdient werden. Und das geht sogar, ohne sich weit von der Heimat entfernen zu müssen. Und wenn einer Lehre später noch ein Studium folgt, muss man es ganz klar sehen: Wer kann schon im „Ferienjob“ einen Facharbeiterlohn bekommen?

Ein Bild von der Zukunft machen: Video-Wettbewerb bis 1. Oktober

Wegen Corona bis zum 1. Oktober 2020 verlängert haben wir unseren Video-Wettbewerb  unter dem Titel „Zukunftswerkstatt Energie“. Bis dahin können sich Jugendliche mit einem kurzen Film bewerben, in dem es ums Thema Energie geht. „Einfach beim Schulpraktikum einen passenden Beruf vorstellen oder auch der knifflige Frage nachgehen, wieviel Strom ein Handy braucht – wir suchen kreative Köpfe“, erläutert Bürgermeister Götz Konrad. Der Rathaus-Chef macht mit einem Gutschein für eine Ballonfahrt auch gleich den Anfang für die Preise, mit denen die besten Beiträge bedacht werden. Aussteller der kleinen Messe der großen Möglichkeiten“ sponsern den Wettbewerb. Mehr unter www.endlich-energie.de/zukunftswerkstatt

Digitalisierung lebt von Verbindung

Digitalisierung geht besser den direkten Weg: Umrahmt, nicht geframed von Alex Klank (l.) und seiner Frau Martina (r.) ist man bei Kommunikationswegen für Kommunen genau richtig.

Das ist jetzt nicht nur technisch zu sehen, sondern auch menschlich. Wenn der vermeintliche Fortschritt uns nicht voran bringt, ist er keiner. Wir haben in der Gemeinde Eschenburg nun eine App (finden Sie im PlayStore wie im AppStore), was das wegweisende Werkzeug darstellt: Interaktion zur Information, die wir über die Internetseite eschenburg.de bereitstellen. Den sprichwörtlichen „kurzen Dienstweg“ wollen wir in Eschenburg weiterhin gehen. Das ist auch technisch machbar. Wir haben im nächsten Schritt einen Weg gefunden, das DGH online zu reservieren. Das ersetzt die Buchung nicht, und auch weiterhin arbeiten hier Menschen miteinander – aber es hilft, wenn man dieses Werkzeug in die Hand nimmt, um sich zu orientieren.

Die digitale Welt braucht regionale Portale, haben wir beim Gestalten der neuen Werkzeuge gemerkt. Aus der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und der Werbeagentur Klank Media ist die Idee gekommen für www.regional-portal.com als Plattform fürs Leben und Arbeiten an Lahn und Dill. Das Branchenverzeichnis ist eine Basis, mit der jede Kommune die nahen Einträge zeigen und dann im Web und in der App integrieren kann. Die Auffindbarkeit, die Möglichkeit zum Mitmachen und der nahe Zugang ist das Neue. Weil „offen“ programmiert, kann das Regional-Portal erweitert und übertragen werden. Wir brauchen eine solche digitale Nachbarschaft, in der man sich gegenseitig hilft – eine Find-Gemeinschaft statt vieler Such-Maschinen.

„Bonus für Bäder“ statt Millionen für Prestige-Projekte

Schwimmbäder nach Supersommer wieder im Sanierungsstau

Klartext: Im Freizeitbad „Panoramablick“ haben wir viel investiert. Damit mehr Bäder aber mehr tun können, muss es Erleichterungen im Betrieb geben, habe wir vorgeschlagen. Ein „Bonus für Bäder“ muss dabei och nicht einmal Geld kosten.

Für den Betrieb von Schwimmbädern fordern Gemeinden, Städte, Kreis und Sportler im Lahn-Dill-Kreis gezielte Unterstützung vom Land. „,Bonus für Bäder‘ statt Millionen für Prestige-Projekte“ steht über einem Offenen Briefes, der nicht nur von den neun Standort-Kommunen unterzeichnet worden ist; sondern der Aufruf wird auch von allen anderen Städten und Gemeinden, vom Landrat und vom neuen Sportkreis-Vorsitzenden unterstützt. Es geht nicht um Zuschüsse für Investitionen, sondern Entlastung beim laufenden Betrieb. „Und das kann ohne Mehrkosten über die Einwohnergewichtung im Kommunalen Finanzausgleich laufen“, sagt Götz Konrad, Bürgermeister der Gemeinde Eschenburg und Initiator des gemeinsamen Briefes.

Nach einem Super-Sommer, der vielen den Wert eines Schwimmbades wieder in den Blick gerückt hat, kommt wieder der Sanierungsstau in den Focus. Immer weniger Kinder lernen schwimmen, immer mehr Bäder müssen schließen, ähneln sich die Schlagzeilen in der ganzen Republik. Mit Förderprogrammen ist es nicht getan, zeigen die Gemeinden und Städte aus dem Lahn-Dill-Kreis auf: Knackpunkt ist für die kommunalen Schwimmbäder die Abschreibung, die erwirtschaftet werden muss. Mit den Lasten der Kreditfinanzierung aus der Vergangenheit obendrauf, erhöht sich der Druck, der dann mit jeder Haushalts-Debatte in den Gemeinde-Gremien immer wieder aufs Neue die Frage stellt, ob man sich ein Schwimmbad überhaupt leisten könne. „Diese ruinöse Diskussion hat in der Vergangenheit viele davon abgehalten, wichtige Sanierungsschritte zu gehen. Damit sie sich überhaupt an ein Förderprogramm wagen, muss die Angst vor den Folgekosten genommen werden“, erläutert Götz Konrad den Ansatz für den „Bonus für Bäder“.

Konrad selbst hatte vor der Reform des Kommunalen Finanzausgleichs (KFA) schon einmal vorgeschlagen, bei der so genannten Einwohnergewichtung den Kommunen mit Hallenbad mehr Gewicht zu geben. Dass dies nach Ansicht der Landesregierung nicht gehen soll, will der Schwimmbad-Zweckverbandsvorsteher so nicht stehen lassen: „Die 31 Kurorte bekommen aus dem KFA den ,Bäderpfennig‘, zusammen 13 Millionen Euro jährlich“, weiß Konrad. Und diese Hilfe hätten die Lahn-Dill-Kommunen auch gerne für Schwimmbäder, die das Rückgrat für Schulschwimmen und Vereinssport bilden.

Landrat Wolfgang Schuster unterstützt den „Bonus für Bäder“, weil sein Kreis schon beim Schulschwimmen die Kostenerstattung für die neun verbliebenen Schwimmbäder mit 4 € pro Teilnehmer harmonisiert hat. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Kostenerstattung solidarisch geregelt. Jetzt ist das Land dran“, sagt der Landrat.

Es waren vor nicht langer Zeit noch elf Hallenbäder im LDK-Land: In Schusters Heimatgemeinde Driedorf hat zwischenzeitlich das Hallenbad im Ortsteil Mademühlen schließen müssen; selbst die Hessentagsstadt Herborn riss ihr einst so stolzes Wellenbad ab. Seit dem Jahr 2000 hat in Deutschland jedes zehnte Schwimmbad geschlossen, wird vermutet. Genaue Zahlen hierfür kennt niemand, eher für das jährliche Defizit fürs Schwimmbad vor Ort.

Hessische Schwimmbad-Kommunen sind dankbar für Investitions-Hilfen wie das aktuelle Schwimmbad-Investitionsprogramm (SWIM) oder sein Vorläufer, das Hallenbad-Investitionsprogramm (HAI). Auch wenn für viele Landgemeinden zu kompliziert und ihr Vorhaben wohl nicht teuer genug, herrscht auch Dankbarkeit für das Förderprogramm des Bundes zur Sanierung von Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen.

„Für den Betrieb der Bäder braucht es Solidarität“, sagt Markus Deusing. Der Bürgermeister von Mittenaar war der erste, der den Offenen Brief unterstützte, obwohl seine Gemeinde überhaupt kein Schwimmbad hat. „Wir brauchen keine Millionen für Prestige-Projekte, sondern Kleingeld fürs Schwimmbad nebenan. Für das Schwimmbad, das Familien, Vereine und nicht zuletzt Schulen nutzen“, so Deusing weiter.

Nach dem Super-Sommer stehen nun nicht wenige Schwimmbäder wieder im Sanierungsstau, befürchtet „Bonus“-Initiator Götz Konrad. „Damit auch Schwimmbäder, die womöglich gerade jetzt vor schweren Schritten stehen, ohne Angst eine Ja zur Zukunft finden und nicht immer wieder diese ruinösen Diskussionen führen müssen, brauchen wir einen ,Bonus für Bäder‘, der uns einen Betrieb ermöglicht“, fordern Konrad und seine Kollegen vom Land.

Hintergrund: Der Offene Brief „,Bonus für Bäder‘ statt Millionen für Prestige-Projekte“ ist nach einer Bürgermeister-Kreisversammlung in Hohenahr von allen 23 Rathaus-Chefs im Lahn-Dill-Kreis, von Landrat Wolfgang Schuster und dem neuen Sportkreis-Vorsitzenden Ralf Koch unterzeichnet und unterstützt worden. Die Anfänge dieser Idee, Schwimmbad-Kommunen über den Kommunalen Finanzausgleich zu entlasten, ist unter www.freizeitbad-panoramablick.de/bonus im Internet erläutert. Hier ist der Offene Brief auch im Wortlaut zu finden.

 

 

Die Eschenburg-Erfahrung

Was Bertelsmann nicht wissen kann

Hätten wir in Eschenburg nicht 2007 begonnen, die Finanzierung in unsere Trinkwasserversorgung komplett und konsequent auf Beiträge umzustellen, läge die Wassergebühr heute und auf lange Sicht bei netto 2,40 € pro Kubikmeter und mehr. Kostendeckend sind für 2019 und 2020 netto 1,85 € errechnet worden und wird so nun zu beschließen sein. Das Prinzip Beiträge bietet mehr als getäuschte Hoffnung und Zinsen.

1,85 € netto beim Trinkwasser und 2,47 € Schmutzgebühr beim Kanalgeld decken derzeit die laufenden Kosten. Und bis Ende 2020 werden wir rund elf Millionen Euro in 14 Jahren in die eigene Infrastruktur der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung investiert haben. Dazu kamen noch 1,2 Millionen Euro in sechs Jahren für unseren Anteil am Abwasserverband „Obere Dietzhölze“, die wir ebenfalls für Zukunfts-Projekte über Ergänzungs-Beiträge beschafft haben. Sie stören sich an dem Wort Beiträge? Dann nehmen Sie doch die Beschreibung „Finanzierung in Echtzeit“.

Es lohnt sich. Seitdem Kostendeckung das politische Prinzip bei der Gebühr- und Beitragsfinanzierung die Basis unserer Bauprogramme und Haushaltswirtschaft ist, haben wir die Handlungsfähigkeit zurückerlangt.

Wasser ist was wert

Wir hatten eigentlich nur den Wirtschaftsprüfer gewechselt und dem Neuen war aufgefallen, dass die alten Beiträge – das waren die so genannten „Schaffens­beiträge“, die von den Häuslebauern berappt werden mussten, während die Baulücken-Barone nichts zahlen mussten – auf einen Schlag in den Ertrag gebucht worden waren. Diese Beiträge sind aber über 20 Jahre „ertragswirksam aufzulösen“. Besseres Bild: Ich kann der jährlichen Abschreibung während der 20 Jahre immer was auf der Ertragsseite als Gegengewicht in die Waagschale werfen.

Was tun? Erst mal schauen, was wir so „vor der Brust haben“. 4,75 Millionen Euro sind bei der Wasserversorgung zu investieren, um von 2007 bis 2020 den erkennbaren Sanierungsstau aufzuholen. Jetzt begann die Rechnerei: Wie können wir das Bauprogramm „auf Pump“ finanzieren und den Bürger über Gebühr belasten? Kredite aufnehmen, 240.000 € jedes Jahr, 3 Prozent Tilgung, die Gebühr stieg bis auf 2,47 € in 2021 und bliebt dort lange, lange Zeit. Da Gebühren in dieser Zeit noch ein Politikum waren, suchten wir sichere Alternativen. Gerade beim Trinkwasser brauchen wir Versorgungssicherheit. „Da können wir die Investitionen nicht der Tagesform der Gremien überlassen“, dachten wir uns. Bei leitungsgebundenen Einrichtungen ist alles eine Anlage. Vom Tiefbrunnen bis zum Hochbehälter beim Wasser, vom Sammler bis zum Nachklärbecken beim Abwasser. Und die im Bauprogramm dafür ermittelten Kosten lassen sich mit einer so genannten „Globalkalkulation“ umlegen auf alle bebauten Grundstücke, alle bebaubaren Grundstücke und auch alle bis 2020 theoretisch noch bebaubaren Grundstücke, rechnet man den Siedlungsfortschritt.

Heraus kam beim Wasser ein Ergänzungsbeitrag von 0,68 € pro Quadratmeter Veranlagungsfläche, um das gesamte Bauprogramm 2007 – 2020 abzuarbeiten. „Wir können die Leute doch nicht belasten“, hieß es in der Politik. Heraus kam als Kompromiss, 35 Cent zu nehmen. Damit schafften wir nur die Jahre bis 2014. Der Rest wurde danach noch einmal aktualisiert und dann – ohne Wortbeitrag oder Gegenstimme in der Beratung und ohne Widerspruch aus der Bevölkerung ins Werk umgesetzt wie ausgerechnet.

Seitdem die Ergänzungsbeiträge – von den Grundstückseigentümern in jährlichen Abschlägen gezahlt – eine Finanzierung der Infrastruktur in Echtzeit geschafft haben, unterliegen auch die Gebühren nicht mehr der politischen Preisbildung. Es wird das genommen, was es kostet.

Und es wird auch nicht mehr versucht, durch Streichen und Schieben solcher Investitionen zu sparen. Wasser und Abwasser sind über die Ergänzungsbeiträge finanziert und über den Wirtschaftsplan der Gemeindewerke schleunigst genehmigt. Wir können also sehr früh im Jahr ausschreiben und günstige Angebote erhalten.

Die Straßen stehen im Haushalt der Gemeinde, sind aber durch die Straßenbeiträge solide finanziert und – was für günstige Ergebnisse wichtig ist – im Trio geplant. Die Bauprogramme für Wasser, Abwasser und Straße werden immer abgeglichen und im Pakt ausgeschrieben.

Beiträge schließen Baulücken

Beiträge sind unsozial, meinen Sie? Ist das sozial, wenn die Häuslebauer, meist junge Familien, den so genannten „Schaffensbeitrag“ zahlten und die Besitzer der vielen Baulücken innerorts bislang nie etwas zahlen mussten, aber ein bebaubares Grundstück besaßen. Die Vorleistungen der Gemeinde sind nicht nur „totes Kapital“, sondern eigentlich auch eine Ungerechtigkeit: Der Besitzer spekulierte darauf, dass Kinder oder Enkel den Bauplatz nutzen, aber die Allgemeinheit tritt in Vorleistung, um Wasser, Kanal und Straße zu bauen.

Beiträge steigern die Landflucht, meinen nicht wenige. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn es nach Bertelsmann und seiner Bevölkerungs-Vorausberechnung auf Grundlage des Zensus-Jahres 2011 ginge, dann würde die Gemeinde Eschenburg bis 2030 rund 16 Prozent ihrer Bevölkerung verlieren. Tatsächlich ist die Zahl der Eschenburger seit 2012 stabil, zuweilen steigend, und das lässt sich nicht nur mit Asyl erklären.

In Eschenburg haben wir die Baulücken seit etwa dem Jahr 2000 im Blick, als der Bau-Boom nachließ. Die echten Baulücken, also der Bauplatz, nicht das Gartengrundstück neben dem Häuschen, verringerten sich von damals 341 auf 302 in 2010, nur noch 269 in 2014, bis dann in vier Jahren bis 2018 auf nur noch 235. Binnen vier Jahren 34 Baulücken geschlossen, das sind zwölf Prozent.

Es gibt auch Leerstände. Nur die verringern sich im fast gleichen Tempo: Von 61 in 2014 auf 53 in den gleichen vier Jahren später. Das ist ein guter Rückgang um 13 Prozent. Und zwischen 40 bis 50 Wohnhäuser wechseln derzeit jährlich den Besitzer.

Für die Stellungnahme zum Regionalplan wurden wir gefragt: Gibt es ein Leerstandskataster? Ja, aber viel wichtiger wäre die Frage gewesen: Erheben Sie Beiträge? Alles andere regelt sich.

1,50 Meter Synergie

Von den 50 Straßen, die im gleichen Zeitraum der Bauprogramme grundhaft erneuert oder sogar verspätet erstmalig hergestellt worden sind, redet in Eschenburg kaum jemand. Angeboten wird es aber: Für jede Straße machen wir eine Anliegerversammlung. Dann erklären wir das ganze System noch einmal: Wasserleitung und Kanal ist ein Projekt der Gemeindewerke, die Anlieger haben schon über die Ergänzungsbeiträge gezahlt.

Die Straße ist ein Projekt der Gemeinde und wird zusammen mit Wasser und Abwasser von den eigenen Leuten geplant, zusammen ausgeschrieben und beim Bau überwacht. Günstiger geht es nicht. Den verbleibenden Straßenbeitrag, der in Eschenburg ein Jahr nach dem Bau angefordert wird, halten wir so gering wie möglich und so hoch wie nötig. So werden die Straßenbauarbeiten, die dem Leitungs- und Kanalbau zuzurechnen sind, auch darüber mitbezahlt. Synergie hat also ein Maß: 1,50 Meter – das ist die Deckschicht überm Kanal.

Über die Art der Ausführung gibt es kaum Wortmeldungen. Die Beispiele im Bild schaffen Vertrauen. Und bei der Frage Verbundpflaster oder Carara-Marmor für den Bürgersteig nehmen die meisten Verbundpflaster… Manche meinen, bei einer erstmaligen Herstellung könne man sich jedweden Bürgersteig sparen, weil es doch auch ohne gegangen sei. Nein, wenn der Platz es hergibt, hat jede Straße zwei Gehwege, in begründeten Ausnahmen einen, aber nie keinen. Das lässt sich mit dem Blick in die Kosten auch darlegen, dass Pflaster nicht teurer ist als Asphaltdecke.

Hundehütte oder Hochhaus

Die Zahl hat anfangs für Verwirrung gesorgt, obwohl sie leichter zu erklären ist als die alten Parameter Geschossfläche oder Frontlänge: Nach dem neuen Vollgeschossmaßstab wird die Grundstücksfläche multipliziert mit dem Nutzungsfaktor. Für ein zweigeschossiges Haus ist das 1,25, für drei Geschosse 1,5. Für die erste Reihe im Kleingarten ist es auch mal 0,1, haben wir bei unseren vielen Eschenburger Einzelfällen lernen dürfen. Bei Gartenfeldern mit ihren kaum zehn Quadratmetern großen Parzellen war es nicht leicht nachzuvollziehen, dass die erste Reihe mitgezahlt wird – aber die Eigentümer haben den Vorteil, dass sie ihre Gartengeräte an der Straße aus dem Auto laden können und mit einem Schritt auf ihrem Grundstückchen sind, alle anderen müssen weiter tragen. Dieser Vorteilsmaßstab, der für Beitragsberechnungen immer wieder auftaucht, lässt sich auf alle Nutzungsfaktoren übertragen. Dieser Nutzungsfaktor zeigt nämlich, was ich mit meinem Grundstück anfangen kann. Kann ich dort ein Hochhaus hinstellen oder nur eine Hundehütte? Das spiegelt sich dann ja auch im Grundstückswert wider.

Leerstand lohnt sich nicht

Eigentum verpflichtet, steht im Grundgesetz (Artikel 14). Und deshalb erlebe ich den Nutzungsfaktor als einen prima Parameter, auch wenn die Nutzung von der Nutzbarkeit abweicht. Wenn nun ein Haus oder gar ein Firmengelände leer steht, zahlt der Eigentümer weiter, bis er einen Nachfolger präsentieren kann. Das ist manchmal hart, aber immer gerecht. Auf jeden Fall ist das die Botschaft für sinnvolle Siedlungsentwicklung und ein intelligenter Impuls zur Innenentwicklung: Leerstand lohnt sich nicht.

Die Beitragspflicht kann, wenn man die Sanierung konzentriert und konsequent durchzieht, auch bei Straßen als gerecht empfunden werden, sogar mit den Einmalbeiträgen. In Eschenburg waren wir schon so weit, dass sich die Frage nach den wiederkehrenden Straßenbeiträgen nicht stellte. Zudem hatten wir das Ziel der kleinen jährlichen Zahlungen ja schon bei den Ergänzungsbeiträgen erreicht und die leitungsgebundenen Einrichtungen sind im Gegensatz zu Straßen eine einzige Anlage. Bei Straße gibt es halt überall Unterschiede zwischen der Schlossallee und der Badstraße. Deshalb bleiben wir lieber bei unserer Balance aus den drei Bauprogrammen und den Beiträgen. Alles was hierbei nicht drin ist, packen wir in die nächsten Bauprogramme, die dann von 2021 bis 2026 laufen sollen, hat die Betriebskommission bereits als Ansage beschlossen.

Ertrag ist wirksam

In der Doppik (Doppelte Buchführung in Konten) der Städte und Gemeinden stellt die Abschreibung den Wertverlust dar. Anders als in der Privatwirtschaft ist diese Abschreibung bloßer Aufwand, der nicht irgendwelche Steuerlast in der Gegenrechnung mindert, sondern erwirtschaftet werden muss. Das Erwirtschaften-Müssen der Abschreibung läuft in die Liquidität; dereinst werden wir auch Rückstellungen bilden können für die Unterhaltung.

Bei der Beitragsfinanzierung vorteilhaft ist: Das Projekt muss nicht „auf Pump“ finanziert werden. Die erhaltenen Beiträge darf ich nicht nur dafür verwenden, die Unternehmer-Rechnung zu bezahlen, sondern das Geld wird über 20 Jahre gleichmäßig verteilt als Gegengewicht in die Waagschale geworfen auf der Ergebnisseite. Das hält die Abschreibung auf der Aufwandsseite im Schach.

Ertragswirksame Sonderpostenauflösung nennen das die Buchhalter. In Eschenburg macht diese Sonderpostenauflösung nach mehr als 50 Straßenbaustellen rd. 280.000 € aus, die ohne Beitragsfinanzierung auf anderen Wegen Jahr für Jahr beschafft werden müssten. Dafür müsste die Grundsteuer allein um 90 Prozentpunkte angehoben werden, um die finanziellen Folgen des fahrlässigen Versäumens auszugleichen.

Beim Wasser haben wir derzeit rd. 90.000 € aus den Beiträgen, die über 25 Jahre auf der Ertragsseite verbucht werden können. Bei den Ergänzungsbeiträgen für das Abwasser, die rechnerisch sogar über 50 Jahre den Ertrag bilden, stehen derzeit rd. 75.000 €.

Erst das Ende vom Anfang

Beiträge sind nur ungerecht, wenn man nie damit anfängt – und weiterhin alles auf nachfolgende Generationen ablädt. Gerechtigkeit geht anders. In Eschenburg erleben wir Beiträge als Generationen-gerecht, Demografie-fest und Konjunktur-stabil.

Weil wir Kommunen damit alles in der Hand haben und nicht auf Kreis, Land und Bund warten müssen, machen uns die Beträge handlungsunfähig. Diese direkte Abgabe abzuschaffen, würde die ganze Sache nur unnötig verteuern und nachfolgende Generationen belasten.

Wichtiger wäre, jetzt langfristig zu denken und zu handeln. Nachhaltig im besten und richtigen Sinne. Wenn wir die Anliegerstraße nicht sauber über Beiträge finanziert bekommen, wie wollen wir das denn schaffen, wenn wir bald die vierte Reinigungsstufe in unsere Kläranlage einbauen müssen? Das ist eine viel höhere Investition und die Abschreibung dauert deutlich länger als die nächste Landtagsperiode.

Auch habe ich meine persönlichen Zweifel daran, wie man jemandem soziale Gerechtigkeit zutrauen soll, wenn schon die Sozialbindung des Eigentums in Frage gestellt wird. Wir müssen noch viel mehr verlässlich finanzieren, da sind die Straßenbeiträge nur das Ende vom Anfang.

Eschenburg, im September 2018

Götz Konrad

 

 

Mein Beitrag zum Beitrag

„Wer Beiträge abschafft, betrügt seine Kinder“

Beiträge sind als einzige Abgaben-Art für Städte und Gemeinden und damit für ihre Bürgerinnen und Bürger der direkte und günstigste Weg jedweder Finanzierung. Wie kann das sein, wenn sie doch von vielen als unsozial, unfair und bedrohlich empfunden werden?

Direkt: Der Beitrag wird direkt vom Bürger zweckgebunden für das Projekt an die Kommune gezahlt.

Ungemindert: Der Beitrag kommt ungemindert an. Bei den vielen als Alternative betrachteten Steuern muss man wissen, dass davon wenig bei der Kommune bleibt (bei der Grundsteuer ist es etwa die Hälfte, von der Gewerbesteuer bleibt der Kommune ein Drittel, wenn’s gut läuft).

Einziges Gegengewicht zur Abschreibung: Anders als bei Unternehmen müssen die Städte und Gemeinden die Abschreibung erwirtschaften. Das heißt, dass für den Straßenbau auch in den Folgejahren der Wertverlust den Haushalt belastet. Wird der Straßenbau aber mit Straßenbeiträgen finanziert, so wird mit den Einnahmen die Rechnung bezahlt und mit der Summe nachhaltig gearbeitet: Über die so genannte  „Sonderpostenauflösung“ wird das von den Anliegern eingenommene Geld über einen langen Zeitraum auf der Ertragsseite in die Waagschale gelegt und bildet das einzige Gegengewicht zur Abschreibung.

Hätten wir in der Gemeinde Eschenburg den Straßenbau nicht über Beiträge finanziert, müssten wir darum völlig unbegründet Jahr für Jahr mehr Steuern einnehmen, um diese (eigentlich nur rechnerischen) Ertragsausfälle auszugleichen.  In Eschenburg sind das aktuell rd. 280 T€ beim Straßenbau, rd. 90 T€ bei der Wasserversorgung (über 25 Jahre) und rd. 75 T€ bei der Abwasserentsorgung (über 50 Jahre). Heißt also, wir müssten in Eschenburg insgesamt 445 T€ jährlich zusätzlich erwirtschaften, hätten wir die konsequente und für Generationen gerechte Finanzierung durch Beiträge nicht.

Hilfe gegen Steuer-Klau: Bei den kommunalen Steuern kassieren Kreis, Land und Bund ab – deswegen sind auch Zahlungen des Landes immer unter dem Steuerverdacht zu betrachten: Die sind von den Anliegern schon mal bezahlt worden, nur als Steuerzahler. Weil aber das Steuersystem mit seinem Finanzausgleich mehr Aufwand produziert als wirklich Ausgleich, werde ich im Eindruck bestärkt: Straßenbau aus Steuermitteln finanzieren zu wollen, ist so seriös wie ein Kettenbrief. Die Rangfolge im § 93 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), in welcher Rang- und Reihenfolge die Einnahmen einer Kommune zu laufen haben, war richtig und wichtig: 1. Beiträge, Beiträge, Beiträge, 2. Gebühren (am besten Kosten deckend), dann erst an der 3. Steuerschraube drehen und 4. (wenn alles nicht ausreicht) Kredit. Nun hat der Beschluss der Regierungs-Fraktionen in Hessen die Wahl gelassen, ob Beiträge oder Steuern. Dass dies keine richtige Wahl ist, kann man aus dem vorangegangenen Stichwort lesen. Wer zahlt schon gerne doppelt und dreifach…

Kein Selbstzweck: Die Straßen gehören doch nicht den Anliegern, wird oft entgegengehalten. Ja, Gemeindestraßen gehören „der Gemeinde“, also uns allen. Nur haben Gemeindestraßen anders als Kreis-, Landes- und Bundesstraßen nicht den „Selbstzweck“, andere Verkehrsteilnehmer von A nach B kommen zu lassen, sondern hier wollen die Anlieger auf ihr Grundstück. „Die Gemeinde“ braucht die Straße nicht.

Allgemeinheit bezahlt öffentliche Nutzung: Und wenn dann doch mal Besuch kommt oder das Müllauto oder einfach nur mal ein Mensch auf der Durchreise, hat das Straßenbeitragsrecht die Abstufung nach dem Grad öffentlicher Nutzung. Je nach öffentlicher Nutzung übernimmt das Gemeinwesen den öffentlichen Anteil. Die meisten Straßen sind Anliegerstraße, weil sie überwiegend dem Anliegerverehr dienen. Bei der grundhaften Erneuerung einer Anliegerstraße zahlen die Anlieger 75 %. Die restlichen 25 % werden aus dem Haushalt der Kommune übernommen.

Großer Nutzen, höherer Beitrag: Auch wenn es beim Beitragsrecht immer um die „Möglichkeit der Inanspruchnahme“ geht und nicht um die tatsächliche Nutzung, ist es meiner Ansicht nach näher an der Wirklichkeit als jedwede Steuer. Denn wenn Anlieger Ursache für mehr Quell- und Zielverkehr sind, wie etwa eine Kirche oder ein  Gewerbebetrieb, wird ein so genannter Artzuschlag hinzugerechnet. Auch bei der Ermittlung der Veranlagungsfläche wird bewertet, was ich mit einem Grundstück anfangen kann. Hundehütte oder Hochhaus ist die Frage. Deshalb wird in zeitgemäßen Beitragssatzungen die Grundstücksfläche mit einem Nutzungsfaktor multipliziert. Für das normale zweigeschossige Wohnhaus beträgt dieser Nutzungsfaktor 1,25. Ein 1.000 Quadratmeter großes Grundstück hat demnach 1.250 Quadratmeter Veranlagungsfläche. Wenn später der beitragsfähige Aufwand durch die Summe der Quadratmeter Veranlagungsfläche geteilt wird, bezahlt der Grundstückseigentümer mit den größeren Nutzungsmöglichkeiten auch den höheren Beitrag.

Eigentum verpflichtet: Das ist es ja auch, was den Wert eines Grundstückes ausmacht: Wie ist die Lage? Was ist hier baulich möglich? Deshalb gilt: Eigentum verpflichtet (Art. 14 GG). Die Straße gehört freilich der Kommune, aber nicht zum Selbstzweck, sondern zum Vorteil der Anlieger.

Bauprogramme in Balance: Jeder ärgert sich, wenn eine neugebaute Straße wieder aufgerissen wird. Nicht nur deshalb ist es ratsam, die grundhafte Erneuerung zu planen mit dem Tiefbau für Wasser und Abwasser. Wir haben in Eschenburg für fast alles Bauprogramme bis 2020. Die drei wichtigsten sind der Straßenbau, Wasser, Abwasser. Diese drei Bauprogramme sind Jahr für Jahr aufeinander abzustimmen, damit die Reihenfolge stimmt und alles gemeinsam angefangen werden kann – in Balance von der Planung bis zum Bau und später zur Abrechnung.

Synergien nutzen: Wenn man – wie wir in Eschenburg – Wasser und Abwasser über so genannte Ergänzungsbeiträge mit jährlichen Abschlägen in Echtzeit und für alle Generationen gerecht finanziert, dann hat man bei der engen Abstimmung mit dem Straßenbau sogar noch 1,50 Meter und etliche tausend Euro Synergie. Das ist nämlich die Straßenoberfläche über den Leitungen, die dem Leitungsbau zugeschrieben werden können.

Keine Belastung über Gebühr: Richtig gelesen, es gibt in Eschenburg nicht nur Straßenbeiträge, sondern Wasser und Abwasser werden über Ergänzungsbeiträge finanziert. Dabei zahlen die Grundstücksbesitzer nicht nur die Investitionen der Gemeindewerke in die gemeinsame Infrastruktur, sondern auch der Anteil an einem Abwasserverband kann damit nachhaltig und in kleinen Beiträgen aufgebracht werden. Nur dadurch lassen sich die Gebühren, die für den laufenden Betrieb und nach dem tatsächlichen Verbrauch bemessen werden, niedrig halten.

Mit den Betroffenen besprechen: Weil Wasser und Abwasser „wiederkehrend“ (mit jährlichen Summen) finanziert sind, machen wir das bei den Straßen nicht. Dafür können wir aber in der Anliegerversammlung vor dem Bau mit dem Ausschreibungsergebnis in der Hand genau sagen, was wer noch zu bezahlen hat für eine grundhaft erneuerte Straße. Und weil jeder Beitragsbescheid immer zur Unzeit kommt, kommt in Eschenburg die Abrechnung im Jahr darauf. Damit kommen die meisten sehr gut klar.

Lange Laufzeit, niedrige Zinsen: Und wenn dann doch Ratenzahlung dran ist, finde ich die lange Laufzeit und die niedrigeren Zinsen als einziges gut in der beschlossenen Gesetzesänderung. 20 Jahre entspricht ja auch der SOPO-Auflösung auf der Ertragsseite der Kommune.

Minderung bei Mehrfachbelastung: Die Eckgrundstücksregelung ist ebenso ein Entgegenkommen, denn es ist nicht nur schön, an zwei oder mehr (Gemeinde-) Straßen zu liegen und zu zahlen.

Eine Ungerechtigkeit: Beitragsrecht ist zwar manchmal schwer verständlich, aber es ist gerecht. Einziger Punkt, den man m. E. noch verbessern könnte: Bei einseitiger Bebaubarkeit ist es eigentlich nicht richtig, den Anliegern auf der einen Seite alles aufzulasten. Klar ist unverbaubarer Blick etwas Schönes, aber meist steht der Ortsrand oder die einseitige Bebaubarkeit einer Straße eher im öffentlichen Interesse (Friedhof, Spielplatz, etc.).

Leerstand vermindern und verhindern: Beiträge schließen Baulücken und verhindern Leerstand. Ob jetzt die Erben, die sich nicht einig werden, oder der Unternehmer, der seine Firma schließt, alle Eigentümer zahlen.

Pro Innenentwicklung: Beiträge helfen der Innenentwicklung, denn auf einmal werden Leerstände genutzt und Baulücken bebaut. Bislang mussten die Häuslebauer – nicht selten junge Familien – die ganze Infrastruktur finanzieren. Die Besitzer bebaubarer Grundstücke indes konnten spekulieren. Der Wert für den großen Garten neben dem Haus stieg, aber für Kanal und Wasserleitung hat die Baulücke noch nichts beigetragen.

Anfangen ist günstiger als abwarten: Horrende Summen werden es eigentlich erst, wenn man noch nie etwas bezahlt hat und dann auf einmal alles ansteht. Aber das wird ja nur besser, wenn man irgendwann mal mit den Beiträgen anfängt.

Ungerecht wird Beitragsfinanzierung nur, wenn man nie damit anfängt. Weil es auch eine Frage der Generationen-Gerechtigkeit ist, warne ich daher: Wer Beiträge abschafft, betrügt seine Kinder!

Eschenburg im Juli 2018

Götz Konrad, Bürgermeister

Praktikum 2001: Ein Tag Bürgermeister in Driedorf

Festplatz geht es wie dem Haushalt: Könnte mehr Schotter vertragen

Aus der Zeitungsgruppe Lahn-Dill vom 08.07.2001

Ein Tag Praktikum als Bürgermeister: Götz Konrad „lernt“ 2001 bei Wolfgang Schuster in Driedorf, was dieses Amt so alles mit sich bringt. Konrad, damals noch in der Ausbildung bei der Zeitungsgruppe Lahn-Dill. schreibt daraufhin diese Reportage, die am 08.07.2001 erschienen ist.(Fotos: Katrin Weber)

Von unserem Redaktionsmitglied Götz D. Konrad
Driedorf (Lahn-Dill-Kreis). Zunächst sind nur grobe Umrisse erkennbar, Linien, schraffierte Flächen. Jeder Mausklick gibt mehr Details preis. Häuser tauchen auf, Straßen, sogar Wasserleitungen und Kanalrohre treten aus dem unterirdischen Dunkel. Was ein bisschen so aussieht wie das Computer-Spiel „SimCity“, ist Wirklichkeit: Alle 4775 Hektar Fläche von Driedorf flimmern auf einem PC-Bildschirm, dank des Geografischen Informationssystems. Und das ist alles mein Arbeitsplatz – als Bürgermeister der Westerwald-Gemeinde für einen Tag.

So leicht ist Amtsinhaber Wolfgang Schuster (SPD) nicht zu ersetzen – schon gar nicht durch einen „Ferien-Jobber“ für einen Tag. Schließlich ist der Rathaus-Chef ein Wahlbeamter. Mich hat zwar keiner gewählt, aber Sekretärin Sonja Sahm grüßt freundlich. Im mit viel Holz verkleideten Büro kann man sich wohl fühlen. Das Klima stimmt und auch die Atmosphäre in der Verwaltung mit ihren 14 Mitarbeitern. Man spricht Platt. Schwer verständlich dagegen ist die Morgenlektüre. Denn neben der Lokalzeitung (Berichte über die Gemeindevertretersitzung waren fair) liegen auch schon Bundesgesetzblatt, Staatsanzeiger und der Eildienst des Hessischen Städte- und Gemeindebundes (wichtiger Artikel über die Mindestausstattung von Kindergärten) auf dem Schreibtisch parat.

Aus einem dicken Pultordner quillt die komplette Eingangspost. Von Reklame bis Rechnung wandert alles zunächst einmal beim Bürgermeister vorbei, bevor die Schreiben in die Abteilungen gehen. Keine Zeit für langes Lesen, das Tageswerk beginnt.

9 Uhr: Personalratsvorsitzende Brade kommt vorbei. Die drei Waldarbeiter sollen einen Pkw bekommen, damit sie sich nicht ihre Privatautos in den 1400 Hektar Wald der Gemeinde unnötig versauen.

9.57 Uhr: Heribert Zell, Leiter der Westerwaldschule, hat sich angesagt. Die engen Kontakte mit dem französischen Ort Morée sind gefährdet: Schulleiterin und ein Deutschlehrer in Frankreich zeigen wenig Interesse, die 1991 begonnenen Schüleraustausche fortzusetzen. Wir denken darüber nach, wie wir gegenseitige Besuche in Form eines Jugendaustauschs starten können.

11 Uhr: Gisela Stahl, eine von vier Schwestern der Gemeindepflegestation, berichtet über die aktuelle Lage. Das Quartett kümmert sich derzeit um 28 Patienten und berät 50 Familien für die Pflege von Angehörigen. Vor dem nächsten Termin bleibt noch ein bisschen Zeit für Büroarbeit. Bei Baulandumlegung ist der Chef selbst Sachbearbeiter.

12 Uhr: Mit Otto Rauhofer, Bereichsleiter für Bauen, Liegenschaften und die Umwelt, geht es auf Tour. An mehr als einem Dutzend Stellen in Driedorf wird derzeit im Auftrag der Gemeinde gebaut – und bei einem Millionen-Projekt gibt es Probleme. Zusammen mit Ingenieur Rauhofer heißt es deshalb nun, nach dem Rechten zu schauen. Die Gemeinde als Bauherr muss schließlich die Groschen beisammen halten. Und ich habe dabei gelernt, was ein Klimaleichtbaublock ist.

12.43 Uhr: Wenn wir gerade schon mal am Heisterberger Weiher sind, wo zu Spitzenzeiten rund 2000 Gäste den Campingplatz der 5269-Seelen-Gemeinde bevölkern, machen wir Mittag in der Sommersonne. Schnell eine Pizza und wieder zurück ins Rathaus. Auf der Rückfahrt wird ein Problem der Gemeinde augenfällig: „Vill Gejend, wink Leu“ (viel Gegend, wenig Leute) meint Wolfgang Schuster angesichts der insgesamt neun Ortsteile, die mehr als verwaltet werden wollen.

Auf dem Schreibtisch wartet schon eine dicke Unterschriften-Mappe. Wieder muss Wolfgang Schuster einspringen, ich kann schließlich nicht die Kundschaft mit einer neuen Signatur überraschen.

13.27 Uhr: Etwas verwirrt schauen auch die „Kollegen“ in Eibelshausen. Dort im Rathaus haben sich Eschenburgs Bürgermeister Walter Jank und Vertreter weiterer Städte und Gemeinden aus dem ehemaligen Dillkreis versammelt. Es geht um die Zukunft der Arbeitsgemeinschaft Fremdenverkehr, die ihre eigentlichen Aufgaben verloren hat. Wir sind uns einig, der AG ein neues Ziel zu setzen: Wir wollen mehr Werbung für die hessische Seite des Rothaarsteigs machen.

16.31 Uhr: Auf dem Rückweg nach Driedorf noch rasch eine Stippvisite in Hohenroth, wo ein Buswendeplatz und ein Anbau am Feuerwehrgerätehaus entstehen. Im Rathaus hat Gemeindekassen-Leiter Andreas Georg schon einen Stapel Mahnbescheide in der Hand. „25 Stück, das ist noch im grünen Bereich“, sagt Wolfgang Schuster und unterschreibt. Das ist richtig, weiß doch mittlerweile sogar ich, dass in Driedorf insgesamt 900 Camper an Heisterberger Weiher und Krombachtalsperre eine Stellplatz gepachtet haben.

Nach einer weiteren Runde Schreibtischarbeit kann der Bürgermeister nach Hause gehen – aber nur für ein Stündchen. Denn während die Verwaltung um 16 Uhr Dienstschluss hat, bereitet sich das Gemeindeoberhaupt auf zwei Abendveranstaltungen vor.

Bei neun Ortsteilen werden im Jahr rund 200 Termine abends und an Wochenenden nötig. Für den nächsten Tag liegen schon Urkunden für Goldene Hochzeiten bereit.

18.57 Uhr: Der Ortsbeirat in Heisterberg bekommt Besuch vom Bürgermeister. Im Dorfgemeinschaftshaus platzt die Farbe von Fensterrahmen, an der Friedhofsmauer wuchert Moos, Anwohner wollen Tempo-30-Zone, Jugendliche suchen einen Treffpunkt, und dem Festplatz geht es so wie der Gemeindekasse: Könnte mehr Schotter vertragen. Wird notiert.

20.12 Uhr: „Gipfeltreffen“ auf dem höchsten Punkt des alten Dillkreises: Der Wehrführer0ausschuss tagt in der Grillhütte in Hohenroth auf dem Höllberg. Ortsbrandmeister und Kommandanten der neun Wehren besprechen Alarmierungen, Anschaffungen, Ausbildung, Atemschutz-Übungsstrecke – und Aufgabenverteilung: Ortsbrandmeister Willi Denius scheidet im kommenden Jahr aus Altersgründen aus dem Amt, es muss ein Nachfolger gefunden werden. Weil Dienstherr der ehrenamtlichen Retter, mischt auch der Bürgermeister bei der Diskussion mit.

22.17 Uhr: Endlich daheim. Mir wird jetzt klar, was Wolfgang Schuster anfangs meinte: Der Bürgermeister ist nicht nur Behördenleiter, sondern auch so etwas wie Geschäftsführer einer „Firma mit 20 Millionen Mark Umsatz“. Das ist mehr als der „Grüß-August“, für den so mancher einen Bürgermeister halten mag. Am 2. September ist Wahl in Driedorf – aber ich habe dann doch keine Bewerbungsunterlagen abgegeben.

Was steckt dahinter?

Bürgermeister ist kein Lehrberuf. Und vors Regieren hat die Kommunalverfassung die Wahl gesetzt. Früher kürten die Parlamente ihre Rathaus-Chefs, in Hessen hat seit 1993 der Bürger das Wort bei der Direktwahl. Wurde einst besondere Qualifikationen in der Ausschreibung gefordert, etwa die zweite Verwaltungsprüfung, so steht das Bürgermeisteramt heute grundsätzlich jedem offen. Wählbar ist, wer Deutscher oder Bürger der Europäischen Union ist und am Wahltag das 25. Lebensjahr vollendet hat. Altersobergrenze ist 64 Jahre. „Vom Gesetzgeber werden weiter keine Bedingungen gestellt, aber die Parteien wollen ja wählbare Kandidaten präsentieren“, sagte Jürgen Meyer vom Hessischen Städte- und Gemeindebund. Wer nicht von einer Partei aus dem Kommunalparlament vorgeschlagen wird, kann sich auch auf eigene Faust bewerben. Dann braucht man Unterschriften von Bürgern, die die Kandidatur gutheißen. Gefordert werden doppelt so viele Unterzeichner wie das jeweilige Parlament Sitze hat. Sechs Jahre dauert eine Amtszeit der Bürgermeister, die als kommunale Wahlbeamte nach Größe der Stadt oder Gemeinde bezahlt wird. Die Besoldungsgruppen reichen von A14 (rund 7000 Mark monatliches Grundgehalt) bis B8, das sind rund 18000 Mark die Frankfurts Oberbürgermeisterin bekommt. Der Arbeitsmarkt für Bürgermeister ist stabil: Hessen hat 426 Städte und Gemeinden, kreisfreie und Sonderstatus-Städte leisten sich sogar Oberbürgermeister.

Informationen: Hessischer Städte- und Gemeindebund, Henri-Dunant-Straße 13, 63165 Mühlheim am Main, Tefefon (06108) 60010. Internet: www.hsgb.de. Mehr über Driedorf im Internet unter www.driedorf.de

Goure: Der Wandel im Handel ist Anlass genug

Goure!

Die beiden Märkte sind klassische Termine für „verkaufsoffene“ Sonntage. Bis zu vier Tage im Jahr sind laut Gesetz möglich. Die strenge Anwendung des Gesetzes macht es aber schwer, den Handel vor Ort zu stärken. (Foto: Konrad)

Leere Gassen, leere Läden, leere Kassen. So geht es weiter, wenn wir alle weiter via Internet im Amazonas kaufen. „Braucht der Handel die Städte noch?“, fragen schon die ersten Fachartikel. In dieser Karwoche muss ich das Thema Ladenöffnungsgesetz mal ansprechen, um deutlich zu sagen: Der Feiertag ist uns heilig, aber das Regelwerk für „verkaufsoffene Sonntage“ ist mehr als überholt. Der Feiertagsschutz ist uns in Eschenburg so wichtig, dass über eine Lockerung des „Tanzverbotes“ an Karfreitag und an den Osterfeiertagen nicht zu diskutieren ist. Das ist so wie dazumal in der dienstältesten Disko des Dillgebietes, dem „Whisky Bill“ in Hirzenhain, wo am Gründonnerstag um Mitternacht das Licht an und die Musik aus ging. Party zu Ende. Rücksicht auf Karfreitag und Ostern, die zusammen für den christlichen Glauben den wichtigsten Feiertag bilden.

Der Sonntag ist auch ein Feiertag, weshalb er ebenso unter dem Schutz des Feiertagsgesetzes steht. Das Hessische Ladenöffnungsgesetz (HLöG) gewährt Städte und Gemeinden in seinem Paragraf 6 Ausnahmen, „aus Anlass von Märkten, Messen, örtlichen Festen und ähnlichen Veranstaltungen“ an bis zu vier Sonntagen „verkaufsoffen“ zu genehmigen. Soweit so gut.

In Auslegung und Anwendung des Gesetzes scheiden sich nun die Geister. In der strengen Lesart der Aufsichts-Ebenen hoch bis zum Ministerium heißt das zum Beispiel auch, dass der Anlass an sich mehr Menschen anlocken muss als die Verkaufsöffnung. Mit dieser Haltung hätten wir vor 1782 schon unseren Markt in Eibelshausen vergessen können…

Zum Markt im Frühjahr und im Herbst, die jedes Jahr auf dem zweiten Sonntag im Mai und im Oktober fallen, sowie alle zwei Jahre zur Energie-Messe in Eschenburg haben wir „verkaufsoffene Sonntage“ anbieten. Und die Läden dürfen nur zwischen 13 und 18 Uhr öffnen, schreiben wir bewusst vor. Somit bleibt dem Besuch des Gottesdienstes ebenso seine Zeit wie ein Bummel über den Rummel, am besten beides mit der Familie.

Gerne hätten wir zur Gewerbeausstellung einen „verkaufsoffenen Sonntag“ in Eschenburg und Dietzhölztal gemeinsam erlaubt. Als Schaufenster in die heimische Wirtschaft und Leistungsschau unserer Läden. Das sind meist von den Inhabern selbst geführte Geschäfte, die auch mit dem Tarif nicht in Konflikt kommen und meist selbst vorher gerne in die Kirche gehen. Das Ladenöffnungsgesetz in seiner aktuellen Fassung mit dem Anlassbezug macht eine konzertierte Aktion aber unmöglich. Und selbst wenn wir uns vor Ort einig wären, lauern ferne Funktionäre aus Gewerkschaften und Kirchen, die Kommunen gerne verklagen.

Die Konkurrenz aus dem Amazonas schert sich um Gottesdienste, Tarife, Sonn- und Feiertage einen Dreck. Die Läden im Internet haben 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet. Sonn- und Feiertage inklusive. Was wir besser können, ist Service. Nur zeigen können dürfte man dies. Deshalb meine ich für die maximal vier „verkaufsoffenen“ Sonntage: Der Wandel im Handel ist Anlass genug!

Besinnlichen Karfreitag und frohe Ostern wünscht

Ihr Bürgermeister

Götz Konrad


In der Papierausgabe der „Wochenzeitung für die Gemeinde Eschenburg“ schreibt Bürgermeister Götz Konrad wöchentlich ein Beitrag unter der Gruß-Formel „Goure!“.

 

 

 

 

„Hitparade“ der Hemmnisse soll Fortschritte bringen

Parteiunabhängige Bürgermeister im Gespräch mit der FDP-Fraktion (von links): Wolfgang Gottlieb (Birstein), Uwe Steuber (Lichtenfels), Götz Konrad (Eschenburg), Klaus Temmen (Kronberg), Markus Röth (Grasellenbach), Harald Semler (Wetzlar), FDP-Mann Jörg Uwe Hahn und Bernhard Ziegler (Herbstein).

Wiesbaden/Wetzlar – „Wir erwarten, dass es eine Beteiligung des Landes gibt“, sagte Harald Semler. Der Vorsitzende der Parteiunabhängigen Bürgermeister in Hessen (PuB) sprach mit Kollegen beim kommunal- und finanzpolitischen Sprecher Dr. h. c. Jörg-Uwe Hahn von der FDP-Landtagsfraktion in Wiesbaden das drängende Thema der so genannten Altfehlbeträge an.

Auch wenn Konjunktur und Schutzschirm viele Kommunen aus der Krise geholt hätten, seien diese aufgehäuften Defizite und hohen Kassenkredite nicht einfach mit einem neuen Erlass des Innenministers zu lösen. Die Liberalen befürchten, dass weitere Vorgaben die Kreis- und Schulumlagen sowie die Grund- und Gewerbesteuern im ganzen Land in die Höhe treiben, die von den gleichen Kommunen erbracht werden müssten und deren Ergebnisse belasten. „Es darf hierfür keinen Schutzschirm 2 mit starren Vorgaben geben, sondern die Einzelfälle müssen betrachtet werden“, sagte Semler.

Auch bei weiteren Themen suchen die „freien“ Bürgermeister Augenmaß bei Gesetzgeber und Aufsicht: „Das erschwert und blockiert Verfahren“, monierte Bernhard Ziegler (Herbstein) mit Blick auf die Ökopunkte-Praxis, wenn für den Naturschutzausgleich plötzlich neue Regeln gelten sollten. „Der Wandel im Handel ist Anlass genug“, plädierte Götz Konrad für eine verträgliche Lösung beim Ladenöffnungsgesetz. „Wenn das zentralisiert wird, kommt niemand mehr aus der Fläche“, warnte Uwe Steuber (Lichtenfels) vor Änderungen bei der Talentförderung des Landessportbundes. „Das Thema Gerechtigkeit wird hier völlig ausgeblendet“, sagten Wolfgang Gottlieb (Birstein) und Markus Röth (Grasellenbach) mit Blick auf die vorgeschriebene Untersuchung von Abwasserkanälen. Auch der zur Zeit diskutierte Kompromiss, demnach nur Hausanschlüsse in Städten und Wasserschutzgebieten zu untersuchen seien, belaste beispielsweise Gemeinden im Ried und Vogelsberg, die für den Ballungsraum das Wasser lieferten.

Solche Beispiele aus der Eigenkontrollverordnung (EKVO) und der Wasserrahmenrichtlinie des Landes führen derzeit die „Hitparade“ der aus ihrer Sicht unnötigen Hemmnisse an, die die Parteiunabhängigen Bürgermeister als „TOP 10 zum Standardabbau“ über ihre Internetseite führen.

Info: Die Parteiunabhängigen Bürgermeister (PuB) finden sich unter www.pub-hessen.de im Internet und in mehr als 170 Rathäusern im Lande Hessen. Pressespiegel der PuB unter www.pub-hessen.de/pressespiegel


Zum Hessischen Ladenöffnungsgesetz (HLöG) lesen Sie hier auch einen Beitrag „Der Wandel im Handel ist Anlass genug“.

 

8. Energie-Messe mit freiem Eintritt und freiem WLAN

Neue Technik verändert Verhalten. Unseren Kindern bekommen wir nur noch im Museum vermittelt, was ein Telefon mit Wählscheibe ist. Und dass man mit dem „Handy“ weit mehr vermag, als der Benutzer „erwischen“ kann, erfahren wir von der jüngeren Generation jeden Tag aufs Neue.

Deshalb haben wir uns für die 8. Energie-Messe in Eschenburg gedacht und gemacht, dass es in und an der Mehrzweckhalle in Wissenbach Internet per Funk gibt, besser bekannt als WLAN. Ohne Kabel, ohne Passwort. Ganz einfach.

Damit können Besucher wie Aussteller auch das zeigen, was man in die MZH nicht herbeikarren kann. So ein Solarpark zum Beispiel: Über die Internetseite der Betreiber-Firma 7×7 Energie, die bei der Messe auch am Start ist, kann man sich per Live-Monitoring in die rund 10.000 polykristallinen Module in Hirzenhain/Bahnhof schalten und sehen, dass der Februar jetzt schon doppelt so viel Sonne wie der Januar abbekommen hat.  Auf der etwa vier Fußballfelder großen Fläche sind demnach im vergangenen Jahr über zwei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt worden. Davon können umgerechnet 440 Haushalte zehren. Und der Umwelt spart das 1.350 Tonnen Kohlendioxid jedes Jahr.

Mit dem Solarpark ist in Eschenburg zudem der Anteil der Produktion vor Ort am Gesamtstromdarf auf 18 % gestiegen. Die Nennleistung entspricht in etwa der Summe der drei 1997 ans Netz gegangenen Windräder im Hintergrund. Für moderne Rotoren wie die E-141 mit jeweils 4,2 MW Nennleistung, von denen zwei am Galgenberg geplant sind, müsste man gleich zwei solcher Solarparks bauen. Oder mal ganz ohne WLAN umgerechnet: Für die zwei Windräder am Galgenberg müsste man ein Dutzend der kleinen Windräder in der Landschaft unterbringen.

Für Wochenende in Wissenbach dran denken: Kopf hoch – auch wenn es Gratis-WLAN gibt!